Atemschutzübungsanlage
Hier üben Feuerwehrleute die Grundlagen für den Brandeinsatz

Im Brandsimulationscontainer können die Angehörigen der Feuerwehr das Löschen eines Wohnungsbrandes üben. | Foto: Werkfeuerwehr Takeda
11Bilder
  • Im Brandsimulationscontainer können die Angehörigen der Feuerwehr das Löschen eines Wohnungsbrandes üben.
  • Foto: Werkfeuerwehr Takeda
  • hochgeladen von Anja Kurz

Rielasingen-Worblingen/Kreis Konstanz. Es ist stockdunkel, Rauch zieht durch den Raum, irgendwo lodert ein Feuer: Die Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr engagieren sich ehrenamtlich, für den Fall, dass dieses Schreckensszenario eintritt. Nach zehn Jahren haben sie mit der Atemschutzübungsanlage in Rielasingen-Worblingen nun wieder eine Möglichkeit, sich im Landkreis darauf vorzubereiten.

Denn auf manches können sich die Feuerwehrleute bei ihren Proben und Übungen heute nicht mehr so gut einstellen, wie das früher der Fall war, berichtet Andreas Egger, Kreisbrandmeister im Landkreis Konstanz, dem WOCHENBLATT bei einem Besuch der Anlage. Das „Anleitern“, also das Anbringen einer Leiter von außen an ein Fenster, ist ein Beispiel. Auch die Wasserentnahme sei heute schwieriger zu üben. Für beides ist das Gelände ausgestattet: Auf dem Hof gibt es sowohl ein Gerüst, an dem das Anleitern geübt werden kann, als auch verschiedene Wasserentnahmestellen.


Das Anleitern und Betreten einer Wohnung durch ein Fenster kann auf dem Dach eines Containers geübt werden. | Foto: Anja Kurz
  • Das Anleitern und Betreten einer Wohnung durch ein Fenster kann auf dem Dach eines Containers geübt werden.
  • Foto: Anja Kurz
  • hochgeladen von Anja Kurz

Das eigentliche Herz der Anlage sind jedoch die Atemschutzübungsstrecke im Hauptgebäude und der Brandsimulationscontainer auf dem Hof. Hier finden die Feuerwehren der Region alles, um ihre Leute zum Atemschutzgeräteträger ausbilden zu können. Auch die „Belastungsübung“ kann hier stattfinden. Diese muss einmal jährlich abgelegt werden, um das Gerät weiter tragen zu dürfen. Laut Andreas Egger gibt es im Landkreis rund 1.500 Personen, die Atemschutzgeräteträger sind. Und entsprechend 1.500 Personen, die die Anlage einmal pro Jahr für die Belastungsübung nutzen.

Proben mit Atemschutzgerät

Dafür gibt es unterschiedliche Stationen auf der Atemschutzübungsstrecke. Ein Konditionsraum simuliert den Weg zur Einsatzstelle und prüft die körperliche Fitness. Ein Parkour testet, wie gut sich die Atemschutzgeräteträger durch verschiedene Hindernisse bewegen können – geduckt, aufrecht und durch Luken. Die Räume sind auch mit vielen kleineren Aufgaben gespickt, die geprobt werden können: eine Puppe für eine Menschenrettung, Rohre, ein Sicherungskasten und mehr. Alles davon kann Teil einer Übungsaufgabe sein. „Das sind so Grundtätigkeiten, die ich als Atemschutzgeräteträger teilweise machen muss“, meint der Kreisbrandmeister. Die Räume können teilweise vernebelt werden und sind mit einer normalen sowie einer Wärmebildkamera ausgestattet. Auch als Sicherheitsmaßnahme für Notfälle, erklärt Egger: „Ich will ja sehen, wenn es möglicherweise ein Problem gibt“. Dann könne auch der Nebel innerhalb kürzester Zeit abgesaugt werden.

Auch die Atemschutzstrecke verfügt über Kameraüberwachung, sowie einen Abzug, der im Notfall den Nebel aus dem Raum zieht. | Foto: Anja Kurz
  • Auch die Atemschutzstrecke verfügt über Kameraüberwachung, sowie einen Abzug, der im Notfall den Nebel aus dem Raum zieht.
  • Foto: Anja Kurz
  • hochgeladen von Anja Kurz

Das Hauptgebäude verfügt zusätzlich zur Übungsstrecke noch über einen Schulungsraum. Dieser dient einerseits dem theoretischen Teil der Ausbildungen in der Anlage. Bei größeren Schadenslagen könne dieser aber auch als Zentrale des Führungsstabs zu Koordination des Einsatzes dienen, berichtet Egger. Außerdem hält das Grundstück der Atemschutzübungsanlage bereits Erweiterungsflächen bereit. Denkbar ist zum Beispiel ein Katastrophenschutzlager, mit einer Fahrzeug- und Gerätehalle.

Im Brandsimulationscontainer wiederum kann ein Wohnungsbrand simuliert werden, mit drei Räumen und vier Brandstellen zum Löschen. Gesteuert wird dies aus einem Bedien- und mehreren Technikräumen. Betrieben werden die Feuerstellen mit Flüssiggas. Alternativ wäre laut Kreisbrandmeister Andreas Egger eine Simulationsanlage mit Festbrennstoffen möglich gewesen: „Da brennt dann tatsächlich Holz.“ Aus verschiedenen Gründen habe man sich allerdings für den Betrieb mit Gas entschieden: Der dadurch entstandene Nebel sei laut Egger „unkritisch mit wenig bis gar keinen Emissionen“, während der Rauch bei Festbrennstoffen gefiltert werden müsse. Außerdem entstehe dort „belastetes Löschwasser“, das aufbereitet werden muss. Beim Betrieb mit Gas werde das Löschwasser ohne Aufbereitung aufgefangen und wiederverwendet.

Über einen Technikraum kann das Geschehen in den Containern gesteuert und überwacht werden. | Foto: Anja Kurz
  • Über einen Technikraum kann das Geschehen in den Containern gesteuert und überwacht werden.
  • Foto: Anja Kurz
  • hochgeladen von Anja Kurz

Die rund zehn Millionen Euro teure Anlage wurde zwar im November 2025 eröffnet. Wie Egger berichtet, mussten seither jedoch noch Anpassungen vorgenommen werden. Auch jetzt begegnen den Übenden Hindernisse. Während des Besuchs des WOCHENBLATTs Mitte Juni befand sich eine Gruppe der Werksfeuerwehr Takeda auf dem Gelände. Die Atemschutzübungsstrecke konnte wegen eines Softwarefehlers nicht verwendet werden.

Es dauert noch bis zum Regelbetrieb

Die Gerätewartung übernimmt die Feuerwehr Rielasingen-Worblingen. Der Betrieb und die Ausbildung lasten ebenfalls auf den Schultern des Ehrenamtes im Landkreis, wie der Kreisbrandmeister hervorhebt. Hierauf liegt aktuell das Hauptaugenmerk: Seit etwa sechs Wochen findet die Befähigung von Bedienern und Ausbildern statt. Während die Bediener sich um den technischen Ablauf kümmern, leiten Ausbilder die Übenden auf der Strecke an. Das Ziel, so Egger: Nach der Sommerpause ausreichend Ausbilder und Bediener zu haben, um zunächst in einen Probebetrieb und schließlich ab Anfang 2027 in den Regelbetrieb der Atemschutzübungsanlage zu gehen. Über diesen schrittweisen Vorgang ist Andreas Egger nicht unglücklich: „Nicht nur weil es technisch nicht funktioniert hat. Sondern auch weil wir die Kenntnis über die ganze Anlage nicht hatten.“ Auch Patzer wie den Softwarefehler sieht er keinesfalls als tragisch an: „Es ist gar nicht so verkehrt, wenn bei unserem Probebetrieb auch mal sowas auftritt.“ So sei man auf ähnliche Situationen im Regelbetrieb besser vorbereitet.

Autor:

Anja Kurz aus Engen

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

4 folgen diesem Profil
Kommentare sind deaktiviert.

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.