Tiefe Höhlenforschung zum Mitmachen
2020 noch ein Experiment - nun Teil eines UNESCO Tages
- Ein beeindruckendes Gebilde. Eine Höhlengruppe der Freunde der Aachhöhle in der Blätterteighöhle.
- Foto: Freunde der Aachhöhle e.V.
- hochgeladen von Sebastian Ridder
Aach. Für andere ist es ein klaustrophobischer Alptraum, für sie und weitere ein Abenteuer. Die Freunde der Aachhöhle forschen und präsentieren seit über 40 Jahren unterirdische Fluss- und Tunnelsysteme zwischen der Aachquelle und der Donau. Nun können das auch Interessierte und Besucher bei dem ersten Internationalen UNESCO Tag für Höhlen und Krast in Aach am Sonntag, 13. September, hautnah erleben. Egal ob man selber in eine Höhle kriechen möchte oder der Fachexpertise der ausgebildeten Taucher zuhören möchte.
18 Meter lange Höhle mit Stalagmiten
Seit 140 Jahren erkunden Taucher den Aachtopf und finden dort Höhlensysteme, Quellenläufe oder auch archäologische Funde. So auch der unterirdische Dolinensee oder die Blätterteighöhle, die 2004 zwar bei Bauarbeiten gefunden wurde, doch die Freunde der Aachhöhle arbeiten und forschen sich seither durch die fossile Fortsetzung des Donau-Aach-Systems. Laut dem ersten Vorsitzenden des Vereins, Georg Fleischmann, umfasst der Komplex bei der Aachquelle ein labyrinthisches System auf 2 Kilometern. Den rund 18 Meter lange Gang der Blätterteighöhle macht der Verein nun seit 2020 alle zwei Jahre zu einem kostenlosen Tag der Höhle auch begehbar für Besucher. Die müssen nur Gummistiefel selber mitbringen. Den Rest der Ausrüstung stellt der Verein. Anmeldungen sind vor Ort ab 10 Uhr möglich. "Das war eigentlich mal ein Experiment, ob auch große erwachsene Menschen in dreckige Löcher kriechen wollen", sagt Fleischmann lachend.
Und das Experiment ist geglückt, denn seither kommen laut dem ersten Vorsitzenden rund 300 bis 400 Besucher zu der Veranstaltung. Die findet in diesem Jahr im Rahmen des erstmals stattfindenden Internationalen UNESCO Tag für Höhlen und Karst. Die Angebote des Vereins dort sind kostenlos. Mit dem Tag der Höhle wollte der Verein die verschiedenen Aktivitäten des Vereins und kleinerer Gruppen bündeln und vorstellen. Fleischmann freut sich über die Aufmerksamkeit, die das Thema Höhlen und der Verein bekommt: "Die Höhlenforschung hat wichtige Grundlagen geschaffen. Das Bewusstsein ist gewachsen."
Fachleute für Höhlentauchgänge teilen ihre Erfahrungen
So würden sich in der Regel etwa 100 Besucher auch den Führungen durch die Höhle mit Schutzanzügen und Lampen anschließen. "Es ist ein großer Schatz", sagt Fleischmann, "dort gibt es über 1000 Jahre alte Ablagerungen." Solche Ablagerungen ähneln der einer Tropfsteinhöhle, die die Taucher und der Verein seit ihrer Gründung unter anderem zwischen Aach und Donaueschingen zu finden hoffen. Doch die unterirdischen Flussläufe und höhlen verlaufen kompliziert und müssen laut Fleischmann teils auch erst von Felseneinstürzen befreit werden. "In 14 Tagen sind wir durch", sagt Fleischmann und lacht, "das sagen wir seit 20 Jahren."
Neben der begehbaren Höhle präsentiert der Verein auch aktuelle Entdeckungen an Info-Ständen. Darunter auch ein Stand mit den ausgebildeten Höhlentauchern und Bildern aus ihren Einsätzen. Wie Fleischmann erklärt, kommen die extra teils aus Karlsruhe, dem Allgäu oder auch Reutlingen um an den Expeditionen in Aach bis zu 80 Meter unter der Erde mitzumachen. "Das sind sehr, sehr gute Taucher", sagt Fleischmann, "davon gibt es nicht so viele in Deutschland."
Angebot für Kinder und Seilstation
Zudem gibt es auch für Kinder Stationen in der Blätterteighöhle sowie generell. Beispielsweise könnten die Seeigestachel oder versteinerte Muscheln dort entdecken. Darüber hinaus gibt es auch an der Oberfläche noch eine spannende Mitmachstation. Die Freunde der Aachhöhle werden nämlich an Bäumen ihre Höhlenklettergurte befestigen, sodass Besucher diese dort selbst ausprobieren können.
Autor:Sebastian Ridder aus Konstanz |