Wafrös alemannische Dialektik vom 8. Februar 2006

Also do ka mir on sage waner will; mit unsere deitsche Schproch goht's bergab und mit unsere Mundart sowieso. Nu mol ä Beischpiel: S isch noit lang her, do hond se unsern MP, also unsern Minischterpräsident Oettinger, intervjut, wo's um en Film gange isch, mit dem Titel »Wer rettet die deutsche Sprache?« Und do hot de Minischterpräsident gset: »Deutsch bleibt die Sprache der Familie, der Freizeit, die Sprache, in der man Privates liest, aber Englisch wird die Arbeitssprache. Das wird die entscheidende kommunikative Aufgabe der nächsten Jahre sein.«
Sodele, do homer's etz. Tagsiber im Berufsläbe schwätzt mer Englisch und dohom, wemer vor de Glotze hocked und nix schwätzed, do schwätzemer denn Deitsch oder vielleicht no bitzele Dialekt. Wenn denn in Zukunft en Schwob en Kolleg trifft, no sagt der vielleicht »Jo wa, ha du lieb's Herrgöttle vu Biberach, etz ka i nume!« No dät de Kolleg vielleicht sage, »jo la mi go, etz leck me am Arsch, isch des ä Freid, dass i di sieh!« Des dät denn ugfähr so klinge: »Yes what! Well, you lovely little god from Biberach, now I can not more!« No dät de ander sage: »Yes, now let me yet go, yes no kiss me yet my backside, what a Joy, that I can see you!« Ha des ka denn fei heiter were, wenn's demnäkscht so zuegoht i unserm schäne Baden-Württemberg. Und der gschissne Schornalismus gießt do no fescht Öl is Füür, weil selle Schreiberling vu obe ra die Wörter vu unde rauf no nie verschtande hond. S bescht Beischpiel isch die Gschicht vu unserm Andreas Renner, der wo etz grad de bekannteschte Arbeitslose im Ländle isch. Der hot gsagt, und er hot de amerikanische Präsident gmont, »ha so on ghört doch abgschosse!« Des isch bi uns nix Böses. Wenn er gseit het »verschosse«, sell wär ebbes anders gsi. »Abgschosse« heißt bi uns furtgjagt, und zwar us sim Tschob, aber it umbrocht. Aber weil se uns it verschtond, no nie verschtande hond und au nie verschtoh wered, hot mer den alemannische Schlenker ufbauscht, als ob unsern ehemalige OB und kurzzeitige Sozialminischter de Bush het welle verschieße. Des isch genauso bled, wie seller Bolizischt z Konschtanz, wo i sinere Jugendlichkeit iberkorrekt gsi isch, da mer nu no de Kopfschittle ka. Do isch ä Schwiizere, nume gar so jung, mit ihrem Fahrrädle durch d Fueßgängerzone gfahre. Die Frau hot sich nint debi denkt, weil se gmont hot, ä Fahrrad sei ko Verkehrsmittel, ä Verkehrsmittel hett jo en Motor. Etz hot aber der Schutzge die Frau gschtoppt und hotere klargmacht, dass Radfahre i de Fueßgängerzone verbote sei. Des hett eigentlich glanget, aber nei, er hot dere Frau no ä Bueßgeld ufbrummt und des hot se it verschtande, weil se gmont hot, s wär doch demit erledigt, dass se abschteigt und etz ihre Fahrrad schiebt. Etz giit's im Alemannische en Usdruck fir ä Erschtaune, wo mer sich scho weng ärgeret. Wo des schtramme Ordnungsbürschle dere Schwiizere gset hot, wa des koscht, no hot die weng fassungslos gmont, »Ja goht's no?« Mir saged halt menkmol so, wemmer ebbes it glei verschtond, aber etz hot der dere Frau no mitere Anzeig droht, »wäge Beamtebeleidigung«, weil er nämlich gmont hot, sie dät a sinere Männlichkeit, a sinere Potenz zweifle. Des kunnt devu, wenn se unsere Schprochnume, oder iberhaupt it verschtond. De Bürgermeischter vu de Mäulesmühle dät do etz sage, »so en Seckel« und des wär bi uns unde au no lang ko Beleidigung. Aber nobel wie mir sind, wemer wänd, saged mir so ebbes nicht, sondern mir saged i some Fall: »Jo goht's no?«

Von Walter Fröhlich

Autor:

Redaktion aus Singen

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