Vorstellung der Arbeitsmarktzahlen
Noch viele Probleme trotz geringer Arbeitslosenquote im Agenturbezirk
- Für Martin Schäuble, Geschäftsführer von Schäuble Sanitär und Heizung in Radolfzell (Mitte neben Anke Traber) und seine Frau wie Mitgeschäftsführerin Veronika Schäuble (rechts) gibt es trotz positiver Zahlen immer noch einige Baustellen auf dem Arbeitsmarkt.
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Radolfzell/Kreis Konstanz. Geringere Arbeitslosenquote als im Land und Bund sowie ein stärker werdendes Handwerk. Unter anderem dies sind die Resultate aus den aktuellen Arbeitsmarktzahlen, die seitens der Agentur für Arbeit Konstanz-Ravensburg am 30. Juni bei der Firma Schäuble in Radolfzell präsentiert wurden.
Bei diesem Format geht es der Arbeitsagentur vor allem darum, nicht nur die nackten Zahlen vorzustellen, sondern auch die Sichtweise regionaler Betriebe hierzu zu erfahren, wie Anke Traber, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Konstanz-Ravensburg erklärte.
Zuwachs von mehr als 1.000 Beschäftigten
Rund 334.000 Beschäftigte konnte Traber dabei für den Stichtag des 31. Dezember 2025 verkünden. Ein Zuwachs von etwas mehr als 1.000 Beschäftigten im Vergleich zum Jahresende 2024. Die größte Berufsgruppe macht dabei das verarbeitende Gewerbe mit rund 97.000 Arbeitnehmern aus, dahinter folgt das Gesundheits- und Sozialwesen mit 53.928 Beschäftigten. Am wenigsten Arbeitnehmer beschäftigt nach aktuellen Zahlen die Land- und Forstwirtschaft mit 2.465 Personen.
Das verarbeitende Gewerbe ist es jedoch auch, dass gemeinsam mit der Metall-, Elektro- und Stahlindustrie einen tendenziellen Rückgang von Beschäftigten zum Stichtag Dezember 2025 zeigt. So verzeichnen diese Branche nach aktuellen Angaben einen Rückgang von 1.546 und 1.658 Arbeitnehmern.
Von den 334.000 Beschäftigten haben laut Anke Traber rund 200.000 Menschen einen anerkannten Berufsabschluss. "Rund 43.000 sind Akademiker, was zeigt, dass die Arbeitnehmerzahl in diesem Bereich mit 61,7 Prozent stark zugenommen hat." Dies führte Traber auch auf die Hochschulstandorte zurück, wo viele Akademiker ausgebildet werden. "Jedoch hat die Arbeitslosenquote auch hier zugenommen."
Allgemein verzeichnet der Arbeitsmarkt im Agenturbezirk Konstanz-Ravensburg nach derzeitigem Stand eine Arbeitslosenquote von rund 3,6 Prozent, der somit niedriger als in ganz Baden-Württemberg mit 4,6 Prozent sowie im gesamten Bundesgebiet mit insgesamt 6,3 Prozent ist. "Das spiegelt vor allem die wirtschaftsstarken Regionen, die wir in unserem Bezirk haben, eindrucksvoll wider", zeigte Traber auf. "Da steht der Unternehmer noch für sein Unternehmen."
Bürokratie für Kleinstbetriebe "resignierend"
Generell sieht Martin Schäuble, Geschäftsführer von Schäuble Sanitär und Heizung in Radolfzell, in seiner Branche vor allem die fehlende Entbürokratisierung als großes Problem. "Die Bürokratisierung und die damit verbundene Dokumentationspflicht nimmt immer mehr zu. Das ist gerade für kleine Kleinstbetriebe mehr als resignierend." Dabei sei es ihm zufolge auch egal, welche Politiker gerade in Bund und Land an der Macht sind.
"Das wird einfach nicht besser und zieht sich zeitlich immer mehr nach hinten", sagte Martin Schäuble. "Unsere Azubis können nicht bezahlt werden, wenn die Bescheinigungen für die Sozialversicherung nicht geliefert werden können", zeigte Mitgeschäftsführerin Veronika Schäuble auf. "Die Firmen müssen allgemein mehr wachsen, sonst haben diese irgendwann keine Chance mehr", verdeutlichte Geschäftsführer Schäuble.
Laut ihm ist dabei auch eines klar: "Es gibt keinen Beruf, der 'einfach' ist, auch nicht im Handwerk." Dabei spielt für ihn auch die Qualität der Arbeitskräfte eine große Rolle, wobei er gerade für seine ausländischen Mitarbeitern hohe Zufriedenheit verspürt. "Die wollen arbeiten, damit ihre Familien leben können."
Generell tue sein Betrieb aktuell einiges dafür, um diesen Beschäftigten ihre Arbeit zu erleichtern. So möchte man gemeinsam mit der Handwerkskammer Konstanz im Bereich Sanitär und Heizung mit "Schule und Prüfung in einfacher Sprache" demnächst ein Pilotprojekt starten, um gerade die Prüfungen für diese Menschen simpler und vor allem verständlicher zu gestalten. "Wir haben nämlich das Gefühl, dass die Arbeitskräfte viel nicht verstehen, was man von ihnen verlangt", so Schäuble.
Höheres Ansehen im Handwerk
"Allgemein genießt das Handwerk im Agenturbezirk Konstanz-Ravensburg ein höheres Ansehen als noch vor ein paar Jahren", erklärte Nico Dmeiri von der Agentur für Arbeit Konstanz-Ravensburg. "Gerade bei der jungen Bevölkerung gewinnt unsere Branche immer mehr, da man sich hier in größere Betriebe hocharbeiten kann", ergänzte Martin Schäuble. Unter anderem die geregelten Arbeitszeiten seien für ihn ein ausschlaggebender Faktor dafür.
Ein Problem, dass alle Parteien jedoch bei all den positiven Zahlen sehen, sind manche Elternhäuser, die laut Schäuble oftmals noch auf den höchsten Schulabschluss pochen. "Wir müssen daher die Eltern über die Vorteile der Wunschberufe ihrer Kinder aufklären, damit diese hierfür mehr Unterstützung von ihnen bekommen", forderte Anke Traber. Für Schäuble sei es zudem sehr wichtig, als Betrieb vermehrt in die Schulen zu gehen und den Schülern eine Aus- oder Weiterbildung schmackhaft zu machen. Gemeinsam mit der Handwerkerrunde in Konstanz möchte man daher ein einjähriges sogenanntes Handwerker-Jahr ähnlich des Freiwillig Sozialen Jahres einführen.
Schwierige Berufsberatung
Und auch wenn Anke Traber derzeit viel Stabilität und Verantwortung in der Arbeitnehmerschaft wahrnimmt, so sind die Berufsberatungen aktuell nicht gerade einfach. "Viele Menschen fragen uns dabei häufig zuerst, welcher Beruf denn aktuell unsicher sei." Dies habe man vor einem Jahr so nicht wahrgenommen. Positiv hingegen sei für sie die Tatsache, dass gerade körpernahe Berufe wie im Handwerk, so schnell nicht durch künstliche Intelligenz ersetzt werden. "Für viele junge Menschen ist es aber wichtig, Berufe zu erlernen, die zukunftssicher sind." Hierzu zählt Nico Dmeiri neben dem Handwerk auch den Erzieherberuf sowie die Pflege. "Gerade die Pflegeschulen sind in unserem Bezirk derzeit alle voll", erklärte er.
Tendenzieller Rückgang von Kurzarbeit
Auch das Thema Kurzarbeit war bei der Vorstellung der aktuellen Arbeitsmarktzahlen ein Thema. So haben laut Anke Traber Stand Dezember 2025 rund 1.787 Beschäftigte im Agenturbezirk kurzgearbeitet. Dabei nehme die Kurzarbeit an sich ihr zufolge tendenziell ab. "Zudem gibt es in unserem Bezirk weniger Betriebe, die hierbei in Verlängerung gehen", sagte Traber.
Ein verstärkter Entlassungsgrund sei dieses Instrument für sie aber nicht. Insgesamt haben im bisherigen Jahr 20 Betriebe etwa 1.092 Personen entlassen. Für Martin Schäuble ist es unabhängig davon von großer Bedeutung, gerade als Ausbildungsbetrieb dem entgegenzuwirken. "Wenn du nicht ausbildest, hast du keine Chance und läuft in eine Fachkräfte-Lücke rein."
Autor:Philipp Findling aus Singen |