Krise im Ehrenamt: Wolf-Dieter Karle schlägt Rückgriff auf Hauptamtliche vor
Ein Profi für die Vereine

Wolf-Dieter Karle
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  • Foto: Der Krise im Ehrenamt möchte Wolf-Dieter Karle durch die Rekrutierung von hauptamtlichen, qualifizierten Spezialisten begegnen.swb-Bild: sw
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Stockach. Jahreshauptversammlung eines beliebigen Vereins: Der erste Vorsitzende hört auf, ein Nachfolger wird dringend gesucht, doch kein Freiwilliger meldet sich. Frei werdende Posten werden nicht mehr besetzt, Vorstände fehlen, Übungsleiter sind Mangelware - das Ehrenamt in der Krise, die Vereine in der Bredouille. Wolf-Dieter Karle, langjähriger erster Vorsitzender der TG Stockach und »Vereinsmensch« durch und durch, weiß eine Lösung - den Rückgriff auf den hauptamtlichen Vereinsprofi.

Er schlägt den Einsatz von qualifizierten Experten vor, um den Vereinen aus der Klemme zu helfen: »Der Amateurstatus bei den Vorständen reicht nicht mehr aus, um die Aufgabenfülle zu bewältigen. Und in einer individualisierten Gesellschaft sind immer weniger Menschen bereit, sich für andere einzusetzen und Verantwortung zu übernehmen. Hier müssen bezahlte Hauptamtliche mit dem richtigen Know-how weiterhelfen.« Diese Experten könnten etwa Absolventen von Sportmanagement-Studiengängen oder Betriebswirte sein.

Datenschutz, rechtliche Grundlagen, Finanzwesen - die Vereinsarbeit wird immer komplexer, komplizierter und kontroverser: »Die Ehrenamtlichen stoßen an die Grenze der Belastbarkeit. Denn die Vereine gleichen immer mehr Unternehmen«. Darum rät Wolf-Dieter Karle, auf Expertenwissen zurückzugreifen.

Ein hauptamtlicher Geschäftsführer eventuell mit einem Assistenten oder einer Sekretärin an seiner Seite könnte die schwierige Materie vor allem im Rechts- oder Finanzsektor übernehmen. Für die anfallenden Kosten wären staatliche Zuschüsse denkbar, aber auch die Zusammenarbeit mehrerer Vereine in diesem Punkt würde die Übernahme der Ausgaben erleichtern. Wichtig ist Wolf-Dieter Karle zu betonen, dass die Vereine durch diese Regelung weder ihre Identität noch ihre Eigenständigkeit verlieren würden. Das ehrenamtliche Vorstandsgremium würde weiterhin die Geschicke bestimmen - nur eben im Dienstleistungsbereich unterstützt durch einen Fachmann. Aber: »Die Vereinsbrille verhindert das. Manche Vereine sind eben noch sehr antiquiert.«

In den von Stockachs Bürgermeister Rainer Stolz bei den Haushaltsberatungen im Gemeinderat zu Jahresanfang und jüngst bei der Jahreshauptversammlung der TG Stockach zugesagten baulichen Veränderungen im Osterholz sieht Wolf-Dieter Karle eine gute Chance zur Verwirklichung seiner Gedanken. Nach Gesprächen mit Volker Kabusreuther, dem damaligen Vorsitzenden des VfR, und Lorenzo Patone, dem TG-Vereinschef, soll das Gelände überplant werden, um eine Neugestaltung vorzubereiten. Diese Pläne könnten zum Bau einer Geschäftsstelle für alle Vereine Stockachs und der Ortsteile als Sitz für einen hauptamtlichen Mitarbeiter genutzt werden. Auch der Stadtsportverband mit seinem Vorsitzenden Frank Karotsch könne für diese Bemühungen mit ins Boot geholt werden.

Dass seine Überlegungen bisher noch nicht umgesetzt wurden, führt Wolf-Dieter Karle auch auf besondere Strukturen vor Ort zurück: »Die Innovationsbereitschaft steckt in unserem ländlich strukturierten Raum noch in den Kinderschuhen. Hier wird der Vereinsgedanke anders ausgestaltet als in den Großstädten.« Doch der Rückgriff auf hauptamtliche Mitarbeiter werde zwingend kommen: »Spätestens dann, wenn die Vereine keine Vorsitzenden und keine Vorstandsmitglieder mehr finden, werden sie sich mit dieser Lösung auf jeden Fall anfreunden müssen.«

- Simone Weiß

Autor:

Redaktion aus Singen

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