Angélique Tracik, Fachbereichsleiterin Kultur, im WOCHENBLATT-Interview
Schlösschen, Artothek, Kultur 2020 und mehr

  • Foto: Neben der Einführung der Themenjahre und der Neben der Einführung der Themenjahre und der Erarbeitung eines Kulturleitbildes führte Angélique Tracik, Fachbereichsleiterin Kultur, die Radolfzeller »KULTURgespräche« ein.
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Radolfzell (gü). Seit 1. August 2013 hat Angelique Tracik die Leitung des Fachbereichs Kultur in Radolfzell übernommen. Federführend ist sie für die Gesamtstrategie von Stadtbibliothek, Kulturbüro, Volkshochschule, Musikschule, Villa Bosch, Stadtmuseum und Stadtarchiv zuständig. Im exklusiven WOCHENBLATT-Interview spricht Tracik über die bisherige Zeit an der Spitze des Fachbereichs, sie lässt Erreichtes Revue passieren und wirft einen Blick in die kulturelle Zukunft der Stadt.

WOCHENBLATT: Sie sind nun seit einem Jahr im Amt. Was wurde bisher erreicht?

Tracik: »Wir wollen begeistern, bewegen und offen für Neues sein. So konnten wir im zurückliegenden Jahr viele Projekte, Ideen und Vorstellungen angehen und zum Teil auch schon verwirklichen. Dazu zählt vor allem die Entwicklung des neuen Kulturleitbildes »Kultur Radolfzell 2020«, eine bürgerbeteiligte Kulturentwicklungsplanung, und die daraus resultierende Entwicklung einer besucherorientierten Kulturmarketingstrategie. Ebenfalls konnten die Ortsteile in die Kulturarbeit in Radolfzell mehr integriert werden. Die Themenjahre für die Kultur wurden entwickelt und eine stärke Vernetzung des Fachbereichs Kultur mit den kulturschaffenden Vereinen, Institutionen und Bildungseinrichtungen wurde intensiviert. «

WOCHENBLATT: Ihr Hauptaugenmerk liegt, nach eigenen Angaben, auf der Entwicklung des neuen Kulturleitbildes 2020. Was sind die wichtigsten Eckpunkte und bis wann rechnen Sie mit dessen Präsentation?

Tracik: »Das Kulturleitbild ist eine Vision bis 2020. Es basiert unter anderem auf den Informationen, die wir anhand der jüngst durchgeführten Bestandsanalyse, diverser Informationsgespräche sowie den bürgerbeteiligten »KULTURgesprächen« gewonnen haben. Wir sind hier noch mitten in der Auswertung, aber so viel sei gesagt: Eine öffentliche Präsentation der ersten Ergebnisse sollen beim »KULTUR-Apèro« am 12. Oktober um 16 Uhr im Milchwerk vorgestellt werden. Eine Vorstellung des gesamten Konzeptes des gesamten Kulturleitbildes, der Leitlinien und der strategischen Ziele sowie die Umsetzung erster Maßnahmen sind für Anfang 2015 angedacht.«

WOCHENBLATT: Anfang des kommenden Jahres soll die Stadtbibliothek in ihr neues altes Zuhause im dann rundum sanierten Schlösschen zurückziehen. Was bedeutet das für die Kulturarbeit in Radolfzell?

Tracik: »Das Österreichische Schlösschen ist ein denkmalgeschütztes Juwel. Der »Wiedereinzug« der Stadtbibliothek stellt einen wichtigen Schritt für die Radolfzeller Kulturlandschaft dar, da die Bibliothek wieder ins Zentrum der Stadt zieht. Petra Wucherer und ihr Team haben sich bereits konzeptionell auf diese neue Situation eingestellt und werden sich als modernes Medienzentrum positionieren. Neben dem klassischen Bibliotheksangebot und mit Themen wie »Online«, »Games« und »Wissen« bedient die neue Stadtbibliothek dann alle Zielgruppen. Wir können so ein lebenslanges Begleiten auf allen Ebenen im Bereich »Medien« und »Literatur« gewährleisten.«

WOCHENBLATT: Mit Ihrem Amtsantritt 2013 haben Sie im Bereich Kultur die Themenjahre eingeführt. 2014 steht alles unter dem Motto »Worte«. Was können die Radolfzeller dabei erwarten?

Tracik: »55 Veranstaltungen, die sich alle rund um das Thema »Worte« drehen werden. Angefangen von Lesungen, über Musicals, Theateraufführungen, Ausstellungen bis hin zu den Gastspielen und Lesungen von Sascha Lobo, Andrea Sawatzki und Wladimir Kaminer wird für jeden etwas dabei sein. Zudem werden sich zahlreiche Vereine, Institutionen und Einrichtungen an unserem Themenjahr beteiligen. Wir wollen damit verdeutlichen: In Radolfzell wird keine Kultur von oben herab vorgegeben, sondern ein bürgernahes Kulturangebot von vielen engagierten Personen und Institutionen für Jedermann geschaffen. In vielen anderen Städten wird die Kulturarbeit aus dem Elfenbeinturm heraus gemacht, nicht so in Radolfzell! Eröffnet wird das Themenjahr im Rahmen der diesjährigen Kulturnacht am 2. Oktober.«

WOCHENBLATT: Welche drei Projekte wollen Sie im kommenden Jahr im Bereich Kunst und Kultur anpacken?

Tracik: »Aus dem Kulturleitbild sollen die einzelnen Kulturkonzepte für die städtischen Kultureinrichtungen wie beispielsweise die Villa Bosch, die vhs, die Stadtbibliothek, das Milchwerk, die Musikschule, die Stadtgeschichte und das Kulturbüro bis 2020 entwickelt werden. Zudem sollen die Themenjahre Töne in 2015, Bilder in 2016 und Geschichte in 2017 fortgeführt werden. Ein ganz wichtiges Projekt stellt des weiteren das Stadtjubiläum 2017 dar.«

WOCHENBLATT: Wie sieht Ihre Zusammenarbeit mit anderen Vereinen, Institutionen und Gruppierungen aus?

Tracik: »Die Zusammenarbeit verläuft sehr positiv, da mir die Vernetzung und der Dialog stets eine Herzensangelegenheit ist. Auch bei den »KULTURgesprächen« wurde der Wunsch nach der Fortführung dieser Form des offenen Dialogs und der Kooperation geäußert. Zudem wurde der Gedankenaustausch mit der Tourismus und Stadtmarketing GmbH, der Mettnau Kur, den Umweltverbänden und den Wirtschaftsunternehmen im vergangenen Jahr gestärkt und auch die Planungen für zwei weitere »KULTURgespräche« in 2015 laufen.«

WOCHENBLATT: Gibt es etwas auf Ihrer Prioritätenliste, das Sie noch nicht erreicht haben?

Tracik: »Ich hätte gerne bereits in diesem Jahr eine Artothek in der Villa Bosch eröffnet. Darunter versteht man eine Art Kunstleihe, bei der sich Interessierte ein Bild, eine Skulptur oder einen Druck für eine bestimmte Zeit ausleihen können. Die Mittel dafür wurden bereits in den Haushalt eingestellt. Allerdings wird die Artothek erst im Mai 2015 eröffnen. Die ersten Künstler haben bereits an diesem Projekt Interesse bekundet, so dass wir neben der Sammlung Radolfzell auch Stücke von regionalen Künstlern zur Ausleihe anbieten können. So könnten wir nicht nur die städtische Kunstsammlung zugänglich machen, sondern auch jungen, aufstrebenden Künstlern die Chance bieten, sich zu präsentieren. Bereits im November soll dieses Konzept dem Kulturausschuss vorgestellt werden.«

Die Fragen zum Intervies stellte WOCHENBLATT-Redakteur Matthias Güntert.

- Matthias Güntert

Autor:

Redaktion aus Singen

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