Über unsere Sonderausgabe
Warum mal nur gute Nachrichten?

Herzhaft Lachen ist ansteckend, macht glücklich und ist gesund. Das erfuhr auch unser Kollege Philipp Findling bei seinem Selbstversuch „Lach-Yoga“. | Foto: Amrit Raj
  • Herzhaft Lachen ist ansteckend, macht glücklich und ist gesund. Das erfuhr auch unser Kollege Philipp Findling bei seinem Selbstversuch „Lach-Yoga“.
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Wir saßen in der Besprechung und haben uns wie so oft die Lage angeschaut und darüber diskutiert. Unsere, die Lage vieler, die versuchen, weiterzumachen, irgendwie zu erhalten, was doch mal gut war. Und die Lage derer, die spüren, so geht es nicht weiter, sich in Teilen verweigern, so nicht mehr mitmachen. Und wir irgendwie dazwischen.

Und dann haben wir beschlossen, mal eine andere Ausgabe in die Haushalte zu bringen. Vielleicht irgendetwas mit Humor. Aber der kann in solchen Zeiten schnell ins Sarkastische abdriften und macht dann eher schlechte Laune als gute. Also: Abgelehnt.

Dann haben wir uns erinnert, wie oft uns schon Menschen gesagt haben: Es gibt zu wenig gute Nachrichten. Und es fühlt sich ja auch so an. Erst vor kurzem: Da lesen sich Überschriften so, als ob es teuflisch viele Insolvenzen gäbe derzeit. In Wirklichkeit hat sich die Zahl der Insolvenzen einfach wieder normalisiert. Und sofort gehen die Entrüstungsstürme durch die ach so sozialen Medien. Und schuld soll natürlich nur die Politik sein. Dabei sind solche Probleme immer vielschichtig.

Und gleichzeitig müssen wir, also gerade wir Medien, eben darüber sprechen, was nicht funktioniert, den Finger in die Wunden legen, wenn es andere nicht tun. Probleme erledigen sich selten durch Weitermachen wie bisher ... Das ist der Grund, warum wir im Grundgesetz gleich in Paragraf 5 erwähnt sind, eben nicht, weil wir eine heile Welt darstellen, sondern weil wir einen Beobachtungsposten haben, Fehler suchen und darstellen müssen, mit Meinungsvielfalt und kritischer Berichterstattung die Demokratie fördern und schützen. Damit haben wir eine andere Funktion wie (oft ohne Zweifel gut gemachte) PR-Blättchen und Amtsblätter.

Da ist dann schon die erste gute Nachricht: Wir leben in einer Demokratie und noch gibt es Medien, die diese Demokratie zusammen mit verantwortungsbewussten Staatsbürgern schützen. Keine Selbstverständlichkeit. Immerhin leben weltweit fast 40 Prozent der Menschen in Diktaturen. Da gibt es dann nur gute Nachrichten, also halt die, die die Regierung gut findet, weil sie dem eigenen Machterhalt dienen und dem Durchregieren und dem Unterdrücken aller anderen Meinungen …

Also kurzum: Wir haben entschieden, dass wir eben nicht dauernd gute Nachrichten veröffentlichen können, aber etwas mehr als bislang. Warum? Weil wir auch wahrnehmen müssen, was uns gelingt, was wir haben, was wir sein dürfen, damit geistige Brandstifter aller Art uns nicht die Laune so verderben, dass wir abrutschen in den dunklen Keller der Missgunst, der Massen-Paranoia und unsere wachsende Wut und Erschöpfung sich in Krieg und Vernichtung von den dann identifizierten scheinbar Schuldigen entlädt.

Und deswegen diese Woche eine ganze Zeitung in über 80.000 Haushalten mit (aber eben nur) MAL NUR GUTE NACHRICHTEN … mit der Anmerkung, dass schon die Frage, was eine gute Nachricht ist, nicht objektiv zu beantworten ist, sondern nur subjektiv und im Einzelfall.

Hier gehts zur Sammlung der "Guten Nachrichten" dieser Ausgabe!

Autor:

Anatol Hennig aus Singen

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