Die Stadt in der Kriegs- und NS-Zeit
Stadt Radolfzell verlängert Sonderausstellung

In der Sonderausstellung ist auch ein großes Plakat zu sehen, auf dem zum Boykott gegen jüdische Geschäftsinhabende aufgerufen wurde. | Foto:  Nicole Rabanser
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  • In der Sonderausstellung ist auch ein großes Plakat zu sehen, auf dem zum Boykott gegen jüdische Geschäftsinhabende aufgerufen wurde.
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Radolfzell. Die Sonderausstellung „Diktatur. Krieg. Und danach. Radolfzell 1933 – 1948“ im Radolfzeller Stadtmuseum wird aufgrund der großen Resonanz verlängert: Sie ist nun bis einschließlich Sonntag, 12.04.2026, zu sehen. Die Ausstellung wirft Schlaglichter auf die Jahre von 1933 bis in die unmittelbare Nachkriegszeit in der Stadt am Untersee.

Vor 80 Jahren ging der 2. Weltkrieg zu Ende. Unzählige Dokumente, Bücher und Filme widmen sich diesem Kapitel deutscher Geschichte. Doch wie sah der Alltag jener Zeit in Radolfzell aus? Was geschah an der sogenannten „Heimatfront“? Antworten auf diese Fragen gibt die Sonderausstellung „Diktatur. Krieg. Und danach. Radolfzell 1933 – 1948“.

Was viele nicht wissen: Radolfzell spielte in der damaligen Zeit eine besondere Rolle durch die Stationierung bewaffneter SS-Einheiten in der eigens dafür erbauten Kaserne. Am 31. Juli 1937 zog das 3. Bataillon der SS-Verfügungstruppe der Standarte „Germania“ mit 788 Männern und 39 Pferden von Singen kommend in die Kaserne ein. Die bis Kriegsende mehrfach wechselnden Einheiten waren für Verbrechen und vielfaches Leid – auch in der Radolfzeller Umgebung – verantwortlich. Angehörige der in Radolfzell stationierten SS-Einheiten beteiligten sich an allen militärischen Einsätzen ihrer Zeit. Darüber hinaus sprengten und brandschatzten am 10. November 1938 Kommandos der Radolfzeller SS-Verfügungstruppe die Synagogen in Konstanz, Gailingen, Randegg und Wangen und misshandelten jüdische Einwohner. Am 22. Oktober 1940 organisierte das in Radolfzell stationierte SS-Totenkopf-Bataillon gemeinsam mit der Polizei und der Gestapo die Deportation der jüdischen Einwohner des Landkreises in das südfranzösische Internierungslager Gurs. Nur wenige überlebten.

Indoktrinierung der Jugend

Einen Schwerpunkt legt die Ausstellung zudem darauf, wie die Jugend vom Regime erfasst und indoktriniert wurde. Nicht nur die Schule erzog die jungen Menschen in den Vorstellungen der Ideologie, sondern darüber hinaus auch die ab 1939 verpflichtende Staatsjugend, die „Hitlerjugend“ (HJ), und danach der ebenfalls verpflichtende Reichsarbeitsdienst (RAD). Zahlreiche Leihgaben aus der Bevölkerung zeichnen ein Bild des Alltags zwischen Schule und „Gruppenzeit“, Sammeldiensten für das Winterhilfswerk (WHW) und vormilitärischer Erziehung im RAD.

Alltag im Krieg

Lebensmittelkarten und Luftschutzübungen, Feldpostbriefe und Todesbenachrichtigungen geben darüber hinaus in der Ausstellung einen Einblick in die Lebensbedingungen im Krieg. Thematisiert wird zudem der Einsatz von Zwangsarbeitern: Insgesamt arbeiteten über 550 gefangene Frauen und Männer in Radolfzeller Betrieben. Sie kamen aus Russland, der Ukraine, aus Polen, Italien, Frankreich, Belgien, Böhmen-Mähren, dem Elsass und den Niederlanden.

Den Abschluss der Ausstellung bildet die unmittelbare Nachkriegszeit. In dieser Zeit wurden die Weichen für die heutigen Städtepartnerschaften Radolfzells mit dem schweizerischen Amriswil und der südfranzösischen Stadt Istres gestellt.
Das Stadtmuseum Radolfzell ist donnerstags bis sonntags von 11.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Weitere Informationen sind unter Tel. 07732 / 81-530 zu den Öffnungszeiten oder unter www.stadtmuseum-radolfzell.de erhältlich.

Fachbereich Kultur/Nicole Rabanser

In der Sonderausstellung ist auch ein großes Plakat zu sehen, auf dem zum Boykott gegen jüdische Geschäftsinhabende aufgerufen wurde. | Foto:  Nicole Rabanser
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Presseinfo aus Singen

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