Ab 2026 gibt es neue PFAS-Grenzwerte
Wie sich die Region darauf einstellt
- PFAS sind eine Stoffgruppe, die weit mehr als 10.000 verschiedene Stoffe beinhaltet. Sie werden
industriell hergestellt und kommen unter anderem in Löschschäumen oder beschichteten Materialien
vor. - Foto: stock/Francesco Scatena
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Landkreis Konstanz. Sie werden auch als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet, sind schwer loszuwerden und potenziell gesundheitsschädlich: Die Per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) wurden in der Vergangenheit auch in der Bodenseeregion nachgewiesen. Ab nächstem Jahr sollen neue Grenzwerte im Trinkwasser für sie in der Europäischen Union eingeführt werden. Wie ist die Region darauf vorbereitet?
Kreis Konstanz. Der Boden und das Trinkwasser werden im Landkreis unterschiedlich zu PFAS untersucht, wie Jens Bittermann, Leiter des Büros des Landrats, erklärt: Böden werden nur bei einem Verdacht untersucht, Trinkwasser hingegen wird auch bei amtlichen Trinkwasseruntersuchungen überprüft. „Aus der Vergangenheit sind keine Maßnahmen (...) bekannt, bei denen aufgrund eines konkreten Verdachtes auf PFAS hin untersucht wurde und hierbei PFAS-Gehalte oberhalb der Nachweisgrenze festgestellt wurden“, so Bittermann zu den Bodenuntersuchungen. Wie ist es aber beim Trinkwasser?
Die Trinkwasserwerte
Die Pressereferentin der Stadtwerke Konstanz, Teresa Gärtner, gibt einen genauen Einblick: Ab 2026 gilt ein Grenzwert von 0,0001 mg/L für 20 PFAS-Chemikalien und ab 2028 ein Grenzwert von 0,00002 mg/L für vier weitere. Für ersteren Fall liegen die Messungen aus einer Untersuchung von 2024 allerdings ganze 35-mal niedriger als der Grenzwert. Im Falle der Grenzwerte für 2028 liegen die Messwerte aus der gleichen Untersuchung etwa 14-mal niedriger. Ähnlich berichtet es Martin Gau, Bereichsleiter Technik der Stadtwerke Stockach: „Teilweise liegen die Konzentrationen so niedrig, dass sie messtechnisch nicht nachweisbar sind.“ Doch warum werden nur für vereinzelte Stoffe Grenzwerte eingeführt? „Der aktuelle Ansatz (...) deckt die am besten untersuchten und gesundheitlich relevantesten Stoffe ab. Dennoch bleibt ein Restrisiko bestehen, dass andere PFAS in geringer Konzentration im Trinkwasser vorkommen. Deshalb setzen Experten auf vorsorgliche Maßnahmen, wie die Reduzierung des Eintrags in die Umwelt und Technologien, die möglichst viele PFAS gleichzeitig zurückhalten (...)“, erklärt Gärtner.
PFAS im Alltag
„Es braucht eine größere Sensibilität der Bevölkerung gegenüber PFAS-Produkten“, sagt Dr. Antje Boll, Geschäftsführerin des BUND Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben. Denn die Stoffe kommen in vielen Artikeln des täglichen Gebrauchs vor – etwa in Imprägniersprays, Zahnseide und Backpapier. Aber auch in beschichteten Kochgeräten wie Raclettepfannen. „Wenn man raclettiert, sollte man seine Ziervögel aus dem Raum entfernen, weil sie sonst vergiftet werden könnten“, warnt Antje Boll.
Der BUND gibt Tipps, wie die Ewigkeitschemikalien im Alltag vermieden werden können. Pfannen mit Antihaftbeschichtung enthalten einen Kunststoff aus der PFAS-Gruppe, die bei sehr hohen Temperaturen giftige Abbauprodukte entwickeln. Solange sie nicht leer erhitzt oder gar auf dem Herd vergessen werden, gibt es nach derzeitigem Wissen keine Probleme. Dafür aber bei der Produktion und der Entsorgung. Stattdessen rät der BUND zu Schmiede- und Gusseisenpfannen oder zu unbeschichteten Edelstahlpfannen. PFAS-Stoffe gibt es auch in Einweg-Lebensmittelverpackungen oder Geschirr aus Pappe oder Papier. Stattdessen sollten möglichst Mehrwegbehälter genutzt werden. Beim Kauf von Alltagsprodukten wird zudem dazu geraten, auf Hinweise wie PFAS-frei, fluorcarbonfrei oder „PFC-frei“ zu achten.
Sebastian Ridder und Tobias Lange
Autor:Redaktion aus Singen |