Baumfällarbeiten im Großtannenwald nötig
Archäologisches Denkmal

Hügelgräber Großtannenwald
  • Hügelgräber Großtannenwald
  • Foto: Revierleiter Andreas Ehrminger, Forstamtsleiter Bernhard Hake, Einsatzleiter Wolfgang Zähringer sowie Kreisarchäologe Dr.Jürgen Hald, zur Lagebesprechung im Forstarbeiterbüdchen im Großtannenwald. swb-Bild: ly
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Singen. Geschichtsträchtig sind sie im wahrsten Sinne des Wortes, sagenumwoben und mystisch vielleicht auch. Die vorgeschichtlichen und gut erhaltenen Hügelgräber im Singener Großtannenwald. 83 sind es an der Zahl, seit 850 bis 450 v. Chr. bestehen sie und sind die größten und bekanntesten im Hegau. In der Regel haben sie sich nur in Waldgebieten über so lange Zeit erhalten können, sind oftmals unscheinbar und Überreste jahrtausendealter Nekropolen (Nekropole = Totenstadt oder größere Begräbnis-und Weihestätte des Altertums).

Das Kreisforstamt des Landratsamtes Konstanz führt momentan im Bereich der keltischen Gräber Baumfällarbeiten durch, die neben der Holzernte als Maßnahme dient, die Hügelgräber langfristig zu sichern. Kreisarchäologe Dr. Jürgen Hald zeigte sich bei einem Pressegespräch vor Ort am Montag äußerst zufrieden mit der Zusammenarbeit mit dem Forstamt. Denn »es wird darauf genau geachtet, in der rund 300 mal 150 Meter großen trapezförmigen Fläche bodenschonend zu arbeiten, das hat fast schon Modellcharakter. Der Wald ist ein Reservat für archäologische Denkmale und es ist äußerst wichtig, mit ihnen schonend umzugehen«, schwärmt Hald beim Blick über die vielleicht magischen Hügelgräber.

»Die Kelten begruben hier ihre Angehörigen, wir können von einer Zahl von etwa 200 Bestatteten ausgehen, nicht selten mit Grabbeigaben versehen, bei denen leider das Bildungsbürgertum um 1880 so manches geplündert hat.« Einige der kleineren Hügelgräber wurden mit modernster Technik »erspäht«, dank Satellit oder GPS. Auch für Bernhard Hake, Amtsleiter beim Kreisforstamt steht der schonende Umgang mit den bedeutenden Kulturdenkmalen an vorderster Stelle hier im landeseigenen Staatswald, der umringt vom Singener Stadtwald ist. »Durch einen etwas spektakulären speziellen Seilkran, der rund 800 Meter Weg überbrückt, ansonsten gerne auch in Gebirgen zum Einsatz kommt, können wir die Holzstämme bodenschonend transportieren und Beschädigungen bei diesen wichtigen Geschichtszeugnissen vermeiden«, ist sich Hake sicher. Denn es müssen rund 800 Kubikmeter Holz »geerntet« werden, auch wegen des Borkenkäferbefalls.

Revierleiter Andreas Ehrminger ist optimistisch, dass die Baumfällarbeiten diese Woche abgeschlossen sind, besonders weil die Vegetation jetzt noch ruht. Und so wird bald, wenn in Kürze die Forstmaschinen den Rückzug antreten, wieder die »Totenruhe« für die bestatteten Kelten eintreten, dem damaligen großen und einflussreichen Volk der Antike.

- Stefan Mohr

Autor:

Redaktion aus Singen

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