Bunter Abend der Mooser Rettiche
Narri, Narro und Rettichsaft
- Bürgermeister Krauss als Ersatzschauspieler bei der Wasserprozession.
- Foto: Achim Holzmann
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Moos. Wenn das Bürgerhaus aus allen Nähten platzt, Trommeln den Takt vorgeben und aus vielen Kehlen «Narri Narro», sowie das uralte Mooser Hochkultur-Mantra «Rettich, Bülle und Salot, gnueg, gnueg, gnueg» schallt, dann ist klar: Die Mooser Rettiche haben gerufen. Am letzten Samstag, dem 24. Januar, verwandelte sich Moos in das Epizentrum närrischer Lebensfreude – mit einem bunten Abend, der seinem Namen alle Ehre machte.
Nach dem Einmarsch der Zunft mit Trommeln, Fanfaren und ordentlichen Dezibel begrüßte Präsidentin Nici Eschbach in gewohnt gereimter Höchstform die illustre Gästeschar: Ehrengäste wie Bürgermeister Patrick Krauss, die befreundeten Hörizünfte, alle Gruppenführer samt Narrenschar, sowie eine Delegation der Froschenzunft Radolfzell. Spätestens hier war die Fastnachtsstimmung im Bürgerhaus auf Betriebstemperatur.
Den Auftakt der Narren Night Show machten die «schrillen Höriperlen» mit ihrem Beitrag «Loss dei Wösch a». Skurrile Geschichten, bei denen man lernte, dass man sich seiner Garderobe besser nicht entledigt – ganz nach dem Motto: «Kumm zieh dei Häs a, d’Fasnet isch de Hit». Im «Brunnenkurort Bettnang» wurde anschließend die Trinkqualität des Dorfbrunnens satirisch untersucht, inklusive Wellnessbad-Tauglichkeit und der berechtigten Frage, warum dieser Ortsteil eigentlich noch kein international zertifizierter Kurort ist.
Präsidentin Eschbach sorgte selbst für weitere Lacher, als sie sich auf der Narrenbühne mit der haarigen Angelegenheit eines Enthaarungswachses («Ä hoorige Sach») beschäftigte – mit erwartbar katastrophalem Ausgang.
Die Marktweiber nahmen danach die Mooswaldklinik ins Visier: Von der schwerhörigen Frau Schuster, bei der aus einer Thrombose ein Traumbusen wurde, bis zu Herrn Henrich, bei dem bei der Darmspiegelung Gleitmittel mit Flüssigkleber verwechselt wurde, blieb kein Auge trocken. Traditionsgemäß beschworen die «Elfer» schließlich die närrische Geheimwaffe: den legendären Rettichsaft, der nach mysteriöser Zeremonie unters Volk gebracht wurde – mit unklarer Wirkung, aber großem Glauben an seine Kräfte.
Nach der Pause begeisterte die «Rettich Dance Crew» als rhythmisch elegante Basketballfreaks mit Urlaubsfeeling, bevor die «Holzer» den Alptraum von Bürgermeister Krauss auf die Bühne brachten: eine Bürgermeisterwahl ohne ihn. Spätestens jetzt wurde klar, dass auch politische Satire in Moos bestens gedeiht. In der Bütt erzählte Nici Eschbach von «bad Butzete» und der Mammutaufgabe, Bad und WC zu reinigen. Anschließend wollte die Filmcrew der Erfolgsserie «WaPo Bodensee» ihre letzten Szenen in Moos drehen – allerdings ohne Stars und Regisseur, dafür mit engagierten Amateuren.
Dass bei der «Mooser Wasserprozession» Bürgermeister Krauss selbst auf die Bühne musste und das Narrenvolk lautstark «Wir lieben den Bodensee» sang, gehört zu den Momenten, die Fastnachtsgeschichte schreiben. Vor dem großen Finale zeigte der Fanfarenzug mit «Drums alive» ein außergewöhnliches Drummer-Ballett mit Medizinbällen als Trommeln – kraftvoll, kreativ, schlicht, einfach beeindruckend. Den Abend moderierten «D` Meischter Eder und sin Pumuckel» (Heidi Bruttel & Nadine Lock). Fazit: Der bunte Abend der Mooser Rettiche war närrisch, humorvoll und herrlich selbstironisch. Moos kann Fastnacht – und wie!
Autor:Achim Holzmann aus Singen |