„Demokratie ist (k)ein Geschenk“
Mahnwache setzt Zeichen in Stockach

Foto: Constanze Wyneken

Stockach. Viele Menschen versammelten sich am vergangenen Freitag vor St. Oswald, um für Demokratie, Menschenwürde und Freiheit einzustehen. Vertreter aus Politik, Kirchen, Schulen und Vereinen riefen zu Wachsamkeit und Beteiligung auf.

Die Frühjahrs-Sonne versank orange und schon warm leuchtend hinter den Horizont. Etliche Kerzen verbreiteten einen hoffnungsfrohen Schein. Und etliche Menschen hatten sich an jenem vergangenen Freitagabend vor der Katholischen Kirche St. Oswald in der Stockacher Oberstadt versammelt. Unter dem Motto „Demokratie ist (k)ein Geschenk“ hatte der Verein „Demokratisch – Raum Stockach“ zu einer Mahnwache für Demokratie, Menschenwürde und Freiheit aufgerufen. Ein Ruf, dem rund 200 Menschen gerne gefolgt waren.

Der Termin, der 27. Februar, sei von den Veranstaltern bewusst gewählt worden. Denn dieser Tag erinnere an die Mannheimer Volksversammlung von 1848, einen Auftakt der Märzrevolution, wie die Veranstalter im Vorfeld erklärt hatten. Zugleich stehe das Datum für das Jahr 1933, als nach dem Reichstagsbrand zentrale Grundrechte in unserem Land eingeschränkt worden waren. Der Lauf der Geschichte, so wurde mehrfach betont, mahne zur Aufmerksamkeit.

Weitere Bilder zur Mahnwache finden Sie hier:

Mahnwache setzt Zeichen in Stockach

Alice Engelhardt vom veranstaltenden Verein eröffnete die Mahnwache. Demokratie müsse weiterentwickelt werden, sagte sie, etwa durch neue Formen der Bürgerbeteiligung. Menschen müssten spüren, dass sie einbezogen werden. Das Vertrauen der Menschen könne wachsen, wenn Politik und Gesellschaft gemeinsam Verantwortung teilten.

Für musikalische Akzente sorgte das Bläserquartett des Musikvereins Stockach, vermittelt durch Corinna Bruggaier vom Amt für Kultur und Tourismus. Zwischen den Redebeiträgen erklangen erhellende Stücke und verliehen dem Abend einen würdevollen Rahmen.

Auch Stockachs Bürgermeisterin Susen Katter bekannte sich deutlich zur Demokratie, indem sie sagte: „Demokratie ist nicht alles, aber ohne Demokratie ist alles nichts.“ Ohne Demokratie seien schließlich intensive Diskussionen im Gemeinderat nicht möglich. Auch sei die Beteiligung im Honoldhaus (schräg gegenüber der Mahnwache) ohne Demokratie kaum möglich. In Bildungseinrichtungen lernten junge Menschen, sich ihre eigene Meinung zu bilden und die Meinung anderer auszuhalten. Demokratie beginne, so Katter, nicht in Stuttgart oder Berlin, sondern hier vor Ort – im Gespräch und im stetigen Ringen um Kompromisse. Mit Blick auf die Landtagswahl am 8. März rief sie dazu auf, die eigene Stimme bewusst und aus Überzeugung zu nutzen und wählen zu gehen.

Auch die Stockacher Kirchen unterstrichen ihre bejahende Meinung zur Demokratie. Der katholische Pfarrer Thomas Huber sprach von Demokratie als einer Haltung, die dem christlichen Glauben nahekomme - dem Zuhören nämlich und dem Dienst am Gemeinwohl. Sein evangelischer Kollege Ulf Weber betonte die unantastbare Würde jedes Menschen. Demokratie sei eine Kultur des Respekts, die Widerspruch aushalte und Mehrheiten akzeptiere. Diese lebe schlussendlich nicht von Aggression, sondern von Klarheit und Standfestigkeit.

Yas Lashgari von der Kulturbrücke erinnerte an ihre Herkunft aus dem Iran. Dort seien Rechte schrittweise eingeschränkt worden – mit dramatischen Folgen. Demokratie sei niemals selbstverständlich. Am Ende ihres Beitrags entzündete sie eine Kerze im Gedenken an jene, die weltweit unter fehlender Freiheit leiden.

Julian Windmöller, Stockachs Stadtarchivar, warb dafür, das Recht zu Wählen als Geschenk zu begreifen. Er verwies auf unterschiedliche Wahlbeteiligungen in der Vergangenheit und rief dazu auf, auch Zweifler am 8. März zum Wählen zu überzeugen: „Feiern Sie die Demokratie“, sagte er.

Die Leiterin des Umweltzentrums Stockach, Sabrina Molkenthin, erläuterte den Zusammenhang zwischen Demokratie und Naturschutz. Wo nämlich Beteiligungsrechte beschnitten würden, litten auch Umweltstandards. Naturschutz sei somit gelebte demokratische Praxis.

Auch das Nellenburg-Gymnasium hatte einen Vertreter entsendet: Den Schulsprecher Elias Löhr. Dieser machte deutlich, dass Demokratie gelernt werden müsse – etwa in der Schülermitverantwortung. Weltweit lebe nur ein kleiner Teil der Bevölkerung in vollständigen Demokratien. „Wir können uns glücklich schätzen“, sagte er und rief dazu auf, dieses „erarbeitete Geschenk“ zu achten und zu bewahren.

Nach knapp einer Stunde endete die Mahnwache mit einem Dank von Alice Engelhardt an alle Anwesenden und Beteiligten. Zurück blieb das Bild vieler kleiner Lichter – und der gemeinsame Appell, Demokratie im Alltag zu leben und, damit einhergehend, sein Recht darauf, frei wählen gehen zu dürfen, bei der Landtagswahl am 8. März sinnvoll zu nutzen.

von Constanze Wyneken

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Redaktion aus Singen

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