Fasnachtsmuseum Langenstein
Einzigartig in Deutschland: Das Museum ist eröffnet
- hochgeladen von Sebastian Ridder
Orsingen-Nenzingen. Es ist ein deutschlandweit einzigartiges Projekt, dass nun seine große Präsentation feiern konnte. Der Verein Fasnachtsmuseum Schloss Langenstein hat sein neugebautes Museum eröffnet. So einzigartig wie die innovative Holzverarbeitung war auch, dass ein Museum für Fasnacht oder Karneval deutschlandweit bisher noch nicht neugebaut wurde, wie der Architekt Peter Cheret erklärte. Das war nur möglich aufgrund der gefühlt unendlichen Anzahl der Untersützer aus der Region, die Michael Fuchs, der Vorsitzende des Museumsvereins, zur Eröffnung begrüßte und denen er mit einer Auszeichnung dankte.
Traditionelle und innovative Verkleidung nach dem Schwarzwaldmodel
"Es ist das erste Fasnachtsmuseum seiner Art", sagte der Architekt Peter Cheret aus Stuttgart. Er hat zusammen mit dem Vorsitzenden des Museumsvereins und der Bauleiterin Carola Schäpke in drei Jahren Bauzeit eine neue Heimat für 120 Zünfte, 450 Masken aus aller Welt und 300 lebensgroße Narrenfiguren geschaffen. Das besondere an dem Museum: Es erhält Tradition und Kultur und verbindet das mit moderner Technik und Innovation. Es spiegelt nach außen, was es beinhaltet, sagte Cheret bei der Eröffnung.
Der Architekt hat sich an süddeutschen Eindachhäusern orientiert, wie er sagte. Die Schwarzwaldhäuser oder auch Hotzenhäuser sind prominente Vertreter dieses Models. Im Falle des Museums erkennt man die Form an dem riesigen Dach sowie an der hellen Holzverkleidung aus Nadel- und auch Laubholz an der Außenwand. Obwohl die Außenverkleidung bereits seit etwa zwei Jahren steht, sieht sie noch wie neu aus. "Sie wird ganz langsam vergrauen", wie Cheret sagte, was ebenfalls typisch für Schwarzwaldhäuser ist. Für die innovative Nutzung des Holzes beim Bau erhielt der Museumsverein eine Förderung von 100.000 Euro vom Holz Innovativ Programm des Landes Baden-Württemberg. "Das kommt in die best-practice-Liste bei uns", sagte die Staatssekretärin im baden-württembergischen Ministerium für Ländlichen Raum, Sabine Kurtz.
Im Museum: Digitalisierung trifft auf echte Handarbeit
Die 1.200 Quadratmeter sind so angelegt, dass in der Front ein Eingangsbereich und im ersten Geschoss kleine Vorräume sind. Dahinter befindet sich jeweils ein großer Saal für die neugestaltete Ausstellung von Fasnachtsstücken aus der ganzen Welt. Auch innen ist die Verkleidung aus Holz gemacht. Der frische und wohlige Geruch ist vor allem im Eingangsbereich präsent. "Der Geruch ist schön, wird aber mit der Zeit verfliegen", so Peter Cheret, "das Holz sorgt zudem aber für ein ausgeglichenes Raumklima."
An den Wänden der Säle reihen sich die bunten lebensgroßen Fasnachtspuppen in ihren Kostümen in drei Zellen vom Erdgeschoss bis ins erste Geschoss auf. Inmitten der Ausstellung verschwimmt die Tradition mit Technik. Neben der Ausstellungsstücke aus feinster Handarbeit, bereiten Beamer, Bildschirme, Touchpads oder Buzzer Fakten, Stimmen und Videos aus der Fasnacht auf. Daran hat Bundestagsmitglied Andreas Jung aus Konstanz einen großen Anteil, wie Michael Fuchs erklärte. Jung hat geholfen, dass das Museum teil des Verbundprojekts Museum4punkt0 wird, dass von der Bundesregierung gefördert wird und digitale Angebote für Ausstellungen schafft. Doch mitgemacht haben noch viel mehr Personen.
Bauarbeiten bis kurz vor der Eröffnung
"Vorgestern waren hier noch über 100 Menschen auf der Baustelle", sagte Michael Fuchs. Der Vorsitzende war begeistert von der Unterstützung, die er und die Projektleiter aus der Region erfahren haben. Ehrenamtliche Helfer, Bau-, Sanitär- und Gartenfirmen haben teils die Kosten reduziert und einige sogar umsonst gearbeitet wie Fuchs freudig verkündete. Zudem spendeten tausende Bürger und Instutionen von Gemeinden bis Sparkassen für das Projekt. Sie alle würdigte Fuchs mit einer Narrenmedaille. Die Unterstützer, die 1.000 Euro spendeten, wurden auf einer digitalen Anzeigetafel im Eingang des Musuems verewigt. Allein sie passten nur auf vier Slides der etwa ein Meter hohen Tafel. "Ihr habt einen Beitrag erbracht, der länger hält, als jede Narrenkappe", so Fuchs.
Insgesamt beliefen sich die Baukosten auf 2,6 Millionen Euro, wie Michael Fuchs sagte. Der Bau begann im Juli 2022. Kostensteigerungen durch den Kriegsbeginn und der Coronapandemie erschwerten das Projekt, konnten aber mit Spenden und Unterstützungen aufgefangen werden. Den Baugrund stellte Leopold Graf Douglas, Hausherr von Schloss Langenstein zur Verfügung. Ohne Carolin Schäpcke, Michael Fuchs und Rainer Hespeler, dem Präsident der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee, wäre das Museum nicht hier, sagte Graf Douglas. Zur Einweihung und für die Verdienste des Museumsverein, schenkte Orsingen-Nenzingens Bürgermeister, Stefan Keil, dem Museum ein Gästebuch und Narrenrichter Jürgen Koterzyna aus Stockach schenkte der Ausstelltung das Banner des Stockacher Narrengerichts samt Schutzhülle.
Autor:Sebastian Ridder aus Konstanz |