Jahresrückblickinterview Andreas Schmid
"Jetzt wird sichtbar, worauf wir hingearbeitet haben"

Bürgermeister Andreas Schmid blickt auf ein ereignisreiches Jahr zurück. Im Hintergrund ist das Haus der Vereine zu sehen. | Foto: swb-Bild: Juleda Kadrija
  • Bürgermeister Andreas Schmid blickt auf ein ereignisreiches Jahr zurück. Im Hintergrund ist das Haus der Vereine zu sehen.
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Öhningen. Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Was hat sich in der Gemeinde Öhningen getan – und welche Projekte stehen 2026 an? Bürgermeister Andreas Schmid zieht im WOCHENBLATT-Jahresrückblick Bilanz.

WOCHENBLATT: Herr Schmid, das Jahr neigt sich langsam dem Ende zu. Wenn Sie auf das Jahr 2025 zurückblicken, welches Projekt bleibt Ihnen besonders in Erinnerung?
Andreas Schmid: Wenn ich mich auf eine Sache beschränken müsste, dann wäre es das Richtfest für das Haus der Vereine. Wir hatten hier eine lange und intensive Diskussionsphase – mit der Schule, mit der Bevölkerung und auch politisch im Gemeinderat. Umso schöner ist es, dass wir dieses Jahr mit dem Projekt gestartet sind und sogar planmäßig so gut vorangekommen sind, dass wir bereits Richtfest feiern konnten. Das war für mich schon ein echtes Highlight, weil wir im Zeitplan sind und das Gebäude nächstes Jahr einweihen können.

WOCHENBLATT: Das Haus der Vereine hat eine wichtige Funktion bei Ihnen in der Gemeinde. Wie viele Vereine werden es denn nutzen?
Andreas Schmid: Das war auch eine längere Diskussion, wie wir die Vereine sinnvoll unter einem Dach zusammenbringen. Am Ende werden es insgesamt fünf Vereine sein – wenn man den Schwarzwaldverein und den Männergesangsverein mitzählt, ebenso den Musikverein und weitere. Das Haus ist aber nicht nur ein Vereinsgebäude, sondern eine zentrale Schnittstelle im Ort – ein Treffpunkt, der die Vereinsarbeit und das Miteinander stärkt.

WOCHENBLATT: Der Glasfaserausbau hat dieses Jahr in vielen Gemeinden eine große Rolle gespielt. Wie sieht es bei Ihnen auf der Höri aus?
Andreas Schmid: Wir haben gerade in der letzten Gemeinderatssitzung den Planerauftrag vergeben. Das ist ein wichtiger Schritt. Wir waren auf der Höri schon früh dran, aber die Anforderungen sind gestiegen. Heute reicht es nicht mehr, nur bis zu den Verteilerkästen zu gehen – wir wollen Glasfaser direkt ins Haus bringen. Unser Ziel ist es, in den kommenden Jahren alle Ortsteile vollständig anzuschließen. Das ist ein Projekt, das sich bis 2028 ziehen wird und Kosten von rund 16 bis 17 Millionen Euro verursachen kann.

WOCHENBLATT: Das ist eine beachtliche Summe. Wie wird dieses Projekt finanziert?
Andreas Schmid: Land und Bund übernehmen hier knapp 90 Prozent der Kosten. Trotzdem bleiben für die Gemeinde etwa zehn Prozent übrig. Und bei 16 Millionen Euro sind das eben auch 1,6 Millionen Euro – plus Planungs- und Nebenkosten. Das ist eine große Aufgabe, aber für unsere Zukunftsfähigkeit unerlässlich.

WOCHENBLATT: Wenn wir schon über Kosten sprechen: Wie ist aktuell die finanzielle Lage der Gemeinde Öhningen?
Andreas Schmid: Wir haben unsere Haushalte bisher ausgeglichen gehalten, auch wenn es teilweise sehr knapp war. Wir fahren eine schlanke Struktur und versuchen, die Kosten so gering wie möglich zu halten. Aber: Wir hatten große Investitionen in den letzten Jahren – unter anderem in die Wasserversorgung und in den Straßenbau. Dazu kamen Hochwasserschäden aus dem Vorjahr, die uns über eine halbe Million Euro gekostet haben. Ein Problem ist, dass wir unsere Rücklagen fast vollständig in diese Projekte gesteckt haben. Wir sind jetzt an einem Punkt, an dem wir sagen müssen: Künftige Investitionen gehen nur noch über Kredite oder wir müssen Projekte verschieben. Das ist eine ehrliche Realität, der man sich stellen muss.

WOCHENBLATT: Die wirtschaftlichen Herausforderungen sind spürbar. Welche Projekte konnten Sie dieses Jahr dennoch umsetzen?
Andreas Schmid: Wir haben einiges auf den Weg gebracht. Im Haus der Vereine sind bis Jahresende rund 1,5 bis 1,7 Millionen Euro investiert worden. Über eine Million Euro floss in die Wasserversorgung. Das Feuerwehrhaus mit dem Anbau in Schienen wurde mit knapp einer halben Million Euro realisiert. Außerdem haben wir zwei neue Feuerwehrfahrzeuge beschafft – mit einem Gemeindeanteil von über 200.000 Euro.
Ein sehr großes Thema war auch das Augustiner Chorherrenstift. Dort haben wir dieses Jahr nochmals über eine Million Euro investiert. Im Inneren ist man mittlerweile deutlich weiter, als viele denken – Bäder, Sanitäranlagen, vieles ist schon fertig.
Ein weiteres zukunftsweisendes Projekt ist die Nahwärmeversorgung. Hier hat die Gemeinde rund eine Million Euro investiert und wir können dadurch etwa 30 weitere Gebäude anschließen.

WOCHENBLATT: Gab es auch Projekte, die Sie verschieben mussten?
Andreas Schmid: Ja, ein großes Projekt ist die Straßensanierung der Bernhardsgasse in Wangen. Da geht es um rund eine Million Euro. Wir haben entschieden, diese Maßnahme auf 2026/2027 zu verschieben.
Auch der Campingplatz in Wangen steht an. Hier sind Investitionen in Sanitärgebäude und Infrastruktur vorgesehen, aber auch das wird noch ein paar Jahre dauern, bis wir finanziell wieder mehr Spielraum haben.

WOCHENBLATT: Sie haben schon die Infrastruktur angesprochen. Gibt es weitere größere Projekte?
Andreas Schmid: Ein ganz zentrales Vorhaben ist das Poststraßenareal. Wir haben dort eine Entwicklungsfläche von rund 5.500 Quadratmetern. Ursprünglich war ein Mehrgenerationen-Wohnprojekt geplant, aber das wurde von der Bevölkerung nicht wirklich angenommen.
Jetzt verfolgen wir einen anderen Ansatz: Wir wollen Wohnraum schaffen – auch für junge Menschen aus der Gemeinde – und zusätzlich einen Bäcker mit Tagescafé sowie Praxisräume, um die medizinische Versorgung langfristig zu sichern.
Gerade weil unsere Ärzte perspektivisch in den Ruhestand gehen, ist uns das Thema ärztliche Versorgung sehr wichtig. Wir arbeiten aktuell mit der Kommunalentwicklung an einem Kriterienkatalog für Investoren. Ziel ist es, das Projekt 2026 konkret anzustoßen.

WOCHENBLATT: Sie haben das Augustiner Chorherrenstift schon mehrfach erwähnt. Das Thema ist in der Gemeinde umstritten. Wie ist hier der aktuelle Stand?
Andreas Schmid: Das ist ein sehr komplexes und langwieriges Thema. Es begleitet mich seit vielen Jahren. Die Eigentumsverhältnisse und Nutzungsrechte zwischen Land, Kirche und Gemeinde waren lange ungeklärt. In den vergangenen Wochen gab es jedoch eine entscheidende Gesprächsrunde, in der wir einen Durchbruch erreicht haben. Die Kirche hat klar definiert, welche Flächen sie künftig nutzen will. Sie wird voraussichtlich in unseren Gemeindeteil einziehen – im ersten Obergeschoss – und sich aus anderen Gebäudeteilen zurückziehen. Jetzt geht es noch um die finanzielle Abwicklung der Nutzungsrechte zwischen Land und Kirche. Ich bin aber optimistisch, dass wir Anfang 2026 zu unterschriebenen Verträgen kommen. Für unseren Teil bedeutet das: Wir wollen das Propsteigebäude 2026 fertigstellen und spätestens 2027 mit Gastronomie, Gästezimmern und einem ersten Betrieb starten. Langfristig könnte daraus, gemeinsam mit dem Land, ein größerer Hotel- und Tagungsbereich entstehen. Die Signale sind aktuell insgesamt sehr positiv.

WOCHENBLATT: Kommen wir zu etwas Unkomplizierterem. Die Gemeinde hat dieses Jahr ihr 40-jähriges Dorffest gefeiert. Wie haben Sie das erlebt?
Andreas Schmid: Das war ein sehr schönes Fest. Wir haben das Dorffest in den letzten Jahren bewusst weiterentwickelt und stärker ins Klosterareal integriert – weg vom klassischen Rundkurs durchs Dorf. Das ist sehr gut angekommen.
Natürlich merkt man, dass es immer schwieriger wird, Ehrenamtliche zu finden. Aber gerade deshalb ist es wichtig, solche Feste immer wieder zu erneuern, damit sie lebendig bleiben. Ich hoffe sehr, dass der Geist dieses Festes weitergetragen wird – auch in den nächsten Jahrzehnten.

WOCHENBLATT: Zum Abschluss: Worauf freuen Sie sich im kommenden Jahr besonders?
Andreas Schmid: Auf viele abgeschlossene Baustellen und Einweihungen. Für die Bevölkerung ist es wichtig zu sehen: Die Einschränkungen der letzten Jahre waren nicht umsonst. Wenn das Haus der Vereine fertig ist, der Schulhof neugestaltet ist und das Ortsbild sich weiterentwickelt, dann zeigt sich, wofür wir das alles gemacht haben. Und ich freue mich darauf, wenn man im Kloster wieder zusammensitzt – vielleicht bei einem Kaffee oder einem Bier.

WOCHENBLATT: Und was wünschen Sie Ihren Bürgerinnen und Bürgern für das kommende Jahr?
Andreas Schmid: Gesundheit, Zufriedenheit – und manchmal auch ein Stück Gelassenheit.

Autor:

Juleda Kadrija aus Singen

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