Stefan Keil feiert Bergfest in Orsingen-Nenzingen
"Ich lasse mich gerne daran messen, was wir hier als Mannschaft leisten"

Kann in seinen ersten vier Jahren als Bürgermeister von Orsingen-Nenzingen auf viele herausfordende, jedoch auch spannende Projekte zurückblicken: Stefan Keil.  | Foto: Philipp Findling
  • Kann in seinen ersten vier Jahren als Bürgermeister von Orsingen-Nenzingen auf viele herausfordende, jedoch auch spannende Projekte zurückblicken: Stefan Keil.
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Orsingen-Nenzingen. Seit nun vier Jahren ist Stefan Keil Bürgermeister der Gemeinde Orsingen-Nenzingen. Wie er diese Zeit erlebt hat und was seither auf den Weg gebracht wurde, hat er dem WOCHENBLATT zu seinem Bergfest erzählt.

Wochenblatt: Herr Keil, wie verliefen Ihre ersten vier Jahre als Bürgermeister der Gemeinde Orsingen-Nenzingen?

Stefan Keil: Nun es ging bereits vor dem Amtsantritt spannend los, da während der Corona-Pandemie der Wahlkampf für alle sehr herausfordernd war. Zum Amtsantritt war dann noch Hoch-Coronazeit, alle waren sehr gefordert – die Bürgerinnen und Bürger und die Verwaltung. Nach der Pandemie waren wir voller Hoffnung, dass es wieder vorangeht, ehe dann die Energiekrise kam. Auch hier gab es gewisse Regularien die einzuhalten waren, ich erinnere hier unter anderem an 19 Grad im Büro. Es sollten unter anderem auch Wärmehallen für den Fall der Fälle vorbereitet werden. Ich bin sozusagen direkt im Krisenmodus ins Amt gestartet. Umso erfreuter waren wir, als das alles vorbei war und wir uns wieder anderen Themen widmen konnten.

Wochenblatt:
Wie gut haben Sie sich in dieser Zeit an Orsingen-Nenzingen und die Umgebung gewöhnen können?

Stefan Keil:
Da ich hier aufgewachsen bin, ist mir die Region mehr als vertraut. Die ersten anderthalb Jahre in meiner Amtszeit waren schon herausfordernd. Gemeinsam mit dem Verwaltungsteam und der Gemeinde haben wir Orsingen-Nenzingen gut weiterentwickelt und viele Projekte zum Abschluss gebracht sowie neue angestoßen. Das geht meiner Ansicht nach nur als Team, worin jeder seinen Teil bestmöglich dazu beitragen muss, um dieses Schiff hier gut lenken zu können. Das haben wir meiner Meinung nach sehr gut hinbekommen. Ich bin mit der Entwicklung der letzten vier Jahre sehr zufrieden.

Wochenblatt: Welche Herausforderungen konnten Sie in Ihrer ersten Amtshälfte bisher meistern?

Stefan Keil: Ein Thema, was mich im ersten Amtsjahr intensiv beschäftigt hat, war der bereits jahrelang formulierte Wunsch des Sportvereins einen Kunstrasen zu bekommen. Hier konnte ich im ersten Halbjahr einen Beschluss herbeiführen. Ein anderes Thema, das viele Bürgerinnen und Bürger bewegte, war die Friedhofsgestaltung und Friedhofsüberplanung. Hier haben wir ein großes Konzept auf den Weg gebracht, welches wir sukzessiv abarbeiten und im Wechsel auf beiden Friedhöfen nach und nach umsetzen.

Wochenblatt: Wie sind Sie in den ersten vier Jahren Ihrer Amtszeit mit dem Thema Flüchtlinge in Orsingen-Nenzingen umgegangen?

Stefan Keil:
Es ist uns in den letzten vier Jahren gelungen, den Zustrom an Geflüchteten zu bewerkstelligen und hierbei, ohne die Sperrung von Hallen, Wohnraum zu finden. Hatten wir 2021 noch 70 Geflüchtete in der Gemeinde untergebracht, ist es jetzt mehr als das Doppelte. Trotz der harten Arbeit hierbei sind wir hier immer wieder auf Unterstützung angewiesen.
Es gab zu Beginn des Ukraine-Kriegs eine hohe Solidaritätsbereitschaft aus der Bevölkerung, wo uns dann auch immer wieder Wohnraum angeboten wurde. Das funktioniert bisher gut, wenngleich wir natürlich immer Bedarf haben. Aus diesem Grund haben wir beschlossen, eine Containeranlage für 50 Geflüchtete zu bauen. Hier nimmt der Projektverlauf wieder eine gewisse Dynamik an, nach dem es zuletzt etwas ins Stocken geriet, sodass ich hoffe, dass wir dies ebenfalls im Laufe dieses Jahres zu Ende bringen. Jedoch stellen uns auch vereinzelte Kündigungen von Mietverhältnissen vor Herausforderungen.

Wochenblatt: Welche Projekte erwarten Sie noch in naher Zukunft?

Stefan Keil: Wir haben viele Projekte angestoßen und zum Abschluss gebracht. Wenn wir zwei weitere Projekte noch zum Abschluss bringen können, wäre es mit Sicherheit etwas, worauf wir in der Gemeinde dann auch stolz sein können. Das wäre zum einen die Überdachung des Parkplatzes vor der Kirnberghalle. Wenn wir dort PV-Anlagen installieren können, wäre das ein Pilotprojekt, dass es so im Landkreis nicht gibt. Zudem wurde 2008 das Projekt zur Prädikatisierung zum Erholungsort begonnen, ein Wunsch, den die Gemeinde seither hegt. Hierfür stehen die Vorzeichen sehr gut, dass dies noch dieses Jahr klappen könnte.

Vor der Sommerpause wird jetzt noch der Spielplatz im Ganztageskindergarten Wirbelwind fertiggestellt. Das ist ein Projekt, das mir auch im Wahlkampf schon sehr am Herzen lag. Ein Thema, dass der Bürger nicht sieht, jedoch merken wird, wenn es nicht funktioniert, ist die Sanierung unseres Kanalnetzes. Das stellt uns immer wieder vor gewisse Hürden. Bereits in der Gemeinderatssitzung vor einem Jahr habe ich berichtet, dass wir nur in Orsingen eine Investition von 2,2 Millionen Euro hierfür zu tätigen haben. Hier fangen jetzt die ersten Maßnahmen an.

Darüber hinaus müssen wir uns auch in Zukunft um das Thema Wasserversorgung kümmern. Hier kommen auch stetig neue Anforderungen, was wir als Versorger liefern müssen, wobei wir hier auch viel in Infrastruktur investieren müssen. Ebenso müssen wir uns den Herausforderungen im Wald stellen und nach Lösungen suchen. Ich hoffe aber auch, dass wir nicht nur notwendige Themen haben werden, sondern auch schöne und einige Dinge anstoßen, die der Bürger dann auch sieht und wahrnimmt, dass etwas passiert.

Zudem kümmere ich mich intensiv um die Erweiterung der Gewerbeflächen, da auch hier Bedarf vorhanden ist. Hier haben wir aktuell einen Bedarf von schätzungsweise fünf Hektar. Wir haben in der Gemeinde bereits ein Gebiet mit etwa zwei Hektar beschlossen, was nun auch vorangetrieben werden soll. Darüber hinaus hoffe ich, dass vielleicht in 2026 fortfolgend auch das Thema Glasfaser in Orsingen-Nenzingen starten kann.

Wochenblatt:
Was gefällt Ihnen in Orsingen-Nenzingen so besonders?

Stefan Keil:
Für Orsingen-Nenzingen wirklich besonders ist die lebendige Vereinswelt und alles, was drumherum passiert. Das finde ich sehr außergewöhnlich. Wir haben rund 20 Vereine in der Gemeinde, die alle sehr engagiert sind. Bei Events wie aktuell zum Beispiel dem Fest „50 Jahre Doppelgemeinde“ stehen die Vereinsvertreter sofort bereit und haben Lust, mit uns gemeinsam etwas zu entwickeln. Jedoch sind auch die vereinseigenen Festivitäten immer von Erfolg gekrönt. Das ist ein ganz großes Miteinander und eine gelebte Gemeinschaft.

Wochenblatt: Wie war die bisherige Rückmeldung aus der Bevölkerung auf ihre ersten vier Jahre?

Stefan Keil: Es ist zum einen nicht so, dass jeden Tag jemand im Büro steht und meine Arbeit lobt. Das muss auch nicht sein. Es ist aber auch nicht so, dass ich jeden Tag gerügt werde. Meine Arbeit hier ist, glaube ich, relativ geräuschlos. Ich lasse mich gerne daran messen, was wir hier als Mannschaft leisten und das kann sich meiner Ansicht nach sehen lassen.

Wochenblatt: Wie haben Sie in den ersten vier Jahren Ihr Amt als Gerichtsnarr gemeistert und wird man Sie auch 2026 noch bei der Stockacher Fasnet sehen, da Sie ja im Narrengericht gekündigt haben?

Stefan Keil: Mein Eindruck hiervon ist, dass wir die Fastnachtszeit in den ersten vier Jahren gut miteinander gemeistert haben. Mittlerweile sind die ganzen Veranstaltungen am Schmotzige Dunschdig schon zum Ritual für mich geworden. Das hat sich alles ganz gut eingespielt. Ich hoffe, die Orsinger-Nenzinger Narren nehmen es mir auch nicht übel, wenn ich bei der Verhandlung bin. Schließlich habe ich da die Möglichkeit den ein oder anderen Vertreter von kommunalen Verbänden oder Politiker zu treffen, wo man gegebenenfalls zwanglos gewisse Dinge besprechen kann. Ich bin ja während meiner Anwartschaft bei den aktiven Laufnarren vom Narrengericht abgeworben worden und war sozusagen eine freundliche Leihgabe der Aktiven Laufnarren in den letzten zehn Jahren. An Dreikönig 2026 rutsche ich nun in den Stand des Altgerichtsnarren, jedoch kehre ich auch zu den Aktiven Laufnarren zurück und werde 2026 erstmals in Schäme und Häs unterwegs sein.

Autor:

Philipp Findling aus Singen

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