Ehrenamt in der Zukunft
Vereine leben von Menschen
- Die Vorsitzenden des HGV Rielasingen-Worblingen, Anna Herrmann und Michael Pätzholz, wollen Menschen ermuntern, sich einzubringen und dafür auch neue Ideen ausprobieren.
- Foto: HGV Rielasingen-Worblingen
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Rielasingen-Worblingen. Vereine leben von Menschen, die sich einbringen. Dabei kann Engagement heute ganz unterschiedlich aussehen. Auch der Handels- und Gewerbeverein Rielasingen-Worblingen (HGV) beschäftigt sich deshalb mit der Frage, wie Vereine Menschen heute für gemeinsames Engagement begeistern und neue Formen der Beteiligung ermöglichen können.
„Unser Alltag ist schneller geworden“, sagt Anna Herrmann, Vorstandsvorsitzende des HGV. „Beruf, Familie, Freizeit und unzählige Möglichkeiten konkurrieren um unsere Aufmerksamkeit.“ Menschen würden heute bewusster entscheiden, wofür sie ihre Zeit einsetzen. „Das ist keine Kritik. Es ist eine gesellschaftliche Entwicklung.“
Gleichzeitig steckt hinter vielem, was eine Gemeinde lebendig macht, ehrenamtliches Engagement: Veranstaltungen finden statt, Feste werden organisiert, Netzwerke entstehen und gemeinsame Projekte werden auf den Weg gebracht. Möglich wird all das durch Menschen, die Ideen haben, Verantwortung übernehmen oder einfach bereit sind, an der richtigen Stelle mit anzupacken.
Dabei müsse Engagement heute nicht zwangsläufig bedeuten, ein Amt zu übernehmen oder sich über Jahre hinweg zu verpflichten. „Oft reichen schon kleine Beiträge: eine Idee, ein Gespräch, eine helfende Hand oder einfach die Teilnahme an einer Veranstaltung“, sagt Herrmann. „Jeder Verein kann nur so lebendig sein wie die Menschen, die ihn mitgestalten.“
Dass sich nicht nur die Menschen, sondern auch die Vereine selbst weiterentwickeln dürfen, zeigt der HGV derzeit an einem konkreten Beispiel. Die bisherige Gewerbeschau wird neu gedacht. Statt einer klassischen Veranstaltung über ein gesamtes Wochenende plant der Verein für Freitag, 25. September, eine „Nacht der Gewerbe“.
„Wir haben uns viele Gedanken gemacht“, sagt Michael Pätzholz, zweiter Vorsitzender des HGV. Mit dem neuen Format wolle man auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren und gleichzeitig etwas schaffen, das für Unternehmen, Vereine und Besucher attraktiv ist. An einem Freitagabend sollen sich Betriebe präsentieren, Begegnungen entstehen um mit der Gemeinde gemeinsam einen besonderen Abend erleben zu können.
„Wir wollen Mitglieder, Unternehmen und Vereine dafür begeistern, diesen neuen Weg gemeinsam mit uns zu gehen“, sagt Pätzholz. Für den HGV ist die Nacht der Gewerbe damit auch ein Beispiel dafür, wie Vereinsarbeit heute funktionieren kann: Bewährtes erhalten, aber gleichzeitig offen für neue Ideen und neue Wege bleiben.
Vielleicht ist deshalb gar nicht entscheidend, ob sich Menschen heute weniger engagieren als früher. Spannender ist die Frage, wie Vereine Rahmenbedingungen schaffen können, in denen Menschen sich gerne und auf ihre Weise einbringen. Dafür braucht es nicht immer den großen Schritt. „Eine Kleinigkeit von jedem kann schon viel bewirken“, sagt Herrmann. Denn Gemeinschaft entsteht dort, wo Menschen zusammenkommen, Ideen teilen und gemeinsam etwas bewegen. „Manchmal beginnt der erste Schritt schon damit, einfach dabei zu sein.“
Autor:Tobias Lange aus Singen |