Brexit, tödliche Schüsse in Konstanz...
Der Zoll feiert 75-jähriges Bestehen - das hat die Behörde in Singen verändert
- Die Zöllner auf dem Jubiläumsfest in Konstanz ähneln sich, aber die Zuständigkeiten liegen in vielen verschiedenen Bereichen. Das konnten auch die rund 400 Besucher des Fests feststellen.
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Konstanz. Sie werden meist an der Grenze erkannt, dabei ist der Zoll auch bei jedem Einkauf, zu Hause bei der Steuererklärung und jeder Unternehmensführung gefühlt dabei. Und das seit 75 Jahren. Das Hauptzollamt Singen hat zu diesem Anlass auf seine vielfältigen Aufgaben im Konstanzer Stadtgarten aufmerksam gemacht. Immerhin musste die Behörde mit dem Wiederaufbau Deutschlands, den globalisierten Warenverkehr, dem Brexit aber auch mit den tödlichen Schüssen in Klein Venedig 1998 umgehen, wie die Pressesprecherin Sonja Müller erklärte.
Schwarzarbeitkontrollen - erst gestellt, Tage später mit realen Verfahren
158 Milliarden Euro der Bundessteuern laufen über den Zoll. Darunter auch der aktuell umstrittene Tankrabatt, wie Müller erklärt. Der Zoll erhebt und prüft die Hälfte der Bundessteuereinnahmen. Dass das aber nur einer der vielen Teilbereiche ist, die die Behörde seit 75 Jahren leitet, zeigten die vielen Infostände und Mitmachaktionen, die das Hauptzollamt Singen zur Veranschaulichung aufstellte. "Wir sind nicht so präsent in den Augen der Bürger", sagte Müller, "wir wollen unser Gesicht zeigen."
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Die Beamten zeigten beispielsweise eine gestellte Baustellenkontrolle der Abteilung Finanzkontrolle Schwarzarbeit. Dabei müssen Beamte bewaffnet sein, um sich selbst bei Kontrollen zu schützen. Passend dazu veröffentlichte das Hauptzollamt Singen am Dienstag, 29. September, eine gemeinsame Pressemitteilung zu Kontrollen unter anderem 23 Kontrollen im Friseur- und Kosmetikgewerbe. Daraus resultierten sechs Strafverfahren und 16 Verfahren aufgrund der festgestellten Ordnungswidrigkeit. "Das Friseur- und Kosmetikgewerbe wurde dieses Jahr in den Katalog der besonders von Schwarzarbeit und illegaler Beschäftigung betroffenen Brachen aufgenommen", erklärte Sonja Müller in der Pressemitteilung.
Große Veränderungen wegen tragischem Vorfall an der Konstanzer Grenze
Darüber hinaus zeigten die Beamten in Hundeschauen, an einem sogenannten Scanvan mit mobilen Röntgenanlagen für Pakete oder auf den Schiffen des maritimen Zolls den Alltag der Behörde. Der Erste Nautische Offizier, Stefan Bernig, erklärte, dass die Zöllner auf dem Bodensee sogar die Aufgaben der Bundespolizei dort übernehmen. Neben Präsenz und Kontrollen sei aber auch die Seenotrettung ein Aufgabenbereich der sechs Mitarbeiter dort. Bernig ist glücklich mit seiner Stelle, auch wenn der tägliche Seegang bei Unwettern oder Minusgraden zur Herausforderung werden kann. "Es sind nicht alle Tage schön."
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Laut Müller hat sich die Arbeit des Zolls vor allem mit dem Wiederaufbau Deutschlands und der Globalisierung verändert. Der Brexit war wiederum ein unerwartetes Ereignis, ging doch der Trend zu grenzenlosen Übergängen in Europa. "Auf einmal gab es wieder eine Grenze", so Müller, "der Bereich musste wie aus einem Dritte-Welt-Land behandelt werden." Außerdem steckt der Zoll, wie so viele Behörden im digitalen Umstieg. Andersherum gab es traurigerweise Riesenveränderungen vom Lokalen auf das nationale Geschehen, als der Zöllner, Thomas Lachmaier , und der Schweizer Grenzwächter, Stefan Jetzer, am 10. Februar 1998 in Konstanz von einem Schmuggler erschossen wurden, Maier erklärt. Die Konsequenzen daraus seien heute noch spürbar. Laut Maier sind seitdem striktere Schulungen und mehr Schutzausrüstung Teil des Berufs der Zöllner und zwar deutschlandweit. "Seitdem werden keine Kontrollen mehr alleine gemacht", so Maier.
Glücklicherweise seien solche Vorfälle aber absolute Ausnahmen. Der Großteil der Menschen, die mit Maiers Behörde in Kontakt komme verhalte sich sehr professionell, auch wenn vielleicht keine Freude aufkomme. "Nicht jeder der kontrolliert wird, findet das toll", so Maier. Bei dem Jubiläumsfest des Zolls freuten sich die Besucher aber durchaus den Beamten und ihren Angeboten zu begegnen.
Autor:Sebastian Ridder aus Konstanz |