Konstanz ist Vorreiter, zieht der Landkreis nach?
Pro Familia und Stadt Konstanz eröffnen erste amtliche queere Beratungsstelle im Landkreis
- Lange planten sie eine queere Beratungsstelle in Konstanz nun konnten Sie erleichtert verkünden, dass sie in den Räumen der Pro Familia in Konstanz eingerichtet wurde. Von links: Bürgermeister Urlich Burchhardt, Psychotherapeut in Ausbildung und Pädagoge Marius Busalt, Leiterin der Chancengleichheitsstelle, Julika Funk, Pro Familia Geschäftsführerin Jana Müller, Moderatorin Alexandra Rottler und der Leiter des Sozial- und Jugendamtes Alfred Kaufmann.
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Konstanz. Burga Asol verdrückt sich ihre Tränen, bei der Eröffnung der ersten queeren Beratungsstelle von der Stadt Konstanz im Landkreis am Freitag, 3. Juli. Sie ist Mutter einer Trans-Person und hätte sich eine Anlaufstelle gewünscht, als ihr Kind sich 2025 geoutet hatte. Fragen, die sie aus Sorgen stellte, verletzten das Vertrauen zwischen Eltern und Kind so sehr, dass seit dem 1. Juli 2025 ein Kontaktabbruch folgte. Erst danach habe sie sich Hilfe bei der Pro Familia in Konstanz gesucht. Die hat die Trägerschaft der queeren Beratungsstelle in Konstanz übernommen. Beschlossen wurde sie aber bereits vor über einem Jahr. Auch der Landkreis war zwischenzeitlich im Gespräch, denn die queere Beratung ist die erste amtliche im Landkreis Konstanz.
Angebot für queere Menschen, Angehörige und Fachkräfte
Der Bedarf für so eine Stelle sei schon lange da, wie die Geschäftsführerin der Pro Familia in Konstanz, Jana Müller erklärt. Er werde aber häufig erst mit Anlaufstellen und Aufklärung ersichtlich, da verunsicherte junge queere Menschen sich erstmal eingestehen müssen, wenn sie sich nicht mit heteronormativen Geschlechtsidentitäten und sexueller Orientierung identifizieren. Die Beratungsstelle unter dem Namen "Du.Wir.Queer." nun zu eröffnen sei für Müller keine Selbstverständlichkeit angesichts angespannter Haushalte und politischem Rechtsruck. Laut dem Leiter des Sozial- und Jugendamtes Konstanz, Alfred Kaufmann, sei es ein langer Weg bis hier hin gewesen. Auch Anfeindungen hätten Menschen erfahren, die sich in Konstanz für diese Stelle einsetzten. "Wir wollen Menschen das Gefühl geben, dass sie nicht allein sind", sagt Müller.
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Müller sei es wichtig gewesen eine vertrauensvolle Fachkraft für die Stelle zu haben, bevor sich die Pro Familia darauf beworben hat. Die hatte der Verein mit ihrem Mitarbeiter Marius Busalt gefunden. Der 28-Jährige ist selbst queer, studierte Psychologie in Konstanz und ist Psychotherapeut in Ausbildung. Für die Pro Familia war er zuvor Honorarkraft für Sexualpädagogik an Schulen. Wie Busalt erklärt, handelt es sich bei der Beratungsstelle um eine Peer-Fachberatung. Das heißt, dass Menschen mit Fachausbildung aber auch ähnlichen Lebenslagen und Erfahrungen Beratungen anbieten. Die Stelle könne aber neben queeren Menschen bis einschließlich 27 Jahren auch von Angehörigen, Bezugspersonen oder auch Fachkräften, die unsicher im Umgang mit queeren Menschen sind kostenlos aufgesucht werden.
Bereits 20 Beratungen, aber Stelle gilt nur für Konstanz
Seit April bietet Busalt nun Beratungen von montags bis freitags zwischen 10 und 12 Uhr sowie zwischen 15 und 16 Uhr in den Beratungsräumen der Pro Familia in der Reichenaustraße 5 a an. Lediglich mittwochs bleibt die queere Beratungsstelle vormittags geschlossen. Termine sind telefonisch, als auch online, einzeln oder mit mehreren und auch anonym möglich. Sie können telefonisch, per Mail oder direkt vor Ort ausgemacht werden. Die Stelle ist allerdings nur für die Stadt Konstanz angelegt. 20 Beratungen habe Busalt bisher gehabt - darunter auch mit einer Fachkraft. "Die meisten sind aber junge Menschen, die zu mir kommen", so Busalt.
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Der Gemeinderat der Stadt Konstanz beschloss die Stelle bereits im März 2025, doch aufgrund der Haushaltssperre verzögerte sich die Eröffnung. Die Pro Familia bewarb sich auf die Trägerschaft, die zu einem großen Teil von der Stadt, aber auch zu Teilen von der Pro Familia und dem Netzwerk Queer Konstanz finanziert werde, wie Jana Müller erläuterte. Burga Asol fand bis dahin in der Elternselbsthilfegruppe von trans* Kindern und Jugendlichen in Konstanz durch die Pro Familia Unterstützung "Es war wichtig die Kostenfrage zu klären. Jetzt ist aber auch gut, dass wir feiern können", sagte Konstanz Oberbürgermeister, Ulrich Burchardt.
Landkreis stellt Bedarfsanalyse vor
Eigentlich war der Landkreis Konstanz auch im Gespräch eine Beratungsstelle und Konstanz sowie weitere im Landkreis zu eröffnen. Laut Jana Müller habe der Landkreis aber einen Nachweis für den Bedarf zunächst gefordert. Wie die Kreisrätin der Grünen, Rosa Buss erläutert, habe der Landkreis mittlerweile eine Landkreisanalyse durch Gespräche mit Fachkräften gemacht und im Kreisjugendhilfeausschuss am 22. Juni vorgestellt. Dort heißt es: "Das Amt für Kinder, Jugend und Familie erkennt zudem einen Beratungsbedarf für das gesamte Familiensystem bei queeren Fragestellungen und favorisiert daher ein recht breites Angebot."
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Über die Hälfte der Fachkräfte nahmen laut den Ergebnissen in den letzten Jahren einen Anstieg der Beratungsanfragen wahr. Zudem registrierten ein Großteil der Kinder und Jugendlichen, Eltern/Angehörige/Bezugspersonen und Fachkräfte Queerfeindlichkeit in Schulen. Laut Rosa Buss bestehen nun Überlegungen weitere Stellen zu eröffnen oder sich wie in Konstanz bereits vorhandenen Stellen anzuschließen. Dies soll im Herbst 2026 im Jugendhilfeausschuss geklärt werden.
Autor:Sebastian Ridder aus Konstanz |