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Sieg für die doppelte Stadtkante

Ausstellung Bahnhofsquartier im Milchwerk
Manuel Jobi (Stadtplaner), Wolfgang Keller (Landschaft und Gewässer, Landschaftsarchitekt) und Oberbürgermeister Martin Staab mit dem Siegerprojekt des städtebaulichen Ideenwettbewerbs. swb-Bild: ver

Entwürfe zum Bahnhofsquartier sind im Milchwerk zu sehen

Radolfzell. Im Tagungsraum 4 im Milchwerk werden die Ergebnisse des städtebaulichen Ideenwettbewerbs zum Bahnhofsquartier bis Sonntag, 22. März, ausgestellt.

Die Stadt Radolfzell hat für das Gebiet von der ehemaligen Güterhalle und dem ehemaligen Parkdeck bis zur Postpakethalle am Kapuzinerweg einen städtebaulichen Ideenwettbewerb zum Bahnhofsquartier ausgelobt. Die eingereichten Arbeiten wurden von einer Fachjury bewertet, die besten Entwürfe sind nun im Milchwerk im Tagungsraum 4 für die interessierte Öffentlichkeit zu sehen.

»Dabei reden wir von einer Planung, die eine große und breite Dimension einnimmt«, so Oberbürgermeister Martin Staab. Unansehnliche Flächen, die nicht der Qualität des Seeufers entsprechen, sollten dabei mit einer schönen Gestaltung und einer sinnvollen Nutzung hinterlegt werden, mit einer guten, harmonischen Architektur, die auch zur Stadt passe, erläuterte der OB beim Pressegespräch. Die Gestaltung des Bahnhofsquartiers sei ein hochpriorisierter Wunsch auch im Rahmen des »Step2030« gewesen, der in den Gemeinderat getragen wurde. »Was die städtebauliche Qualität betrifft, sind die Flächen schwierig zu planen, insbesondere die Anbindung zur Vorstadt oder das eigentliche Quartier mit dem historischen Teil«, ist sich der Rathauschef bewusst. Ein weiteres Erschwernis neben der Stadtqualität und -bild sei aber das »Herzstück«, der Bahnhof mit dem ÖPNV und dem Fahrradhaus, das attraktiv gestaltet werden soll.

Sieben Architekturbüros wurden zum Wettbewerb zugelassen, vier Entwürfe nahmen am Verfahren teil, drei davon wurden prämiert: es gibt einen ersten und zweiten Preis sowie eine Anerkennung. Allerdings ist es nicht gesetzt, dass der erste Preis automatisch berücksichtigt wird, betonte Staab. Das Konzept des Erstplatzierten Entwurfes, die doppelte Stadtkante, basiert auf die Entwicklung eines öffentlichen Raumes, in dem einzelne Baukörper platziert werden. Die Altstadt soll hier nicht fortgeführt werden, vielmehr werden Freiräume erhalten und erlebbar gemacht. Die geforderten Nutzflächen werden auf sechs Gebäude verteilt.

»Die Planung besticht durch eine angemessene Dichte der Bebauung und einen hohen Anteil überplanter Freiflächen. Dadurch entstehen vielfältige Blickbeziehungen und Sichtachsen. Sowohl Höhenentwicklung als auch Körnigkeit der Baukörper stehen im Einklang mit der Altstadtsilhouette und konnten die Jury überzeugen«, so die Begründung von Wolfgang Keller, Leiter Abteilung Landschaft und Gewässer. »Ein Defizit der Konzeption ist die in Teilen fehlende Durchgrünung des Straßenraums«, bemängelt Staab. Aufgrund der straßenparallelen Anordnung des ZOBs gehe wertvolle Fläche für eine qualitätvolle Straßenraumgestaltung verloren. Der Entwurf konnte die Erweiterung des Stadtgartens am besten gestalten.

Der zweite Preisträger punktete mit einem relativ schmalen Band entlang des Seeufers mit einer durchgängig maßstäbliche Höhenentwicklung. »Die Durchblicke von der Stadt zum See als auch umgekehrt sind gelungen und auch die Bündelung aller Mobilitätsanforderungen in der Mitte wurden positiv bewertet«, beurteilte Stadtplaner Manuel Jobi. Allerdings würde die Unterbauung des Klostergartens die realistischen Bepflanzungsmöglichkeiten einschränken. Alles in allem mache der Entwurf keine strukturellen Fehler, überzeuge durch seine schematische Anmut jedoch nicht vollumfänglich oder zukunftsweisend. Der drittplatzierte Entwurf hingegen führt den Stadtraum bis an die Bahn heran, in einer zweiten Schicht wird die historische Stadt nach Süden erweitert. »Die hochgeschossige Bebauung wirkt in ihrer Durchgängigkeit fast riegelförmig. Ein ausgewogener Dialog von Altstadt, Stadterweiterung und See wird daher leider eingeschränkt«, so Jobi.

Ziel ist es nun, die Entwürfe in den Gemeinderat zu tragen und einen Antrag auszuarbeiten, um anschließend mit den Preisträgern über die Entwürfe zu sprechen und diese zu überarbeiten. Die Ausstellung kann bis Sonntag, 22. März, besichtigt werden.

Wochenblatt Redakteur @: Graziella Verchio