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Radolfzell: Endlich auf Weg machen

Mahnmal vor der SS-Kaserne und Aufarbeitung der Geschichte

Radolfzell (li). Mit der Aufarbeitung der NS-Zeit in Radolfzell und dem Fakt der SS-Kaserne tat sich am Dienstag auch der Kulturausschuss des Gemeinderats schwer. Und dennoch wurden wichtige erste Schritte getan. Oberbürgermeister Dr. Jörg Schmidt sagte, man müsse sich endlich auf den Weg machen. Geschafft hat es der Ausschuss bei der Schaffung eines »Kunstwerks mit Dokumentation« im Eingangsbereich der SS-Kaserne, des heutigen RIZ. Vor fast einem Jahr hatte Christof Stadler einen Antrag gestellt. Jetzt wird es einen Arbeitskreis geben, der dies konkretisieren kann.
Der Film von Günter Köhler zur SS-Zeit wird vor dem nächsten Kulturausschuss gemeinsam angeschaut. Er soll, so Stadler, die Diskussion mit der Jugend fördern. Im Namen der neuen Radolfzeller APO (Außerparlamentarische Opposition) hat Valentin Müller begleitet auch von Jugendgemeinderäten über 300 Unterschriften dem OB überreicht, in denen eine Gedenkstätte für die Opfer des SS-Regimes hier in Radolfzell gefordert wird.
Stadler stellt sich ein inhaltliches Kunstwerk vor, das von Stelen für die verschiedenen Opfergruppen der Nazizeit umgeben sein könnte.
Was aus Gerd Zahners Theaterstück »Die Flüsterstadt« wird, ist allerdings offen. Bei drei Gegenstimmen der Freien Wähler und der FDP hat der Ausschuss zwar einen Zuschuss von 5000 Euro für die Realisierung durch das Theaterforum Doppelgänger im Sommer beschlossen, doch daran sind erhebliche Auflagen an den Autor verbunden.
Museumsleiter Achim Fenner hatte die historische Wahrhaftigkeit des Theaterstücks in Frage gestellt und am Schluss bekannt: »Ich bin Radolfzeller.« Und viele Radolfzeller fänden die Flüsterstadt schlimm. Und erst recht schlimm sei es, wenn im Theaterstück stünde: »Hier hatten nur die Würmer unter der Erde Augen.« Fener monierte. hier sei nur ein Todesfall durch die SS in der Kaserne ermittelt worden. Kein Häftling sei hier standrechtlich erschossen worden. Nur ein Deserteur sei auf der Flucht durch ein böses Spiel mit einer gedachten Linie und einer verpflichtenden Mütze auf dem Kopf erschossen worden.
Zahner und Fenner sollen jetzt die Fakten abklären. Und es solle einen Prolog geben. Zahner habe bereits auf seine künstlerische Freiheit gepocht, hieß es dazu. Susanne Göhler-Krekosch und Gisela Kögel-Hensen hatten die Idee dazu gehabt, um die Aufführung des Stücks zu retten.

Wochenblatt Redakteur @: Hans Paul Lichtwald