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Zwei Monster im Kalten Krieg

Stalin KN
Dramaturgin Deborah Raulin, Bühnenbildner Andreas Mayer und Regisseur Lorenz Leander Haas beim Medientermin zu »Stalin« swb-Bild: of

Theater Konstanz holt »Stalin« aus den 1980ern in die Gegenwart

Konstanz. Ein weiterer Höhepunkt der »Bella Ciao«-Saison des Theater Konstanz kündigt sich an. Der erst 23-jährige Lorenz Leander Has inszeniert »Stalin« von Gaston Salvatore. Premiere ist am 15. Februar, 20 Uhr.
Ende 1952. Bei Nacht und Nebel lässt Josef Stalin den jüdischen Schauspieler Itsik Sager direkt nach der Vorstellung aus dem Theater abholen und in seine Datsche bringen.

Noch im Kostüm des König Lear und ohne Erklärung, warum. Langsam entspinnt sich im nächtlichen Gespräch der beiden alten Männer eine unwirkliche und verstörende Atmosphäre. Durchzogen von Metaphern und Szenen aus dem großen Shakespeare-Drama König Lear treten die Gräueltaten des Diktators zutage. Aber auch Itsik Sager hat sich, wie so viele, im Netz von Terror, Gewalt, Bespitzelung, Denunziation und Korruption verfangen. Auch er hat sich schuldig gemacht. Bis zuletzt ist nicht klar, wohin die nächtliche Scharade führt.
Wie fühlt es sich an, plötzlich Grauen und Terror Auge in Auge gegenüberzustehen? Das Gewissen jedes Einzelnen steht auf dem Prüfstand. Aber greifen moralischen Kategorien überhaupt noch? Das sind die Fragen sie sich auch Lorenz Leander Haas stellte. Mit den Schauspielern Andreas Haase und Peter Cieslinski agierten zwei Personen, die im Todesjahr Stalins geboren wurden. Intendant Prof. Christoph Nix habe ihm dieses Stück - einer seiner Favoriten für die letzte Spielzeit in Konstanz - zur seiner ersten ganz eigenen Inszenierung angeboten und er habe angebissen, sich in die Abgründe der Seelen des Sowjet-Diktators wie des jüdischen Schauspielers gewagt, die hier im einem schwarzen Bühnenraum mit einen Büro aus Pappe und Stühlen einander fünf Mal begegnen - und und immer liegt der gefährliche Duft der Willkür in der Luft.

Dramaturgin Deborah Raulin hat die Spannung zwischen Vernichtungslust, Machthunger und Denunziation im Kalten Krieg fasziniert. Es solle ein Stück werden, das nicht leicht runter gehen soll, dass die Menschen mit vielen Fragen aus dem Theater gehen lassen soll, wieviel Gegenwart in diesen beiden historischen »Monstern« steckt, und wie heute Diktaturen noch funktionieren können.
»Haben wir aus der Geschichte gelernt und wie werden wir dieser Herausforderung begegnen?«, stellt sie an den Schluss.

Wochenblatt @: Oliver Fiedler


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