- Anzeige -

Eine »alte« Wohnform für die Zukunft

Mehrgenereationen
Zentral gelegen könnte das Mehrgenerationen-Wohnquartier entstehen. swb-Bild: Translake/LUBW

In Öhningen soll ein Mehrgenerationen-Wohnprojekt entstehen

Öhningen. Früher war die Großfamilie besonders in ländlichen Gegenden die Regel. Mehrere Generationen lebten unter einem Dach zusammen und unterstützten sich gegenseitig. Ab der Mitte des vergangenen Jahrhunderts jedoch, geriet diese Lebensform immer mehr aus der Mode. Die Mobilität nahm immer weiter zu, junge Erwachsene ziehen zum Studium oftmals weit weg. Ein Ergebnis dieser Entwicklung ist mitunter Alterseinsamkeit, während auf der anderen Seite der Medaille Großeltern zur Kinderbetreuung fehlen.
Doch in den letzten Jahren erlebt die Idee des Zusammenlebens mit mehreren Generationen zunehmend eine Renaissance. Verschiedene Projekte, auch hier in der Region, möchten wieder Lebensformen etablieren, die diesen Strukturen ähneln. Auch im Öhninger Ortskern könnte ein solches Projekt verwirklicht werden. Die Idee dafür entstand im Rahmen des Bürgerdialogs im Jahr 2017. Eine geeignete Fläche für die Umsetzung eines solchen Projekts war schnell gefunden: Im Städtebaulichen Rahmenplan wurde 2019 ein rund 4.400 Quadratmeter großes Grundstück in der Ortsmitte als Potenzialfläche auserkoren. Im Norden und Osten befinden sich, jeweils durch eine Straße getrennt, mehrere Ein- und Zweifamilienhäuser. In direkter Nachbarschaft befindet sich im Süden der Supermarkt und im Westen grenzt die Fläche direkt an die Grundschule an. Nun soll im Rahmen einer Bürgerbeteiligung weitergeplant werden. Betreut wird dieser Prozess von der Konstanzer Firma Translake. Die Bürgerbeteiligung wurde möglich weil die Gemeinde dafür Fördermittel des Landes bekommt.

Spurgruppe hat bereits Vorarbeit geleistet

Seit Ende Januar arbeitet bereits eine »Spurgruppe« aus zehn Öhningern weiter an dem Projekt Mehrgenerationenwohnen und bereitet die weiteren Beteiligungsschritte vor. Eines der Mitglieder ist Gemeinderat Rene Zimmermann, der das Projekt näher konkretisiert. »Viele Menschen denken an ein Seniorenheim, was es auf keinen Fall werden soll! Es soll ein neues, geschmeidiges Wohnquartier entstehen und kein Wohnblock, kein Kasten. ›Mehrgenerationen‹ heißt für mich auch, dass wir dringend bezahlbaren Wohnraum brauchen, sowohl für junge als auch für alte Menschen«, so Zimmermann. »Ich verstehe unter dem Mehrgenerationenprojekt in erster Linie gemeinsames Wohnen und, dass jeder in dem Ausmaß, das er für sich möchte, Kontakt haben kann«, betont Anna Faist, die ebenfalls Mitglied der Spurgruppe ist. Wie das Projekt am Ende genau aussieht, soll im Rahmen weiterer Bürgerbeteiligungsprozesse erarbeitet werden. Ein wichtiger Aspekt dabei könnte auch die Frage nach bezahlbarem Wohnraum sein. So betont etwa Cindy Fünfschilling, die ebenfalls Mitglied der Spurgruppe ist: »Was mir ganz wichtig ist, ist bezahlbarer Wohnraum in Öhningen. Es ist für junge Familien und junge Paare wichtig, Öhningen attraktiv zu gestalten und den jungen Menschen einen Grund liefern zu können, hier bleiben zu wollen und zu können. Was ich ebenfalls als sehr wichtig für ein Mehrgenerationenwohnen erachte, ist, dass es ein Raum der Begegnung ist, auch für Festivitäten genutzt werden kann und für Alleinerziehende, Patchworkfamilien oder andere familiäre Konstellationen interessant sein könnte.«

Nächste Infoveranstaltung am 4. Mai

Ein erster Schritt in Sachen Bürgerbeteiligung war eine Umfrage im Ort, an der sich insgesamt 180 Bürgerinnen und Bürger beteiligt haben, wie Katharina Riedel vom Büro Translake im Gespräch mit dem Wochenblatt berichtet. »Für den Anfang ist das in Ordnung, es war ja auch nicht als repräsentative Umfrage gedacht, aber wir hoffen natürlich noch auf deutlich mehr Beteiligung«, so Riedel. Die Ergebnisse der Umfrage sollen bei einer weiteren Infoveranstaltung vorgestellt werden. Diese findet am am Dienstag, 4. Mai 2021 um 19 Uhr in Form einer Online-Konferenz statt. Die Teilnehmenden bekommen einen Überblick über das Projekt und werden über die Ergebnisse der Umfrage informiert. Zudem werden sie weitere Projektbeispiele und Ideen rund um das Thema Mehrgenerationenwohnen aus anderen Gemeinden kennenlernen. Anmeldungen für die Veranstaltung werden unter https://survey.lamapoll.de/Info-04.05.-Oehningen/ entgegengenommen.
Gemeinsam mit den Bürger*innen soll im weiteren Projektverlauf Schritt für Schritt erarbeitet werden, was genau Öhningen braucht, welche Art des Mehrgenerationenwohnens zu Öhningen passt, wer dort tatsächlich einziehen würde, wie die Fläche genutzt und gestaltet sein könnte und welche Wirkungen ins Quartier angestrebt werden. Dazu soll dann im Sommer auch eine konkrete Projektgruppe ins Leben gerufen werden, berichtet Riedel im Gespräch mit dem Wochenblatt.

Wochenblatt @: Dominique Hahn