Ein Match für die HSG im Zeichen des Friedens
Besonderes Spiel gegen den ukrainischen Serienmeister

Ein ganz besonderes Spiel gibt es am kommenden Freitag für die HSG Konstanz gegen den ukrainischen Serienmeister Motor Zaporizhzhia in Düsseldorf. | Foto: Michael Elser
  • Ein ganz besonderes Spiel gibt es am kommenden Freitag für die HSG Konstanz gegen den ukrainischen Serienmeister Motor Zaporizhzhia in Düsseldorf.
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Konstanz. Ein ganz besonderes Zweitliga-Spiel steht für die HSG Konstanz am Freitag, 19:30 Uhr, in Düsseldorf bevor. Dort wartet mit dem ukrainischen Serienmeister HC Motor Zaporizhzhia ein ganz besonderer Gegner und ein Spiel, in dem es um viel mehr als nur Sport geht.

Größte Fluchtbewegung in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg
Der 24. Februar veränderte alles und zuvor Undenkbares wurde traurige Realität. Invasion Russlands, Krieg in Europa und nach neuen Schätzungen der US-Armee inzwischen alleine rund 200.000 getötete oder verletzte Soldaten im Ukraine-Krieg. Der blutige Aggressionskrieg verursacht humanitäre Katastrophen und löste die größte Fluchtbewegung in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg aus. Stand Oktober 2022 leben mindestens 14,5 Millionen Menschen als Geflüchtete an einem anderen Ort, mehr als die Hälfte davon im Ausland.

HC Motor Zaporizhzhia Botschafter für die Ukraine
Der HC Motor Zaporizhzhia wurde im Sommer als Gastmannschaft in die 2. Handball-Bundesliga aufgenommen und die Familien der Spieler sicher in Düsseldorf untergebracht. Dort sind sie Botschafter für ihr Land und sorgen für Aufmerksamkeit für den Krieg in der Ukraine. Als Handball-Trainer konzentriert sich Jörg Lützelberger so auf ein Spiel gegen einen Club, der zuvor neunmal in Folge die Meisterschaft seines Landes gewonnen hatte, Stammgast in der Champions League war und dort viermal bis in das Achtelfinale vordrang. In der aktuellen Saison ist Zaporizhzhia Teilnehmer der EHF European League und in einer Gruppe mit den Füchsen Berlin.

„Offen sein, seinem Nächsten helfen, Menschen integrieren und für die Menschenrechte einstehen“

„Als Papa von zwei neun und sieben Jahre alten Söhnen und Ehemann lässt mich das nicht kalt“, blickt Lützelberger auf die dramatische Situation in der Ukraine. „Bis Februar bin ich davon ausgegangen, dass sie in großer Sicherheit, in Wohlstand, mitten in Europa aufwachsen. Diese Situation hat sich verändert.“ In unmittelbarer Nachbarschaft, nicht einmal eine Tages-Autoreise entfernt, fliegen täglich Bomben und sterben Menschen. Der 37-Jährige sieht im Gastspiel der Handballer von Motor Zaporizhzhia die Chance, der Gefahr, dass die Bilder und Nachrichten aus der Ukraine alltäglich werden, vorzubeugen, Solidarität zu zeigen und wichtige Werte zu vermitteln. Die liegen für den ehemaligen Sportlehrer unter anderem darin, „offen zu sein, seinem Nächsten zu helfen, seinen Beitrag zu leisten, Menschen zu integrieren und für die Menschenrechte einzustehen.“

Kinder Geflüchteter werden von und bei der HSG trainiert
Neben diesen wichtigen Aufgaben als Botschafter versucht die HSG Konstanz, die die ukrainischen Farben in Logo und Trikots trägt, im Rahmen ihrer Möglichkeiten im Kleinen für kleine Hoffnungszeichen zu sorgen. So leiteten Übungsleiter der HSG Konstanz Trainingseinheiten für Geflüchtete im Rahmen eines von einem Projektteam der HTWG Konstanz organsierten Freizeitangebotes an. Kinder geflüchteter Familien trainieren zudem bereits seit Monaten kostenfrei im HandballSportGarten der HSG mit. Neben positiven Erfahrungen im Sport und mit Gleichaltrigen soll so auch der Kontakt der Eltern zu den Konstanzern hergestellt werden und die Geflüchteten für kurze Zeit ihre großen Nöte und Sorgen vergessen. Unter dem gleichen Gedanken muss das Match am Freitag gesehen werden, auch wenn es aktuell wohl zum falschen Zeitpunkt für die Konstanzer kommt. Nach der kräftezehrenden englischen Woche haben einige Spieler eine Verletzung davongetragen und werden pausieren müssen. „Wir wollen Zaporizhzhia helfen, Aufmerksamkeit zu generieren“, so der HSG-Coach. „Wir hoffen sehr, dass sie bald wieder in ihrer Heimat spielen und beim Aufbau helfen können.“ Aber natürlich habe man auch sportliche Ziele, fügt er an.

„Für uns ist das Lernzeit“
Angesichts der Ausfälle dürfte dies jedoch gegen eine sehr physische Mannschaft, „eine Männermannschaft, die mit ordentlich Kontakt spielt“, so der in Lindau wohnende Trainer, umso schwerer werden. „Für uns ist das Lernzeit“, blickt er auf die 60 Handball-Minuten, zu denen sein Team eine strapaziöse Anreise am Spieltag absolvieren wird. Aufgrund der Umstände bremst er zugleich die Erwartungen. Dennoch wolle man Wege finden, das Spiel zu gewinnen und besser werden. Die Ergebnisse gegen Motor Zaporizhzhia werden allerdings in einer separaten Tabelle geführt und fließen am Saisonende nicht in die Entscheidungen um Auf- und Abstieg mit ein.

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Presseinfo aus Singen

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