Aktueller Sachstand in Stockach vorgestellt
Wie geht es weiter mit der Ablachtalbahn?
- Besucheransturm auf die Freizeitbahn "Biberbahn" zum Schweizer Feiertag an der provisorischen Haltestelle in Hoppetenzell. Sie wäre bei einer Verlängerung des Seehäsle Richtung Mengen oder Sigmaringen Geschichte.
- Foto: Förderverein Ablachtalbahn
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Stockach. Die Diskussionen um die Ablachtalbahn reißen weiterhin nicht ab. In der letzten Stockacher Gemeinderatssitzung vom 1. Oktober informierte nun Ralf Derwing, Co-Präsident der Initiative Bodensee-S-Bahn und Beiratsmitglied des Fördervereins Ablachtalbahn, über den aktuellen Sachstand.
Derzeit wird beim Projekt geprüft, ob eine Verlängerung Seehäsle-Strecke im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) über Stockach hinaus bis nach Mengen möglich ist. "Um das umsetzen zu können", erläutert Derwing gegenüber den Stadträten, "ist ein positives Ergebnis der finalen Kosten-Nutzen-Untersuchung zwingend notwendig." Nur wenn dies der Fall sei, sind auch Fördermittel von Bund und Land möglich. Solle die Analyse negativ ausfallen, wird das Projekt nicht weiterverfolgt. Für Derwing sei dabei grundlegend, dass das Land Baden-Württemberg die Verbindung bestelle. Schon zuvor seien laut Ralf Derwing eine Potenzialanalyse im Jahr 2020 sowie eine Machbarkeitsstudie von 2023 positiv ausgefallen.
Die Biberbahn, die seit März 2021 von der Stadt Meßkirch und der Gemeinde Sauldorf als kommunales Eisenbahninfrastrukturunternehmen und aktuell nur in den Sommermonaten als Ausflugsbahn betrieben wird, wäre laut Ralf Derwing mit Weiterverfolgung der Ablachtalbahn Richtung Norden Geschichte. "Die Bevölkerung", so der Co-Präsident der Initiative Bodensee-S-Bahn, "nutzt die Biberbahn bereits oft und regelmäßig." Das Angebot sei ihnen somit schon bekannt. Die Nutzen-Kosten-Untersuchung sei laut Derwing streng nach Vorgaben des Bundesverkehrsministeriums standardisiert. Erste Voruntersuchungen haben dahingehend ergeben, dass der Nutzen die Investitions- und Betriebskosten hierbei um 30 Prozent übersteigt. Ein Ergebnis soll nach Angaben von Ralf Derwing im Frühjahr 2026 vorliegen.
Was nun Stockach betreffe, so gebe es ihm zufolge derzeit ein verfahrenstechnisches Problem, da der Antrag erst aufgebaut wird. "Uns war es beim Förderantrag für Bund und Land wichtig, dass Zizenhausen und Hoppetenzell in das SPNV-Projekt integriert werden", erklärt Derwing. Bei Zizenhausen sei dann ein Seehäsle-Halt am ehemaligen Standort des Alten Bahnhofs vorgesehen. "Zudem ist es in Hoppetenzell möglich, eine Rampe dort anzubauen." Des Weiteren werde es auch einen Haltepunkt am Stockacher Bahnhof geben. Für SPD-Stadträtin Claudia Weber-Bastong ist der Anschluss der beiden Ortsteile von großer Bedeutung für das Projekt. "Es wäre mehr als fatal, wenn der Zug dann nicht einmal anhält, wären Zizenhausen und Hoppetenzell sonst weiterhin abgehängt vom ÖPNV." Sie stehe voll und ganz hinter dem Projekt, betrachtet dies als enorm wichtige Investition in die Zukunft der Stadt Stockach.
Für Ralf Derwing sei es darüber hinaus besser, eine Verlängerung gen Mengen anzustreben, da dies seiner Auskunft nach einfacher umzusetzen sei als nach Sigmaringen. Eine endgültige Entscheidung hierüber soll laut Derwing nach dem Ergebnis der Kosten-Nutzen-Analyse fallen. Was die Busverbindung 7391 nach Mengen betreffe, so würde laut dem Co-Präsident der Initiative Bodensee-S-Bahn deren regionale Funktion durch die Zugverbindung übernommen und eine Naherschließung der Teilorte könne dadurch erhalten werden. "Für Meßkirch und Sauldorf wäre das goldwert, so ist das die einzige Verbindung für uns im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV)", betonte der erste Vorsitzende des Fördervereins Ablachtalbahn und Bürgermeister von Sauldorf, Severin Rommeler.
Große Bedenken gab es seitens der Stadträte auch bezüglich der Auswirkungen der Bahnschranken auf den Straßenverkehr, vor allem entlang der Heinrich-Fahr-Straße und Radolfzeller-Straße. Der Bahnübergang an der Schiesser-Kreuzung (Radolfzeller Straße/Goethestraße) sorge für einige Stadträte zu Stoßzeiten für langen Rückstau. "Ist die Stadt dann lahmgelegt?", fragte sich Stadtrat und CDU-Fraktionssprecher Christoph Stetter mit Blick auf den Bahnübergang hinter dem ZG-Kreisel an der Aachenstraße. "Die Bahn", antwortete Ralf Derwing, "will die Bahnübergänge in den kommenden Jahren modernisieren, auch die innerstädtischen in Stockach." Dies würde ihm zufolge allgemein die Wartezeiten an den Bahnschranken verkürzen.
Doch kann die Stadt sich dies überhaupt leisten? Dies wollte unter anderem auch Christoph Stetter sowie der Fraktionssprecher der Freien Wähler, Wolf-Dieter Karle wissen. "Wenn die Kosten-Nutzen-Analyse nicht das entsprechende Ergebnis liefert, wird es schwierig", betonte Stetter. "Angesichts unserer derzeitigen finanziellen Situation sehe ich uns nicht in der Lage, die Taschen groß aufmachen zu können." Dem konnte Ralf Derwing entgegnen, dass man fest mit einer Förderung von 95 Prozent rechne, wovon 90 Prozent vom Bund, fünf Prozent vom Land und die restlichen fünf Prozent von den Kommunen kommen würden. Insgesamt geht er aktuell von einer Gesamtinvestition von rund 80 bis 90 Millionen Euro aus. Die Kommunen können ihm zufolge auch über Jahre dann abbezahlen. "Wir sind hier alle wahrlich keine Bahnnostalgiker", stellt Derwing klar, "sondern überzeugt, dass es sich auch finanziell lohnen wird."
Autor:Philipp Findling aus Singen |