Aufarbeitung der Pandemie
Verpasste Chance
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Mit großem Interesse habe ich Ihr Interview zur Arbeit der Enquete Kommission verfolgt. Ihr Beitrag vermittelt den Eindruck einer umfassenden und ernsthaften Aufarbeitung der Corona-Pandemie. Wer die Sitzungen der Kommission jedoch aufmerksam verfolgt hat oder sich intensiver mit den tatsächlichen Problemen dieser Jahre beschäftigt, erkennt schnell: Viele zentrale Aspekte bleiben unerwähnt oder werden nur oberflächlich gestreift. Eine echte Aufarbeitung sieht aus meiner Sicht anders aus.
Sie benennen einige Punkte wie die überlangen Schulschließungen, die föderale Uneinheitlichkeit oder Kommunikationsprobleme. Das sind zweifellos relevante Themen, aber es handelt sich um die politisch „harmlosen“ Fehler, über die heute weitgehend Konsens besteht. Die strukturellen Versäumnisse, die Deutschland in die größte volkswirtschaftliche und gesellschaftliche Krise seit dem Zweiten Weltkrieg geführt haben, werden hingegen nicht angesprochen.
Die Pandemiepolitik basierte über Jahre auf ungeeigneten Kennzahlen. Fallzahlen ohne Bezug zur Testmenge, fehlende Positivraten, die unklare Unterscheidung zwischen „mit“ und „an“ Corona Verstorbenen sowie Entscheidungen, die auf Testergebnissen statt auf klinischen Verläufen beruhten. Schnelltests waren fehleranfällig, PCR Tests wurden häufig mit CT Werten interpretiert, die keine Infektiosität mehr abbildeten. Diese fundamentalen Probleme bleiben in Ihrem Interview unberücksichtigt.
Auch die Impfkampagne wird aus meiner Sicht zu glatt dargestellt. Die Wirkung war zeitlich begrenzt, variantenabhängig und mit deutlich geringerem praktischem Nutzen bei Kindern und Jugendlichen, deren Risiko für schwere Verläufe ohnehin extrem niedrig war. Der Schutz vor Infektion war äußerst kurzlebig, Nebenwirkungen wurden verharmlost. Die politische Kommunikation („nebenwirkungsfrei“, „schützt andere“, „verhindert schwere Verläufe“) war nachweislich überzogen. Eine Unterbrechung der Infektionskette war mit den Impfstoffen nicht möglich und wurde in den Zulassungsstudien auch nie untersucht. Eine Aufarbeitung, die diese Punkte ausblendet, bleibt zwangsläufig unvollständig.
Hinzu kommt, dass das Thema Nebenwirkungen bis heute nicht ausreichend aufgearbeitet ist. Viele Betroffene berichten weiterhin über schwerwiegende gesundheitliche Probleme nach der Impfung oder nach der Erkrankung selbst. Die wissenschaftliche Diskussion über mögliche immunologische Mechanismen – etwa entzündliche Prozesse oder Spike Protein assoziierte Effekte – ist noch nicht abgeschlossen und erfordert deutlich umfassendere Forschung, als sie bislang stattgefunden hat. Zahlreiche Menschen fühlen sich mit ihren Beschwerden nicht ernst genommen oder medizinisch unzureichend betreut.
Sie greifen in Ihrem Interview die Bilder von Bergamo auf. Diese wurden in der öffentlichen Kommunikation häufig als Furchtappell eingesetzt. Die Militärkonvois von Bergamo entstanden jedoch nicht, weil die Krematorien „überfüllt“ waren, sondern weil sie aufgrund strenger Vorschriften zeitweise geschlossen waren und Bestattungen lokal nicht durchgeführt werden durften. Die Särge mussten deshalb in andere Städte transportiert werden – die dramatischen Bilder zeigten vor allem ein organisatorisches Problem, nicht den Zusammenbruch des Bestattungssystems.
Irritierend ist auch die einseitige Kritik an der AfD. Unabhängig von parteipolitischen Bewertungen war sie die einzige Fraktion, die die Corona Politik systematisch infrage stellte. Gleichzeitig wurden zahlreiche kritische Experten außerhalb der AfD – Dr. Friedrich Pürner, Prof. Dr. Ulrike Guérot, Andreas Schöfbeck, Prof. Dr. med. Sucharit Bhakdi, Dr. Wolfgang Wodarg – öffentlich diskreditiert oder verloren ihre Positionen.
In diesem Zusammenhang ist auch die faktische Einschränkung der Meinungsfreiheit zu nennen. Demonstrationen wurden untersagt und später häufig als rechtswidrig eingestuft. Der Fall von Michael Ballweg, der über sechs Monate in Untersuchungshaft saß, zeigt, wie staatliche Maßnahmen in dieser Zeit abschreckend auf Regierungskritiker wirkten.
Ebenso bleibt die Rolle des Deutschen Ethikrats unerwähnt. Die damalige Vorsitzende, Prof. Dr. Alena Buyx, unterstützte öffentlich weitreichende Maßnahmen wie Lockdowns, Schulschließungen, 2G-Regeln, sektorbezogene Impfpflichten und später sogar eine allgemeine Impfpflicht. Auffällig war zudem ihre starke mediale Präsenz: Buyx trat in sozialen Medien, Podcasts und Talkshows äußerst häufig auf und inszenierte sich teilweise wie eine öffentliche Persönlichkeit. Viele empfanden dies als Selbstprofilierung und als Nutzung der Pandemie zur persönlichen Karriereförderung. Kritische Stimmen wurden moralisch abgewertet, während die Empfehlungen des Ethikrats von Politik und Medien als ethische Legitimation für Grundrechtseingriffe genutzt wurden.
Dass sich diese Muster bis heute fortsetzen, zeigt bereits das Interview, auf dem dieser Leserbrief beruht. Auch hier ist wenig kritischer Journalismus zu erkennen: zentrale Fragen werden nicht gestellt, Widersprüche nicht thematisiert, und die Darstellung bleibt auffallend einseitig.
Auch die Rolle der WHO wird nicht diskutiert. Ihr Generaldirektor, Tedros Adhanom Ghebreyesus, trat während der Pandemie mit dramatischen Warnungen und weitreichenden globalen Forderungen auf. Die WHO drängte auf weltweite Lockdowns, Grenzschließungen, Maskenpflicht und Impfkampagnen und beanspruchte eine internationale Steuerungsrolle, die viele Staaten als politisch motiviert oder übergriffig empfanden. Die geplanten WHO Pandemieverträge hätten der Organisation zusätzliche Befugnisse eingeräumt, was bis heute umstritten ist.
Völlig ausgeblendet bleiben zudem die massiven gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen der Lockdowns. Millionen Menschen verloren ihre wirtschaftliche Existenzgrundlage, unzählige Unternehmen gingen in die Insolvenz, ganze Branchen – Gastronomie, Kultur, Einzelhandel – wurden über Monate stillgelegt. Die G-Regeln führten zu einer faktischen Ausgrenzung großer Teile der Bevölkerung aus dem öffentlichen Leben. Die Maskenpflicht, deren Wirksamkeit (insbesondere im Freien) wissenschaftlich höchst umstritten war, wurde dennoch flächendeckend durchgesetzt. Die psychischen Belastungen – insbesondere bei Kindern und Jugendlichen – wurden kaum berücksichtigt. All diese Maßnahmen spalteten die Gesellschaft, hatten tiefgreifende Auswirkungen, die in Ihrem Interview nicht thematisiert werden.
Erinnern Sie sich noch an die Aussagen von Prof. Dr. Karl Lauterbach. Die Impfung sei „praktisch nebenwirkungsfrei“. Oder an die Schwärzung der RKI Protokolle, die mit dem Schutz „persönlicher Daten“ und „interner Bewertungen“ begründet wurde. Dr. Anthony Fauci erklärte sogar öffentlich: „Geimpfte Menschen sind eine Sackgasse für das Virus.“ Diese Aussagen dienten letztlich als Grundlage für die Forderung nach einer allgemeinen Impfpflicht.
Bereits im Februar 2020 veröffentlichte The Lancet einen Brief, in dem 27 Wissenschaftler jede Diskussion über einen nicht natürlichen Ursprung von SARS CoV 2 als Verschwörungstheorie bezeichneten. Unterzeichnet von unter anderem Peter Daszak, Prof. Dr. Christian Drosten, Prof. Dr. Marion Koopmans und Prof. Dr. Ralph Baric. Ein zentrales genetisches Merkmal von SARS CoV 2 ist die Furin-Spaltstelle. Sie kommt in verwandten natürlichen Coronaviren nicht vor, wird aber in der Gain of Function Forschung häufig künstlich eingefügt, um die Infektiosität zu erhöhen. Genau solche Eingriffe werden in der internationalen Fachliteratur auch im Zusammenhang mit der Entwicklung von biologischen Kampfstoffen beschrieben, weil sie die Übertragbarkeit und Pathogenität eines Erregers gezielt steigern können. Dieses Merkmal sowie die bekannten Forschungsprogramme des Wuhan Labors machen die Laborhypothese wissenschaftlich plausibel – aber keineswegs widerlegt.
Während der Pandemie wurden zahlreiche Grundrechte eingeschränkt. Versammlungsfreiheit, Freizügigkeit oder Berufsfreiheit. Die üblichen demokratischen Kontrollmechanismen („Checks and Balances“) waren in dieser Zeit nur eingeschränkt wirksam. Eine ernsthafte Aufarbeitung müsste auch diese verfassungsrechtliche Dimension in den Mittelpunkt stellen, statt sie als bloßen Kollateralschaden der Pandemiebekämpfung zu behandeln.
Mir ist bewusst, dass auch dieses Schreiben die Ereignisse der Pandemie nur unvollständig abbilden kann. Zahlreiche persönliche Schicksale, wissenschaftliche Kontroversen und politische Entscheidungen bleiben ungenannt – nicht, weil sie unwichtig wären, sondern weil ihre Vielzahl und Tragweite den Rahmen eines einzelnen Schreibens übersteigen.
Mein Fazit fällt daher ernüchternd aus. Die Enquete Kommission war strukturell ungeeignet, die schwerste gesellschaftliche und wirtschaftliche Krise seit 1945 so aufzuarbeiten, dass Fehler künftig nicht wiederholt werden. Was Deutschland bräuchte, wäre ein unabhängiger Untersuchungsausschuss mit echten Befugnissen – wie in den USA. Die bisherige Aufarbeitung bleibt politisch kontrolliert und damit unvollständig. So entsteht kein resilienteres System für die Zukunft. Es ist sehr bedauerlich, dass unsere Volksvertreter diese Chance nicht genutzt haben, um Vertrauen in die staatlichen Institutionen wiederherzustellen.
Wilfried Beyerle, Radolfzell
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Autor:Redaktion aus Singen |