Maximilian Wolf bleibt weiter der HSG erhalten
Rollentausch: Vom Tor an die Linie

Maximilian Wolf bleibt der HSG Konstanz als Torwarttrainer treu.
  • Maximilian Wolf bleibt der HSG Konstanz als Torwarttrainer treu.
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Konstanz. Der dienstälteste Spieler der HSG Konstanz sagt am Saisonende „Auf Wiedersehen“ – aber nur als aktiver Spieler. Torwart Maximilian Wolf, Eigengewächs und seit 2009 für die HSG am Ball, wird nach dem Abschluss seines Studiums den Fokus auf sein Referendariat legen. Die Pause als Spieler nutzt Wolf allerdings, um der Mannschaft in anderer Rolle zu helfen: Der ehemalige HSG-Jugendspieler wird künftig Torwarttrainer der ersten Mannschaft.

Eine Rolle, die er bereits bestens kennt. Schon bislang zeichnet er verantwortlich für das Torwarttraining der A- und B-Jugendlichen. Wolf ist fest verwurzelt bei der HSG, hat hier seine langjährige sportliche Heimat gefunden. Mit 28 Jahren ist er inzwischen einer der erfahrensten und ältesten Spieler im blutjungen Kader der Konstanzer – für einen Torwart aber noch sehr jung. Wolf blutet schon ein wenig das Herz, wenn er an den bevorstehenden Abschied vom Spielfeld im Sommer denkt, doch „berufsbedingt ist das zeitlich nicht mehr möglich. Unseren Ansprüchen an den Aufwand in der 3. Liga oder 2. Bundesliga und meinen eigenen Ansprüchen würde ich so leider nicht mehr gerecht werden können.“ Acht Trainingseinheiten in der Woche und womöglich weite Aufwärtsfahrten zu den Spielen sind für den angehenden Wirtschafts- und Sportlehrer zumindest vorerst nicht mehr darstellbar.

Als kompletten Rücktritt von der aktiven Laufbahn als Handballer will er diese Entscheidung aber nicht verstanden wissen. „Der andere Blick als Torwart-Trainer wird mir sicher auch für eine mögliche weitere Laufbahn als Spieler helfen.“ Was ein mögliches Comeback betrifft, möchte der gebürtige Singener erst einmal ein Jahr im Alltag des Referendariats abwarten. Was danach passiert, ist offen. „Es fehlt für beide Seiten die Planungssicherheit, wenn er in sein Referendariat geht“, führt Geschäftsführer André Melchert einen weiteren wichtigen Punkt der Entscheidung an. „Danach sehen wir weiter. Es ist schade, da Max eine gute Saison spielt. Ich persönlich empfinde etwas Wehmut, dass damit der letzte Spieler, den ich in der Jugend selbst trainiert habe, nicht mehr im Kader stehen wird. Max ist ein toller, feiner Mensch. Ich bin sehr froh, dass wir ihn weiter im Verein halten.“

So lieben ihn die HSG-Fans: Maximilian Wolf mit emotionalem Jubel.
13 Jahre war Wolf als aktiver Spieler im Verein. War dabei Teil der ersten A-Jugend-Bundesligasaison überhaupt, als die HSG als Gründungsmitglied von Anfang an dabei war, feierte Meisterschaften und Aufstiege und debütierte bereits mit 17 Jahren in der U23. Wenig später dann in der ersten Mannschaft, mit der er bislang zweimal in die 2. Bundesliga aufstieg, zweimal den Klassenerhalt schaffte – und inklusive dieser Saison sogar drei Meisterschaften erringen konnte. In der Mannschaft ist Wolf nicht nur als Rückhalt wichtig, sondern auch als positiver, kommunikativer und lustiger Typ, der andere mitreißen kann. So hat er auch zu seinem Rücktritt einen mit einem breiten Grinsen vorgetragenen, für ihn typischen Vergleich parat: „Michael Jordan hat sich nach drei Meisterschaften eineinhalb Jahre im Baseball versucht und danach noch einmal drei Meisterschaften gefeiert.“

Wie es nun tatsächlich kommt, steht noch nicht fest. Der neue Job als Torwarttrainer ab der neuen Spielzeit ist jedoch fix. „Ich habe den Verein sehr zu schätzen gelernt, mag das Team und das Umfeld und habe hier immer auf und neben dem Feld jede Hilfe und Unterstützung und viel Vertrauen erfahren dürfen“, erklärt er, warum er nicht völlig loslassen kann und mag. „Das möchte ich nicht missen und freue mich, meine Erfahrung in der 2. Bundesliga und 3. Liga weitergehen zu können.“ Im Sommer sollen dazu ein Status quo der Keeper erhoben und zusammen mit Head Coach Jörg Lützelberger für die unterschiedlichen Torwarttypen individuelle Trainingseinheiten zur gezielten Verbesserung angeboten werden. Der bisherige Torwarttrainer Sven Gemeinhardt soll weiter in dieser Funktion bei anderen Teams der HSG eingebunden werden. Einen großen Dank formuliert Lützelberger für das Engagement und den Einsatz von Gemeinhardt: „Er hat sich unglaublich viel Zeit genommen und einen großen Anteil daran, dass wir die Performance im Tor über den Saisonverlauf kontinuierlich steigern konnten und wirklich eine gute Entwicklung bei allen drei Torhütern beobachten dürfen.“

Eine erfolgreiche Arbeit, die künftig Wolf fortsetzten möchte. Melchert ist froh, seinen ehemaligen Jugendspieler dafür im Club zu halten, denn „Max ist ein erfahrener Spieler, der unsere jungen Torhüter, die alle erst Anfang 20 sind, trainieren und ihnen wichtige Erfahrungen und wichtigen Input weitergeben wird.“ Genauso sieht es Lützelberger, der auf die Erfahrung seines neuen Torwarttrainers, sein Standing im Verein und sein Verständnis für die HSG, die Historie der Mannschaft und deren Entwicklungen bauen möchte. „Er wird sehr gezielt und motiviert mit unseren jüngeren Torhütern eine sehr gute Arbeit machen, davon bin ich überzeugt und darauf freue ich mich“, sagt er.

Bis der Rollentausch erfolgt, liegen allerdings noch große Ziele vor dem oft durch spektakuläre Reflexe glänzenden Schlussmann. Begleitet werden sie im Hexenkessel Schänzle-Hölle oftmals durch langgezogene Jubelschreie von Vater Karsten als Hallensprecher. „Absolute Gänsehaut“, spürt Wolf in diesen Momenten, die er im Tor immerhin kurz wahrnehmen und genießen kann, ehe wieder der Tunnelblick angeht. „Alle Heimspiele in dieser Halle, vor diesen positiv verrückten Fans sind Highlights.“

Eines davon fand erst vor wenigen Tagen wieder vor über 1600 Fans statt – gekrönt durch den zweiten Sieg im zweiten Aufstiegsspiel zur 2. Bundesliga. Auf einem guten Weg sieht der begeisterte Rennradfahrer sein Team vor dem spielfreien Osterwochenende, an dem er mit seinem Bruder auf dem Rad einen freien Kopf für die entscheiden Saisonphase bekommen möchte. „Noch nie waren der Modus und die Aufgabe dadurch schwieriger“, findet er. „Aber umso stolzer können wir sein, wenn wir es tatsächlich schaffen sollten.“

Ein langer, steiniger Weg liegt noch vor den Gelb-Blauen. Nächster Halt am 23. April: Krefeld. Wolf ist fest entschlossen, dass sein Rollenwechsel noch ein wenig warten soll: Seinen Teil dazu beitragen, dass am Ende zusammen wieder gejubelt werden darf nennt er das. Er weiß schließlich, wovon er redet. Zweimal gab es schon wilde, legendäre Aufstiegspartys in seiner Zeit.

Autor:

Andreas Joas aus Konstanz

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