Drei Millionen Euro Preissteigerung
Pflegeheim Mettnau wird zur Herausforderung

Vor dem Neubau des Pflegeheims auf der Mettnau: von links Oberbürgermeister Simon Gröger, Bürgermeisterin Monika Laule und Georg Schmitz von GMS Architekten.
  • Vor dem Neubau des Pflegeheims auf der Mettnau: von links Oberbürgermeister Simon Gröger, Bürgermeisterin Monika Laule und Georg Schmitz von GMS Architekten.
  • Foto: Stadt Radolfzell - Nicole Rabanser
  • hochgeladen von Anja Kurz

Radolfzell. Dass ein Projekt wie das neue Pflegeheim Mettnau mit Risiken behaftet ist, ist nichts Ungewöhnliches. Doch hat beim Beginn der Planungen wohl niemand damit gerechnet in welch unsicheren Zeiten nun gebaut werden muss. Diese Schwierigkeiten wurden im Rahmen eines Pressegesprächs am vergangenen Dienstag thematisiert und am selben Abend dem Gemeinderat zur Einsicht vorgelegt.

Der Bau selbst laufe laut Architekt Georg Schmitz von GMS Architekten in Sachen Material und Arbeitsabläufen auf der Baustelle insgesamt rund. Demnach hat der baustellenfreundliche Winter seinen Anteil daran, dass der Einzug bisher lediglich um einen Monat auf den August 2023 verschoben werden musste. Jedoch habe es, befeuert durch den Krieg in der Ukraine, eine immense Preisentwicklung im Bausektor gegeben, sodass zwischenzeitlich sogar ein Baustellenstopp diskutiert wurde.

Bereits beim ersten Ausschreibungspaket war eine Kostensteigerung von bis zu 18 Prozent erwartet worden, tatsächlich liege sie nun bei circa 15 Prozent. Im aktuellen zweiten Schwung kam dabei erst richtig Fahrt auf. Hier sei man überhaupt froh, bei den abgedeckten Arbeitsbereichen Fenster und Fassaden noch jeweils einen Bewerber auf die Ausschreibungen bekommen zu haben, meint Bürgermeisterin Monika Laule. Auch von den 15 daraufhin kontaktierten Firmen habe man durchgehend Absagen kassiert, da diese bereits mit Aufträgen ausgelastet seien. Entsprechend sind die Kosten im zweiten Bauabschnitt enorm gewachsen, ein sattes Mehr von 1,8 Millionen Euro, im Vergleich zu den anfänglichen Schätzungen, führt zu einer bisherigen Gesamtsteigerung im Projekt von drei Millionen Euro und damit zu einem aktuellen Kostenstand von 22,3 Millionen Euro.
Doch zumindest konnten auch Einsparungen vorgenommen und Förderungen gewonnen werden. So habe die Umstellung des Projekts von einer Demenzoase auf eine Kurzzeitpflege Fördergelder verfügbar gemacht und auch der KfW-Förderkredit bleibt bestehen und hilft mit etwas mehr als 1,1 Millionen Euro aus. Auch die zwei noch verbleibenden Ausschreibungen, welche 30 Prozent der gesamten handwerklichen Arbeiten ausmachen, bergen ebenfalls ihre Risiken in puncto Kosten.

Um den Neubau trotz allem zu sichern, wurden von der Stifitungsaufsicht im Regierungspräsidium Freiburg einige Vorgaben gemacht. Angedachte Investitionen und Projekte sollen demnach vorläufig zurückgestellt werden. Zudem müssen zur Deckung des Anteils von zwei Dritteln der Baukosten aus Eigenkapital, wie aus Freiburg gefordert wird, stiftungseigene Flächen verkauft werden. Aus diesem Grund soll die »Mirabellenwiese« am Klinikum verkauft und dort Wohnraum geschaffen werden. Um sich gegen dieses Vorhaben zu stellen, wurde ein Spendenaufruf gestartet, dem jedoch bisher durch den Brennpunkt Ukraine spendable Unterstützer fehlen. Der überregionale Spendenaufruf läuft noch bis zum 20. Juli.
Außerdem wird das heutige Hospital »Zum Heiligen Geist«, welches dann 2023 in den Mettnau-Neubau umzieht, an die Stadt Radolfzell verkauft. Dadurch könne man auch dem Wunsch der Bürger gerecht werden, diesen Ort langfristig weiterhin einem sozialen Zweck zu widmen, wie Oberbürgermeister Simon Gröger im Gespräch betonte. Was genau hier entstehen soll, werde dann in einem Workshop des Gemeinderats erarbeitet.

Alles in allem könne die Stiftung also die gesetzten Vorgaben noch umsetzen. »Aus meiner Sicht sind die Herausforderungen lösbar, bringen den Spitalfonds aber an seine Grenzen«, unterstreicht Bürgermeisterin Laule die Brisanz der Lage. Sollten jedoch die aktuellen Entwicklungen anhalten, wäre auch der noch bestehende Puffer im Eigenkapital der Stiftung von etwa 700.000 Euro gefährdet.

Autor:

Anja Kurz aus Engen

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