Zwischen Figuration und Imagination
«Nachts im Garten» eröffnet einen poetischen Kunstdialog
- Das Städtische Museum Engen präsentiert vom 4. Juli bis 13. September die Gemeinschaftsausstellung «Nachts im Garten» mit Werken der Freiburger Malerin Vivian Kahra und dem österreichischen Maler und Zeichner Lorenz Helfer (von rechts nach links). Daneben die Kulturamtsleiterin der Stadt Engen Eva Berger, Bürgermeister Frank Harsch und die Assistentin bei der Umsetzung der Ausstellung Sidonie Schwarzmann.
- Foto: Achim Holzmann
- hochgeladen von Philipp Findling
Engen. Mit der Gemeinschaftsausstellung «Nachts im Garten» präsentiert das Städtische Museum Engen vom 4. Juli bis 13. September eine bemerkenswerte Gegenüberstellung zweier eigenständiger künstlerischer Positionen. Der österreichische Maler und Zeichner Lorenz Helfer sowie die Freiburger Malerin Vivian Kahra treten in einen Dialog, der weniger auf formaler Übereinstimmung als auf produktiver Spannung beruht.
Rund 70 kunstinteressierte Gäste verfolgten am Freitagabend die Vernissage und machten deutlich, dass anspruchsvolle Gegenwartskunst auch jenseits der Metropolen auf großes Interesse stößt. Bürgermeister Frank Harsch zeigte sich erfreut über die außergewöhnliche Resonanz. In ihrer Laudatio zeichnete die Kulturamtsleiterin Eva Berger die Entstehung der Ausstellung nach. Ausgangspunkt war Kahras vielbeachtete Präsentation im Museum im Jahr 2019, in deren Folge die Stadt unter anderem ein Gemälde für ihre Sammlung erwarb. Daraus entwickelte sich die Idee, Kahras Werke erneut zu zeigen und es mit einer ebenso starken künstlerischen Handschrift in Beziehung zu setzen – jener des österreichischen Künstlers Lorenz Helfer. Gerade diese kuratorische Entscheidung verleiht der Ausstellung ihre besondere Qualität.
Beide Kunstschaffenden verfolgen grundverschiedene malerische Strategien. Vivian Kahra entwickelt ihre Bildräume aus fein abgestuften Farbschichten, fragmentierten Formen und einer bewusst offenen Narration. Ihre großformatigen Gemälde zeigen Menschen in Bewegung – beim Skateboarden, Parkour oder Wintersport –, ohne den Augenblick spektakulär aufzuladen. Vielmehr entstehen Bilder von beinahe schwebender Zeitlichkeit, in denen Bewegung paradoxerweise in Stille übergeht. Flüchtige Momente werden zu poetischen Reflexionsräumen über Vergänglichkeit und Wahrnehmung.
Dem gegenüber steht Lorenz Helfers konsequent malereibezogener Ansatz. Seine Arbeiten oszillieren zwischen Präzision und Auflösung, zwischen zeichnerischer Konstruktion und malerischer Geste. Helfer verweigert eindeutige ikonografische Lesarten und lenkt den Blick stattdessen auf die Autonomie des Bildes selbst. Der experimentelle Einsatz von Öl-, Acryl- und Fassadenfarben erweitert den klassischen Bildträger zu einem materiellen Erfahrungsraum. Dass das «Zeichnen» für ihn der Malerei gleichrangig ist, wird in seinen räumlich komplexen Kompositionen eindrucksvoll sichtbar. Der Ausstellungstitel «Nachts im Garten» wirkt dabei keineswegs illustrativ, sondern eröffnet einen atmosphärischen Resonanzraum. Das Motiv des Gartens erscheint als poetischer Ort zwischen Natur, Kultur, Traum und Wirklichkeit – ein Denkraum, in dem sich beide Bildwelten begegnen, ohne ihre Eigenständigkeit aufzugeben.
Nach der offiziellen Eröffnung wurde dieser Dialog performativ erweitert. Die Engener Choreografin Davina Wölfle-Obitz entwickelte gemeinsam mit Leander Emanuel eine Tanzperformance, die Motive der Ausstellung in Bewegung übersetzte. Spannung, Distanz und Annäherung wurden körperlich erfahrbar und eröffneten dem Publikum einen weiteren Zugang zu den Werken. Das Experiment erwies sich als überzeugender Auftakt einer Ausstellung, die nicht auf schnelle Antworten setzt, sondern auf die Kraft der Wahrnehmung – und gerade darin ihre nachhaltige Wirkung entfaltet.
Autor:Achim Holzmann aus Singen |