Demozug und Kundgebung zur Verkehrswende
Fahrraddemo in Konstanz fordert gerechte Verteilung öffentlicher Flächen
- Mascha Richter und Richard Bartscher führen die Fahraddemo in Konstanz über die Rheinbrücke.
- Foto: Fridays for Future Konstanz
- hochgeladen von Sebastian Ridder
Konstanz. Am Freitag, den 24. Juli 2026 rief für 16 Uhr ein Bündnis mehrerer zivilgesellschaftlicher Organisationen zu einer gemeinsamen Fahrraddemonstration in Konstanz auf. Das Thema stand klar im Fokus:
„Platz zum Leben, Platz zum Radeln" – eine Forderung nach gerechterer Verteilung des öffentlichen Raums zwischen Autos, Fußgänger*innen, Radfahrenden und sozialen Begegnungen.
Das Organisationsbündnis setzte sich zusammen aus ADFC Kreis Konstanz, BUND, Ciclo e.V., Fridays for Future Konstanz, Greenpeace-Jugend Bodensee, Students for Future Konstanz, TINK und Verkehrsclub Deutschland Kreisverband Konstanz.
Auftaktkundgebung
Die Demonstration begann auf der Nordhälfte des St.-Stephans-Platzes.
Die 16-jährige Mascha Richter begrüßte die Teilnehmenden. Amy von Fridays for Future führte zudem ein: "Viele denken ja immer, dass Mobilitätswende Einschränkung bedeutet: „Hilfe, uns wird das Auto verboten!“. In Wirklichkeit ist es genau umgekehrt: Aktuell sind wir vom Auto abhängig. Mobilitätswende bedeutet, dass wir uns sicher und frei so bewegen können, wie wir wollen."
Es folgte eine Rede von Marco Knöpfle, langjähriger Fahrradaktivist und Gründer des Lastenradmietsystems in Konstanz. "Als wir vor 10 Jahren mit den Städten Konstanz und Norderstedt erstmals in Europa öffentliche Mietsysteme für Lastenräder starteten, gab es nur wenige von diesen praktischen Rädern auf deutschen Straßen. Die Mietsysteme sind ein großer Erfolg, und viele Städte haben seitdem ähnliche Angebote geschaffen", berichtete Knöpfle. Heute würden die Lastenräder zum Stadtbild dazugehören.
Pauline Amann von Fridays for Future Konstanz betonte anschließend, dass das Fahrrad ihr ein Freiheitsgefühl vermittele. „Veränderung ist anstrengend, aber sie kann so viel Schönes erschaffen“, sagte sie und schwärmte von der Fahrradstraße in Konstanz als sicheren Ort für Radfahrende.
Verbesserungspotenziale
Die Demonstration als mobile Kundgebung mit dem Rad führte entlang markanter Stellen in der Stadt, mit kurzen Zwischenkundgebungen, um aktuelle Chancen und Defizite direkt vor Ort aufzuzeigen.
Die Fahrradstraße aus dem Paradies über die Radbrücke setzt sich in der Sankt-Gebhardstraße zur Z-Brücke fort. In diesem Abschnitt führen zwei Rechts-vor-links-Kreuzungen regelmäßig zu brenzlichen Situationen.
Höchste Zeit, die für dieses Petershausener Quartier vorgesehene Fahrradzone umzusetzen.
Am Zähringerplatz hat die Stadt dieser Tage eine erleichterte Radquerung von der Allmansdorfer Straße in die Fahrradstraße eingerichtet. Möchte man jedoch von der Universität kommen in die Fahrradstraße oder umgekehrt, wird dies wegen unübersichtlicher Routenführung, mehrerer Ampelrotphasen und kreuzender Fußgängerrouten zu einer echten Geduldsprobe. Ein Kreisverkehr auf dem Zähringerplatz würde den Verkehr deutlich entspannen.
Das Bündnis forderte für die alte Rheinbrücke eine zeitgemäße Rheinquerung für Radfahrende. Insbesondere solle die seit Jahren beschlossene Umwidmung einer Autospur zur Radspur umgesetzt werden, um den Radweg normgerecht zu gestalten und breiten Lastenrädern die Rheinquerung überhaupt erst zu ermöglichen.
Auf der seit Umsetzung des C-Konzepts weitgehend Kfz-reduzierten Konzilstraße entsprechen die Platzverhältnisse von Auto-, Rad- und Fußverkehr in keiner Weise mehr den Bedarfszahlen.
Die Marktstätte schließlich zeigt, dass aufgrund von Platzmangel für Fahrräder ein Abstellen oft gar nicht mehr möglich ist und der Fußverkehr behindert wird – wir brauchen Fahrradstellplätze bzw. ein Fahrradparkhaus im öffentlichen Raum.
Schlusskundgebung
Angekommen auf der Marktstätte, eröffnete Soziologin Prof. Dr. Claudia Diehl die Schlusskundgebung. "Wir sind diejenigen, die sich leise, nachhaltig, platzsparend und gesund fortbewegen, und wir möchten endlich ernst genommen werden!", fordert Diehl. Mit Blick auf die Debatten rund um die Verkehrswende in Konstanz kritisierte sie: "Die Infrastruktur für Radler*innen braucht viel weniger Platz und Geld als die für den motorisierten Individualverkehr. Es kann daher nicht angehen, dass bei jedem Euro, der fürs Rad in die Hand genommen wird, gegengerechnet wird, was man stattdessen schönes dafür kaufen könnte."
Ralf Seuffert, Betreiber des Radgeschäfts am Bahnhof, berichtete, wie häufig er nach sicheren Abstellmöglichkeiten für Räder gefragt werde. Das geplante Fahrradparkhaus sei dringend nötig.
Norbert Wannenmacher schließlich wagte einen Blick in die Zukunft und sprach über die Chancen des Rads. "Uns mangelt es an der Vorstellungskraft, den öffentlichen Raum für die Zukunft neu zu denken", betonte er. "Werdet an der Basis aktiv: Nur wer ins Tun kommt, kann sich auch etwas bewegen!", forderte er die Teilnehmenden auf.
"Wir brauchen mehr Platz zum Leben, Platz zum Radeln!" Mit dem Motto schloss Mascha Richter die rundum gelungene Demonstration mit ca. 160 Teilnehmenden.
Pauline Amann & Richard Bartscher
Autor:Presseinfo aus Singen |