Interview mit Autorin Silke Ferguson zu "Undine"
Kleine Abenteuer, die das Leben ein bisschen aufregender machen

Für das Wildschwimmen, das sie zu ihrem Buch "Undine" inspirierte, benötigt Silke U. Ferguson nicht selten auch mal eine Axt, um ins kalte Wasser tauchen zu können.  | Foto: Stefan Ferguson
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  • Für das Wildschwimmen, das sie zu ihrem Buch "Undine" inspirierte, benötigt Silke U. Ferguson nicht selten auch mal eine Axt, um ins kalte Wasser tauchen zu können.
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Stockach-Wahlwies. Es gibt Hobbys, die ganz schnell zu einem Phänomen werden. Auch das Eis- oder Wildschwimmen zählt dazu, woraus Silke Undine Ferguson nun anhand eigener Erfahrungen ein Buch mit dem Titel "Undine" geschrieben hat.

Wochenblatt:
Frau Ferguson, wie kamen Sie damals eigentlich zum Eisschwimmen?
Silke Ferguson: Das war kurz nach Covid, was unsere Familie ziemlich mitgenommen hat. Auch ich war in einem schlechten Zustand und wusste nicht, wie ich die Familie wieder so weit hinkriege, dass das alles läuft. Im Sommer 2023 gingen wir schließlich nach Schottland, wo auch meine Schwiegereltern leben und das Eisbaden seit Corona an Beliebtheit gewonnen hat. Gerade am New Year's Day oder Christmas Day stürzen sich die Leute regelrecht dort rein. Hierbei habe ich mich auch immer gefragt, wie man sowas überleben kann und wie das eigentlich geht. Daher habe ich das dann auch selbst mal ausprobiert.

Wochenblatt: Für was ist denn das Wildschwimmen generell gut?
Silke Ferguson: Vor allem aus medizinischer Hinsicht ist es mehr oder weniger bewiesen, dass Wildschwimmen die Immunabwehr stärkt. Das merke ich an mir schon selbst. Ich bin jetzt einfach viel, viel seltener krank. Letzten Winter beispielsweise war ich überhaupt nicht krank. Je öfter man das macht, desto stärker baut sich bei den Leuten eine Kältetoleranz auf. Zudem trägt das Wildschwimmen ebenfalls zur Reduktion von Cholesterinwerten und Blutdruck bei. Zu guter Letzt stärkt es die eigene Fitness, das Selbstbewusstsein sowie das eigene Körpergefühl.

Es ist für mich auch dieser Kaltwasserschock, der diese Ausschüttung von Endorphinen bewirkt und die einen glücklich macht. Das gibt einem so ein gewisses High einfach mit auf den Weg. Gerade körperlich und eben seelisch oder geistig, bringt es eine extreme Auswirkung mit sich. Die psychischen Auswirkungen sind so weitreichend, dass man insgesamt zu einem völlig neuen Lebensgefühl findet, zu einer verbesserten psychischen Disposition, kurz gesagt zu mehr Lebensqualität. Denn wer sich traut, dem eisigen Wasser zu trotzen, der traut sich auch andere Dinge im Leben anzupacken. So ging es mir und so kam es schließlich zu diesem Buch.

Wochenblatt: Kann man hierbei also durchaus von einem Phänomen sprechen?
Silke Ferguson: Ja, da es schon unglaublich ist, wie sich das in den letzten drei Jahren aufgebaut hat. Es gibt inzwischen so viel mehr Leute, die mir das auch berichten. Man sieht hierdurch einfach jetzt so viel mehr Menschen, auch am Steißlinger See, was für mich mein nächstgelegenes Gewässer ist. Da ist man kaum schon mehr allein an einem x-beliebigen Sonntag. Auch in Buchläden wurde ich schon mehrfach von anderen Leuten darauf angesprochen. Es ist echt eine Bewegung geworden, die gerade erst so richtig Fahrt aufnimmt.

Wochenblatt: Wie oft sollte man Ihrer Ansicht nach Eisbaden in der Woche?
Silke Ferguson: Es gibt da die Vorstellung, dass man alle zwei Tage spätestens eintaucht. Nur dadurch kann man auch irgendwie diesen Kick, den man dadurch bekommt und dann auch möchte, aufrechterhalten. Der lässt sich ja nur bewerkstelligen, wenn ich nicht jedes Mal fünf Stunden irgendwo hinfahren muss. Und da wohnen wir hier schon fast im Paradies. Wir haben hier nicht nur den Bodensee, sondern wir haben auch den Steißlinger See, den Güttinger See oder auch den Mindelsee, die für mich wie Satelliten vom Bodensee sind. Generell gehe ich immer da hin, wo mich gerade mein Tagesgeschäft hinführt. Man muss es einfach gut in den Tagesablauf integrieren können, egal zu welcher Jahreszeit.

Wochenblatt: An welchen Orten spielt ihr Buch denn genau?
Silke Ferguson: Es hat größtenteils einen starken Regionalbezug, das war mir wichtig. Es beginnt im Sommer an der Ostküste Schottlands in St. Andrews, zu den anderen Jahreszeiten spielt es überwiegend hier in der Region wie beispielsweise eben am Steißlinger See, den ich hierfür zum „Neptunes Lake“ umgetauft habe, oder auch auf der Mettnau. Es hat aber auch Kapitel, die am Rhein spielen und das dortige Rheinschwimmen behandeln, sowie eines in der Überlinger Therme, wo die Hauptfigur dann schon auch noch in den See steigt und zur Abwechslung eine Warmphase einlegt. Zudem spielt die Natur, die meiner Ansicht nach eine heilende Funktion mit sich bringt und wo man stets andere Tiere antrifft, in diesem Buch, das ich nach meinem Zweitnamen betitelt habe, eine große Rolle. Frei auch ein bisschen nach dem Motto „Jetzt geh mal wieder zurück in die Natur und finde dich selbst da drin“.

Wochenblatt: Handelt es sich bei diesem Buch um ihr Debüt und warum wollten Sie da gerade eben ein Buch darüber schreiben?
Silke Ferguson: Ja, das ist ein Debüt, ich hatte so ein umwerfendes Erlebnis durch diese Wildschwimmerei, dass ich dachte, das muss aufgeschrieben werden. Ich hatte, obwohl ich Germanistik studiert habe, noch nie das Gefühl, dass ich was zu sagen hätte. Das war diesmal jedoch anders. Ich hatte das Gefühl, das ist so besonders, das muss aufgeschrieben werden. Ich wollte es anderen Menschen zugänglich machen, da es auch eine ganz gute, spannende und zu 100 Prozent wahre Geschichte ist und sie interessant genug ist, dass sie es verdient, auf Papier gebracht zu werden.

Wochenblatt: Haben sie einen Autor oder eine Autorin, der oder die sie auch beim Schreiben inspiriert hat?
Silke Ferguson: Nein, nicht wirklich. Es kam wie eine echte göttliche Inspiration, irgendwie war dann der Drang zu schreiben, den ich vorher nie hatte, auf einmal da und es musste so geschrieben werden, wie ich es erlebt habe. Ich mag Kafka, aber ich habe nie da groß irgendwelche Vorbilder gehabt beim Schreiben.

Wochenblatt: Wie waren denn die bisherigen Rückmeldungen zum Buch und wem würden Sie dies weiterempfehlen?
Silke Ferguson: Da kamen viele positive Reaktionen bisher, auch von Menschen, die mich nicht kennen. Es ist wahrscheinlich schon ein Buch, das primär mehr für Frauen ist, weil es einfach aus der Situation heraus von jemandem, der in der Familien- und Kindererziehungsphase noch drinsteckt geschrieben ist, und vielleicht auch für Frauen, die jetzt schon langsam aus dem Berufsleben ausscheiden und sich fragen, was sie da jetzt mit der vielen Freizeit anfangen sollen. Überhaupt ist die Wildschwimmthematik aber natürlich für jeden interessant.

Wochenblatt: Gab es zu diesem Buch bereits schon Lesungen?
Silke Ferguson: Nein, damit möchte ich jetzt erst anfangen. Mir war es zunächst wichtig, das Werk in die Buchläden hier in der Region zu bringen. Dort war die Resonanz bisher extrem positiv, da war ich so überrascht, dass so viele Menschen sich dafür interessieren. Es wird auf jeden Fall Lesungen in den Wochen vom 20. und 27. Juli  im Naturbad Steißlinger See, im Strandbad und im Seebad Mettnau sowie im Überlinger Ostbad und Westbad geben.

Wochenblatt: Welche Botschaft möchten Sie den Menschen mit diesem Buch mit auf den Weg geben?
Silke Ferguson: Dass man sich traut, etwas zu tun, auch wenn man schon älter und das eigene Leben in geordneten Bahnen ist. Vielleicht ist es gerade dann wichtig, dass man irgendwie aus seiner Komfortzone mal rausgeht, ein kleines Abenteuer erlebt und mit Dingen wie eben dem Wildbaden irgendwas Neues anfängt oder gar ein neues Hobby für sich entdeckt. Gerade bei Sachen, die außerhalb des Radius des Gewohnten stattfinden, kann so etwas sehr gewinnbringend sein. Das Leben spielt sich dort ab, wo man noch nicht war. Genau daher sind es diese kleinen Abenteuer, die das Leben ein bisschen interessanter, aufregender und besonders machen.

Autor:

Philipp Findling aus Singen

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