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Radolfzell sieht sich im Spiegel des Maskentheaters

DoxCity Maskentheater
Eine fulminante Premiere feierte das DoxCity Maskentheater auf dem Marktplatz.swb-Bild: eck

»DoxCity«-Darsteller brillieren auf dem Marktplatz

Radolfzell. Eine Stadt spielt sich selbst. Der erwachende Marktplatz von fünf Uhr in der Früh bis spät nachts, wenn er wieder im Schlaf versinkt, bildet die Kulisse für das Maskentheater »DoxCity«. Wiedererkennbare Szenen, die den Alltag auf dem Radolfzeller Marktplatz prägen, oder Ereignisse aus dem öffentliche Leben symbolisieren, werden von rund 80 Laiendarstellern, allesamt Radolfzeller Bürgerinnen und Bürger, gespielt. Das Ungewöhnliche, das den pantomimischen Charakter der Aufführung hervorhebt: alle Schauspieler tragen Masken.
Diese auf Szenen konzentrierte Art der Darstellung, die erkennbare Aussage über das Radolfzeller Leben und Geschehen, lassen deutlich erkennen, was die Mitwirkenden bewegt und inspirierte. Es sind ihre Impressionen aus Radolfzell: die Darstellung des obdachlosen Parkbankschläfers, der Bettler in der Fußgängerzone, der einfallenden Touristen, der lauten Fußballfans, die innerlich leere Handy-Mania unter den Jugendlichen oder das öffentliche Urinieren. Viel alltägliches, das durch die intensive, stumme Darstellung ins Bewusstsein rückt. Das eine oder andere ist auch eine Kritik: wie die Geburt im Brunnen, als Anspielung auf die fehlenden Gynäkologie-Station im Krankenhaus. Auch der verdiente Bürger und Gönner Werner Messmer wurde in Szene gesetzt. Ein Highlight ist der Auftritt von Udo Lindenberg, als Anspielung auf die Musikstadt. Alles in allem, eine geballte Ladung Alltag: wobei die eine oder andere Szene durchaus nachdenklich stimmt.
Begonnen haben die Vorbereitungen bereits im Herbst 2016. Die Ideen und Vorschläge für die einzelnen Szenen brachten die Laiendarsteller ein. In verschiedenen Gruppen wurden diese ausgearbeitet. Dabei kannte jede Gruppe nur die eigene Szene, nicht den Zusammenhang. Die eigentlichen Proben starteten gegen Ende Juni. Erst bei der Generalprobe, vor dem Premierentag, erhielten die Darsteller ein Regiebuch, eine Art Szenenplan. »Ich bin selber überrascht, wie toll das geklappt hat, bei der kurzen Probe. Gestern, vor der Erstaufführung, haben wir zum ersten Mal alle zusammen geprobt«, sagt die Darstellerin Melanie Gaber.
Organisiert und koordiniert wurde das »DoxCity-Projekt Radolfzell« hauptsächlich von Regisseur Walter Koch und Victoria Graf, neben vielen anderen Helfern. Mit der Premiere ist der Regisseur sehr zufrieden. Auch die Laiendarsteller strahlen und wirken erleichtert. Ganz zu schweigen vom Publikum, das begeistert Beifall zollt.
»Eine Darstellerin kam nicht. Sie dachte die Aufführung entfällt wegen dem Gewitterregen«, sagt Regisseur Koch. Sie hätte als Straßenmusikerin zwei Lieder singen sollen. Doch kurz vor Premierenbeginn beruhigte sich das Wetter.

Wochenblatt @: Matthias Güntert