Theaterpremiere Verbranntes Land
Niemand hält sie auf beim Gang in die Höhle des Löwen
- Ein Katz-und-Maus-Spiel im Dialog. Die Festivalbesucherin Jana fragt Eireni und Anna nach ihren Ansichten aus und wie weit sie bereit sind zu gehen. Von links: Eireni (Zoubeida Ben Salah), Jana (Jana Alexia Rödiger) und Anna (Kristina Lotta Kahlert)
- Foto: Ilja Mess/Theater Konstanz
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Konstanz. Politischer Widerstand ist ein Drahtseilakt, wenn nicht sogar ein Überlebenskampf, wenn er den vulnerabelsten Mitgliedern einer Gesellschaft allein überlassen wird. Immerhin sind Minderheiten viel deutlicher von Extremismus bedroht. Das zeigt das neue Coming-of-age-Stück "Verbranntes Land" von Eve Leigh am Theater Konstanz, in dem die Hauptdarstellerinnen ein rechtes Sommerlager unterwandern. Die Regisseurin Rebekka Bangerter geht tief in die Gedankenwelt der Hauptfiguren und zeigt, was sie in die Gefahr treibt, doch fehlender Mut lässt das Stück zu einer Warnung, denn zu einer Vision verkommen.
Starke Kontraste - Mord und Sommerliebe sowie Zuneigung und Misstrauen
Dabei ist es ein schön wie schauriger Kontrast zwischen Liebe im Sommer und Ausländermorden, der die Pfarrerstochter aus der Provinz mit Migrationshintergrund, Eireni (Zoubeida Ben Salah) und Anna (Kristina Lotta Kahlert) antreibt. In der Stadt, in der sich Eireni und Anna kennen- und lieben lernen, kommt es nämlich regelmäßig zu Morden gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund - die Polizei schiebt es aber lediglich auf eine Mafia. Empathie und Angst sowie die Euphorie der gefundenen Liebe und gleichen Werte bringen Sie schließlich dazu ein regionales Festival einer völkischen Bewegung zu unterwandern. Dabei hat Eireni selbst einen Migrationshintergrund und Anna ist queer.
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Anstelle eines introvertierten Stadtbilds mit Blutlachen für eine bedrohliche Atmosphäre zeigt das Bühnenbild aber viele gespannte Seile in der Luft und auf dem Boden. Wie ein Gerüst, an dem die Protagonisten herumspielen und es ablaufen, wenn Sie nervös sind, das ihnen aber manchmal auch im Weg steht. Im Vergleich zu den Rechtsextremen, die sie auf dem Festival kennenlernen, achten die Hauptprotagonisten viel mehr darauf, wie sie sich bewegen. Auch untereinander ist nicht ganz klar, wie sehr sich beide in ihrer Euphorie letztendlich vertrauen können. "Ich bin kein Experiment", sagt Anna zu Eireni, die ihre ersten romantischen Erfahrungen mit einer Frau mit Anna erlebt. Eireni wiederum hält Anna vor, dass sie nicht die Gefahr nachfühlen könnte, die die Morde in ihrer Stadt ausstrahlen: "Es ist nicht dein Risiko worüber du redest."
Warnung statt Aussicht
Die beiden Hauptdarstellerinnen werden zu mutig naiven Abenteurern in einem Netz, dass Ihnen Halt aber auch Hindernisse gibt. Die Einsamkeit und Wut wird jedoch bei dem Blick ins Innenleben kaum sichtbar. Die Euphorie überschattet das. Als die beiden mit Freunden über die Morde und das Festival reden wird entgegnen die Ihnen beinahe gleichgültig. Auch vor der Gefahr warnt sie niemand. So werden Eireni und Anna nicht nur von der Stadtgesellschaft, sondern auch von ihren Freunden im Stich gelassen. Anstelle von gerechtfertigter Wut und der Frage, was nötig ist für eine Solidarität gegen Extremismus kommt es zum großen Knall auf dem Festival.
- Foto: Ilja Mess/Theater Konstanz
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Zudem verkommen die rechtsextremen Festivalbesucher, wie die energische Jana (Jana Alexia Rödiger), zu Klischees. Als wären sie nur auf so einem Festival eine Bedrohung. Die gleichzeitige Gefahr und Abhängigkeit in ihrer Sicherheit zur Gesellschaft der beiden findet abseits des Bühnenbildes kaum Raum. Nach dem Knall bleibt lediglich ein warnendes Exempel für mehr Solidarität.
Autor:Sebastian Ridder aus Konstanz |