200 Jahre ÖPNV
Rückblick, Status quo und Zukunftsperspektiven in Stockach

Auf dem Podium und zur Diskussion parat saßen (von links) Sabrina Molkenthin (Umweltzentrum Stockach), Ralf Derwig (Förderverein Ablachtalbahn), Bernd Rüffer (Verein Klimakompetent Mobil), Ralf Bendl (VHB), Stefanie Matzner (Amt für Nahverkehr des Landkreises Konstanz), Tanja Brehme (Mobilitäts- und Klimaschutzkoordinatorin des Landkreises Konstanz) und Hans Steißlinger (BUND Ortsgruppe Bodman-Ludwigshafen-Stockach).  | Foto: Elsa Frey-Wolf
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  • Auf dem Podium und zur Diskussion parat saßen (von links) Sabrina Molkenthin (Umweltzentrum Stockach), Ralf Derwig (Förderverein Ablachtalbahn), Bernd Rüffer (Verein Klimakompetent Mobil), Ralf Bendl (VHB), Stefanie Matzner (Amt für Nahverkehr des Landkreises Konstanz), Tanja Brehme (Mobilitäts- und Klimaschutzkoordinatorin des Landkreises Konstanz) und Hans Steißlinger (BUND Ortsgruppe Bodman-Ludwigshafen-Stockach).
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Stockach. Im Bürgerhaus Adler Post fand am Dienstag, 27. Mai, der „Abend des ÖPNV“ statt. Mehr als 50 interessierte Besucherinnen und Besucher waren der Einladung des Umweltzentrums Stockach, der BUND-Ortsgruppe Bodman-Ludwigshafen-Stockach und des Vereins „Klimakompetent mobil“ gefolgt.

Ziel der Veranstaltung war es, nicht nur die Ergebnisse des lokalen Diskussionsformats „Runder Tisch Mobilität“ vorzustellen, sondern auch Raum für Austausch, Fragen und neue Impulse zu schaffen. Der Grund der Veranstaltung war die „Geburt des ÖPNV“ vor genau 200 Jahren als Simon Krebser in Berlin die allererste Pferdeomnibuslinie in Betrieb genommen hatte. Seitdem habe sich der ÖPNV im Allgemeinen und in Stockach doch ein wenig fortentwickelt, wie Bernd Rüffer, der Vorsitzende des Vereins „Klimakompetent Mobil“ mit einem Augenzwinkern erklärte. Die beiden weiteren Veranstalter Sabrina Molkenthin (Umweltzentrum Stockach) und Hans Steißlinger (BUND Ortsgruppe Bodman-Ludwigshafen-Stockach) begrüßten die Besucher mit offenen Armen.

Wie ist der ÖPNV aufgestellt?

Zu Beginn der Veranstaltung erläuterte Bernd Rüffer alsdann die Ergebnisse einer von ihm durchgeführten Analyse des ÖPNV-Angebots in Stockach – mit doch unerwarteten Erkenntnissen: Denn trotz seines teils schlechten Rufs schneidet das bestehende Angebot besser ab als vielfach angenommen, werde aber bislang zu wenig genutzt. Als mögliche Verbesserungsmaßnahmen nannte Rüffer unter anderem die Einführung eines Bürgerbusses sowie sogenannter „Mobility-on-Demand“-Dienste (MOB), die dann per App angefordert werden können. Auch die stärkere Bekanntmachung existierender Fahrplan- und Ticket-Apps wie FAIRTIQ, BWegt oder CiCoBW sei nötig.

Ein weiterer wichtiger Punkt sei die Reaktivierung der Ablachtalbahn, über die Ralf Derwing vom Förderverein Ablachtalbahn informierte. Dieser referierte auch über den geplanten Ausbau des Seehäsle-Stundentakts in Richtung Meßkirch und Sigmaringen. Neue Haltepunkte in Hindelwangen, Zizenhausen und Hoppetenzell könnten dabei das Angebot künftig entscheidend verbessern. Die Reaktivierung sei laut Bernd Rüffer für das Jahr 2030 fest vorgesehen, was Einige der anwesenden (rund 50) Besucher beruhigt haben dürfte.

In einer Podiumsdiskussion nämlich, in welcher die anwesenden Fachleute für den ÖPNV (zum Beispiel Ralf Bendl vom Verkehrsverbund Hegau-Bodensee oder Ralf Derwig vom Förderverein Ablachtalbahn) den Besuchern Frage und Antwort standen, drehten sich viele Fragen um lange Wartezeiten, mangelhafte Taktungen und unzureichende Verbindungen – insbesondere zwischen Stockach und Tuttlingen. Ein ganz besonderer Aufreger und eine von Vielen angesprochene Thematik sind die schlechte Anbindung der Stockacher Ortsteile. Zuhörerin Brunhilde Knauber fragte zum Beispiel wie es aussehe mit der Erschließung von Hindelwangen für den ÖPNV, woraufhin Tanja Brehme, Mobilitäts- und Klimaschutzkoordinatorin des Landkreises Konstanz, sagte, dass Verbesserungen im aktuellen Nahverkehrsplan bereits vorgesehen seien, ihre Umsetzung jedoch Zeit brauche. Sie erklärte, dass die Thematik zwar geprüft werde, dass aber die großen Busse Hindelwangen nicht bedienen könnten. Hierauf antwortete Brunhilde Knauber: „Eigentlich haben wir in Hindelwangen Straßen – und die sind sogar asphaltiert.“ Stefanie Matzner vom Amt für Nahverkehr des Landkreises Konstanz ergänzte, dass Personalengpässe aktuell eine zentrale Herausforderung darstellten – etwa bei der Einrichtung einer zentralen Beschwerdestelle, die sich jemand aus dem Kreis der Besucher wünschte. Auch wurde der unübersichtliche Busbahnhof thematisiert.

"Mobilität bedeutet Teilhabe"

Die Stockacher Bürgermeisterin Susen Katter betonte die Relevanz des Themas: „Mobilität bedeutet Lebensqualität und Teilhabe – gerade für Menschen ohne Führerschein, mit geringem Einkommen oder im höheren Alter.“ Sie verwies darauf, dass sich die Stadt intensiv in die Erarbeitung des Nahverkehrsplans eingebracht habe und in engem Austausch mit engagierten Bürgerinnen und Bürgern stehe. Die Stadt prüfe derzeit die Einrichtung einer digitalen Anzeigetafel am Stockacher Busbahnhof und habe dazu bereits Kontakt mit dem VHB aufgenommen.

Die Veranstaltung zeigte: Es gibt zahlreiche Ideen und großes Engagement in der Region – sowohl auf Seiten der Bürger als auch bei den Verantwortlichen aus Verwaltung und Politik, die sich langsam, aber sicher zu vernetzen scheinen und sich gemeinsam an einen (runden) Tisch setzen, um gute Lösungen zu finden. Damit der ÖPNV in Stockach zu einer echten Alternative für alle wird und somit das Klima, die Umwelt und die Ressourcen schont, braucht es jedoch weiterhin konkrete Schritte, Investitionen – und einen langen Atem.

Elsa Frey-Wolf

Auf dem Podium und zur Diskussion parat saßen (von links) Sabrina Molkenthin (Umweltzentrum Stockach), Ralf Derwig (Förderverein Ablachtalbahn), Bernd Rüffer (Verein Klimakompetent Mobil), Ralf Bendl (VHB), Stefanie Matzner (Amt für Nahverkehr des Landkreises Konstanz), Tanja Brehme (Mobilitäts- und Klimaschutzkoordinatorin des Landkreises Konstanz) und Hans Steißlinger (BUND Ortsgruppe Bodman-Ludwigshafen-Stockach).  | Foto: Elsa Frey-Wolf
Auch die in Stockach wohnende Kreisrätin (Bündnis 90 / Grüne) Eva Edelmann-Ohler war im Publikum und debattierte fleißig mit bei der Podiumsdiskussion am "Abend des ÖPNV" im Stockacher Bürgerhaus Adler Post. | Foto: Elsa Frey-Wolf
An Ständen des Fördervereins Ablachtalbahn, des Umweltzentrums Stockach, des Vereins Klimakompetent Mobil, der Bodensee-S-Bahn und der BUND Ortsgruppe Bodman-Ludwigshafen-Stockach im Bürgerhaus Adler Post in Stockach konnten sich die Besucher informieren. | Foto: Elsa Frey-Wolf
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Redaktion aus Singen

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