Sperrung der Klingenbachschlucht in Öhingen:
Kahlschlag wegen Eschensterben

Vor einer umgestürzten Esche am gesperrten Wanderweg durch die Klingenbachschlucht, von links: Revierleiter David Borho, Kreisforstamtsleiter Walter Jäger, Sebastian Rieger vom Schwarzwaldverein und Öhningens Bürgermeister Andreas Schmid.
 | Foto: Ute Mucha
  • Vor einer umgestürzten Esche am gesperrten Wanderweg durch die Klingenbachschlucht, von links: Revierleiter David Borho, Kreisforstamtsleiter Walter Jäger, Sebastian Rieger vom Schwarzwaldverein und Öhningens Bürgermeister Andreas Schmid.
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Öhningen. Walter Jäger nimmt kein Blatt vor den Mund: „Die Lage ist dramatisch - wir werden 75 Prozent unsere Eschen nicht nur im Öhninger Wald, sondern in ganz Europa verlieren“, prognostiziert der Forstamtsleiter des Landkreises Konstanz. Ein Beispiel dieser Entwicklung ist nun in Öhningen in aller Deutlichkeit zu erkennen: dort ist der beliebte, 1,5 Kilometer lange Wanderweg durch die Klingenbachschlucht bereits seit Ende Dezember vergangenen Jahres gesperrt, weil es immer wieder zu gefährlichen Baumstürzen kam. Nun müssen alle 500 Eschen aus Sicherheitsgründen gefällt werden.

Der Auslöser für das Eschensterben ist eine Pilzart, die aus dem asiatischen Raum bis auf die Höri eingeschleppt wurde. Als Folgeschädling zersetzt anschließend der Hallimasch-Pilz die Wurzeln des Baumes und beeinträchtigt seine Stabilität. Die Eschen stürzen dann ohne Vorwarnung um, sodass die Sicherheit des Weges nicht mehr garantiert werden kann, erklärte Revierleiter David Borho.

Vor Ort ist das Eschensterben nicht mehr zu übersehen: 80 bis 90 Eschen sind bereits umgestürzt und liegen auf dem Weg oder im Gelände. Doch trotz der Sperrung würden noch immer zahlreiche Naturfreunde den Schluchtweg begehen, weiß der Revierleiter, und weist noch einmal auf die Verkehrssicherheitsmaßnahme hin, die er plant und organisiert. Diese durchzuführen ist keine einfache Aufgabe, da die betroffene Waldfläche entlang der Klingenbachschlucht im Besitz von 25 Privatpersonen ist, die alle ihr Einverständnis für die Baumfäll-Aktion geben sollten. Durchgeführt wird die Maßnahme, die mit der Naturschutzbehörde abgestimmt ist, von einem Selbstwerbungsunternehmen (Hohenzollern-Forst), das die Fällarbeiten durchführt, die Baumstämme abtransportiert und das Holz veräußert. Den Waldbesitzern wird dafür ein entsprechender Betrag bezahlt.

Ein gewichtiges Argument für die Fällung ist auch die Haftungsfrage, wenn ein Waldbesitzer der Aktion nicht zustimmen würde. Zwar seien Besucher selbstverantwortlich beim Betreten des Waldes, doch sollte eine erkennbare Gefährdung im Bereich eines Weges oder einer Brücke bestehen, muss der Waldbesitzer diese beseitigen. „Im Bereich des Schluchtweges besteht eine sehr hohe Gefährdung“, hob Kreisforstamtsleiter Jäger den Ernst der Lage hervor.

Als Folge des Eschensterbens und der notwendigen Fällungen werde sich auch das Landschaftsbild des beliebten Wanderweges drastisch verändern“, kündigte Jäger an, auch wenn ohne Naturverjüngung natürlich neue Bäume gepflanzt werden.
Diese Veränderung treibt auch den hiesigen Schwarzwaldverein (SWV) um, der in den vergangenen Jahren den Schluchtenweg mit viel Herzblut Instand gehalten hat und auch weiterhin bei der Pflege helfen wird. „Die Maßnahme tut uns schon weh, weil sich das Erscheinungsbild der Schlucht verändern wird. Doch wir sehen die Notwendigkeit ein, damit der Wanderweg wieder eröffnet werden kann“, erklärte Sebastian Rieger vom SWV. Noch in diesem Frühjahr soll die Verkehrssicherungsmaßnahme durchgeführt und anschließend der Wanderweg durch die Klingenbachschlucht wieder freigegeben werden, kündigte Revierleiter Borho an. Denn für die Öhninger und zahlreiche Wanderer und Naturliebhaber ist die Schlucht eine touristische Attraktion und ein beliebtes Naherholungsziel, ergänzte Bürgermeister Andreas Schmid.

Autor:

Ute Mucha aus Moos

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