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Die Sprache der Bilder

Regisseurin Maria Brendle
Maria Brendle: Vom Hegau nach Kirgistan – für ein Herzensprojekt. swb-Bild: privat

Maria Brendle aus Mühlhausen-Ehingen ist Regisseurin und Autorin aus Leidenschaft

Mühlhausen-Ehingen. Sie könnte es auch bequemer haben. Doch Maria Brendle hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. Statt eines geruhsamen Lebens mit geregeltem Alltag zuhause im beschaulichen Mühlhausen-Ehingen behauptet sie sich in der pulsierenden Film-Szene mit all ihren Facetten und Unwägbarkeiten. Die 35-Jährige ist Regisseurin und Autorin und plant derzeit im kalten Kirgistan einen Film über Brautraub.

Schon als Schülerin konnte sich Maria Brendle der Faszination des Films nicht entziehen. Aufgewachsen in der kleinen Hegaugemeinde fand sie schnell heraus, dass das Gestalten bewegter Bilder ihr Ding ist. Ein Praktikum bei einem regionalen TV-Sender bestätigte sie, ihrer Begeisterung dafür zu folgen. Das Studium an der Zürcher Hochschule der Künste schloss sie 2013 mit dem Bachelor of Arts in Film erfolgreich ab. Ihr Abschlussfilm »Blinder Passagier« feierte zahlreiche internationale Festivalerfolge, unter anderem als Best Script Writer am Shanghai International Film Festival und Best Live Action Short am Oscar qualifizierenden Chicago International Children’s Film Festival. Es folgte die Mitarbeit an diversen Kino- und Fernsehspielfilmen und ein Stipendium der 27. Drehbuchwerkstatt München/Zürich. Im April erscheint ihre Kurzgeschichte «Die Reise zum Glück» in einem Kinderbuch im net-Verlag.

Gerade die Abwechslung und die Vielseitigkeit ihrer Arbeit begeistert die junge Autorin immer wieder aufs Neue, denn: »Routine mag ich nicht, da bin ich viel zu neugierig«. Dafür nimmt sie auch Phasen mit Existenzängsten auf sich, wenn es mal kein Geld für ein Projekt gibt. »Man muss das Filmemachen sehr lieben, dass man das aushält«, ist Maria Brendle überzeugt. Neben Casting, Dreharbeiten und der technischen Bearbeitung der Filme hat sie eine bevorzugte Leidenschaft: Das Geschichtenschreiben. Figuren zu erschaffen und sie mit Leben zu füllen fasziniert die junge Frau. Wie ticken die Menschen? Warum verhalten sie sich in bestimmten Mustern? Diese Fragen versucht Brendle durch ein begleitendes Studium der Neurowissenschaften in Köln zu beantworten und die Erkenntnisse in ihre Drehbücher einfließen zu lassen.

So auch bei ihrem jüngsten Projekt, das sich zu einem Abenteuer im fernen, eisigen Kirgistan entpuppt. »Warum tust du dir das an?«, wurde Maria Brendle immer wieder gefragt. Kälte, kein Komfort, eine fremde Kultur, Probleme der fremden Sprache – doch allen Widrigkeiten zum Trotz ist für die junge Filmemacherin klar: »Das Thema ist es wert und ich erlebe ein unglaublich tolles Abenteuer«.
Über zwei Jahre hat sie recherchiert, sich informiert und geschrieben – dann war »ALA KACHUU – Take and Run« auf dem Papier fertig. Es ist eine fiktive Geschichte, die auf wahren Schicksalen vieler kirgisischer Frauen basiert. »Der Film soll auf das Thema Brautraub aufmerksam machen und dazu beitragen, dass das «Nein» einer Frau keine Schande mehr für sie bedeutet«, erklärt Maria Brendle.

Dank der Zürcher Filmstiftung und dem Schweizer Bundesamt für Kultur ist der Film bereits zu 60 Prozent finanziert. Um die restliche Finanzierung zu erreichen, wird Ende Januar eine Crowdfunding Kampagne gestartet, kündigt Brendle an. Dann hofft sie, ihre Herzenssache definitiv drehen zu können. Denn »mit dem Medium Film möchte ich diesen geraubten Frauen ein Sprachrohr geben. Ihre Geschichten sollen gehört werden«.
Informationen über das Filmprojekt: www.alakachuu.com

Wochenblatt Redakteur @: Ute Mucha