Begeisterndes Marktplatzkonzert der Stadtkapelle
Vom mediävalen Radolfzell, echten Naturgewalten und dem Weltall

Mit einem mitreißenden wie musikalisch anspruchsvollen Programm begeisterte die Stadtkapelle Radolfzell das Publikum auf dem Zeller Marktplatz.  | Foto: Philipp Findling
  • Mit einem mitreißenden wie musikalisch anspruchsvollen Programm begeisterte die Stadtkapelle Radolfzell das Publikum auf dem Zeller Marktplatz.
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Radolfzell. Was für ein fulminanter Auftakt in den Marktplatzsommer des Zeller Stadtjubiläums. Mit einem musikalisch sehr anspruchsvollen wie hochklassigen Programm sorgte die Stadtkapelle Radolfzell am 26. Juni mit seinem tradtionellen Marktplatzkonzert wieder für ein besonderes Konzerterlebnis am Fuße des Münsters.

Doch waren die rund 550 Zuschauer im historischen Zentrum an diesem Abend nicht ganz alleine, wohnte doch tatsächlich der von Chris Zeiser verkörperte Bischof Radolt zu Beginn dem Konzert in "seinem Radolfzell" bei, um zu sehen, was hieraus nach 1.200 Jahren geworden ist. Hiervor spielte die Stadtkapelle mit der Jubiläumsfanfare ein Stück, dass von Heinrich Braun zum Stadtjubiläum im Jahr 1967 zunächst nur für sechs Bläser komponiert wurde und diesen Konzertabend offiziell im wahrsten Sinne des Wortes einläutete.

Ausflug in das Zeller Mittelalter

Das ganz große Highlight des Abends stand folgend mit der Uraufführung von "Modi Radolfi Cellae". Einer 15-minütigen, eigens vom Radolfzeller Jazztrompeter Michael Maisch zum Stadtjubiläum geschriebene sinfonische Suite, welche in seinen fünf Sätzen "Cella Ratoldi", "Communitas patis", Saltarello", "Spectaculum" sowie "Hausherrenfest" das pulsierende Leben Radolfzells im Mittelalter in musikalischen Bildern sowie der leibhaftigen Spielfreude des Orchesters unter der Leitung von Dirigent Kuno Rauch lebendig werden ließ. Wunderschön untermalt wurde dieses musikalische Meisterwerk, dass nach Meinung von Oberbürgermeister Simon Gröger in dessen Ansprache zurecht "weit über dieses Konzert hinaus erhalten bleiben wird", von einem eigens zu den einzelnen Sätzen produzierten Film des Zeller Filmemachers Günter Köhler.

Wuchtige Wikinger-Klänge

Nach der rund 15-minütigen Pause entführte die Stadtkapelle das Publikum auf dem Marktplatz in den hohen Norden, genauer gesagt in die sagenumwobene Welt der naturgewaltigen Wikinger, in welcher das Radolfzeller Stadtoberhaupt dem Moderator zufolge wahrscheinlich Sven Grøgerson gehießen hätte, wenn die Nordmänner auch die Stadt am See vor vielen hundert Jahren eingenommen hätten. Mit seinen wuchtigen Klängen, wechselnden Farben des Bühnenhintergrunds, passenden "Rufen" einiger Orchestermitglieder und zweifellos herausragenden Solis wurde dieses Stück dann auch tatsächlich zu einem echten Klangerlebnis, dass das Zeller Zentrum im positiven Sinne musikalisch erbeben ließ.

Hoffnungsmachende Botschaft

Wie brutal und uneigennützig doch unsere Natur auf dem Planet Erde sein kann oder heute immer noch ist, präsentierte der an diesem Abend überragend aufspielende Klangkörper mit "The Nature Strikes Back - Five Minutes To Twelve" von Komponist Otto M. Schwarz. Hierin wurden die Zuschauer musikalisch gesehen mit den Folgen des Klimawandels aus den letzten Jahrzehnten konfrontiert und mit teils urgewaltigen Rhythmen vor bereits geschehene Tatsachen gestellt. Die Botschaft blieb in diesem Stück dabei eine, die Hoffnung macht: Die Welt-Uhr tickt und dennoch haben wir deren Gesundheit immer noch in der eigenen Hand.

Reise in die Weiten des Weltalls

Nachdem der Titel des letzten Stückes schon eine Art "Space Opera" à la Star Wars vermuten ließ, folgte schließlich mit "Into The Universe" des Schweizer Komponisten Mario Bürki eine akustische Reise in die Unweiten und Unbekannten des Weltalls, bei der auch starke Ähnlichkeiten zur Musik des weltweiten Erfolgsfilms "Interstellar" von Hans Zimmer rauszuhören waren. Doch waren es vor allem auch die eigenen, von der Zeller Stadtkapelle perfekt umgesetzten Interpretationen Bürkis, die das Gefühl des Ungewissen und Weiten des Weltalls eindrucksvoll zu transportieren wussten.

Fulminanter Auftakt des Radolfzeller Marktplatzsommers

Gekrönt wurde dieser spektakuläre Marktplatzkonzert schließlich noch, wie sollte es auch anders sein, vom Jubiläumssong "Stadt am See", für das Komponist Rainer Dost den Dirigentenstab übernahm und während dessen die Spiel- und Gesangsfreude des Orchesters, von Jörn Weprich und Tobias Franz, der hierbei für Punita Lorch einsprang, sowie dreier Kinder der Hummelsummer auch unmittelbar auf das Publikum übertrug, die diesen wahrlich magischen Konzertabend noch lange in Erinnerung behalten werden.

Autor:

Philipp Findling aus Singen

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