Wafrös alemannische Dialektik vom 7. Juli 2010

All wieder mol wer i gfrogt, ob i ko Homweh noch Konschtanz hett. Denn sag i grad wie's isch, i sag nei, eigentlich it. Guet, de See fählt mer scho wenig, aber i ka jo i de Steisslinger See, oder ge Stein am Rhein, oder i d Höri, wenn's mi nochem Wasser gluschtet, aber Singe mecht i nume tausche mitere andere Schtadt. Wemmer so dief inere Schtadt dinne hockt wie i, no wär des jo wie ä Neschtflucht, wenn i woanderscht aneschiile dät. Zudem kumm i jo zu zwä vu mine Kinder all wieder mol uf die Konzilsschtadt, wo se etz grad wochelang driber gschtritte hond, ob se die Papschtfigur vum Lenk im Bahnhof lond, oder ob se den unheilige Vadder wieder verschwinde lo solled. S wird z Konschtanz au gschtritte wie z Singe und die gröscht Gosche, me kännt au Schnorre sage, hond selle, wo garit vu do unde kummed. Nadierlich fuxet se mi, wenn i zume Narrehock gang. "Guck au, do kunnt de Singemer, gell du hosch Homweh nochem Minschter" saged se. Denn protz i mit unsere Schtadthall und frog ganz alefän zig, ob de Chinesische Nazionalzirkus, oder de Max Greger oder ä berühmts Ballett au im Minschter ufträte derfed? Denn bring i s Thema ufs Kongresszentrum, no grieged se sofort Händel mitenand und underenand und i lach mer hälinge is Fäuschtle. Damit i aber it so ganz vu mim Jugenddomizil abgschotted bi, bringt mer mei Töchterle jedesmol wenn se kunnt, d Konschtanzer Zeitunge mit. Die blättere i denn durch. no woss i wieder weng wa goht und lauft , vu Wollmatinge bis is Baredies. Wa me nadierlich saumässig intressiert, des sind die Todesanzeige, ob wieder Bekannte, alte Freund oder Schuelkamerade drunder sind und meischtens isch äbber debei wo i kenn. So hon i neilich wieder mol en Schtoss alte Konschtanzer Zeitunge durchgschtöberet und uf omol hon i gschtutzt und nomol gläse und nomol, denn hon i lache mösse, obwohl die Anzeig, wo i gfunde hon it grad zum lache gsi isch. Do hot ä Frau "in Liebe und Dankbarkeit" Abschied gnumme vum Günter B. und äbe genau der Günter B war i de Volksschuel bis zu de vierte Klass min Nochber im Bank. Mer isch domols i Bänk ghocket mit je weils zwä Schüeler und de Günter war en wohl erzogene, fascht noble Bue. Warum der hot derfe oder mösse näbe mi sitze, isch mer hüt no ä Rätsel. De Klasselehrer war en schtramme Parteigenosse. S isch mol en Schüeler i dere leerschtehende Notkirch rumkletteret, wa en richtige Buebeschpass war und do debi ischer abekeit und war dot. Des war domols ä fürchtige Gschicht. De Lehrer hot mit Zornesröte uns erklärt, es soll sich niemand unterstehen zu sagen, das sei die Strafe Gottes! Dem Bub ist einfach schwindlig geworden! Fehler hot mer domols mit Hoseschpanner korrigiert. Mer isch uf die vorderscht Bank gläge, er hot om im Gnick packt und je noch Fehlerzahl mit em Meerröhrle uf de Arsch ghaue. Des hot heftig pfitzt und mer war it grad scharf druf uf die Art Kontakt mit em Lehrer z'kriege. I wosses no wie heit, i hon gwisst, i bin fällig und hon mir mei Sacktuech hinde i d Hose gschobe, wa naderlich ko Sinn gmacht hot, weil des Tüechle vill z'dünn gsi isch. Ich lieg ufem Bank, er hebt mi am Gnick und zieht mir drei riber. I hon mei Ärschle g'riebe, do lacht doch der Günter us vollem Hals. Wieso er lache dät, hot de Lehrer gfrogt, do gurglet des Günterle all no lachend raus: "S Taschetuch, der hot jo s Taschetuch hinde drin!" Der Lehrer hot mich nicht unsittlich berührrt, i hon des Tüechle selber hinde use zieh möss. Gross war die Gaude i de Klass und scho wieder war die schtrofende Hand a meim Gnick und nomol drei Schtreich, s hot mer glanget. I de Paus hon i zum Günter gset, wo alleweil no glacht hot, ha du bisch vielleicht en Feigling, en Verräter und im übrige ä riesigs Arschloch! Etz liit sei Todesanzeig vor mir und i dät'em gern no sage, dass i des it so gmont hon, aber i glaub, er däts garnimme höre!

Von Walter Fröhlich

Autor:

Redaktion aus Singen

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