Ein Jahr nach der Aufführung in Hilzingen
Den Bauernaufstand im Hegau wieder auf die Bühne geholt
- Rund ein Jahr nach der erfolgreichen Inszenierung in der Hilzinger Remise wurde das Stück "Passion der Freiheit" in der Singener Gems wiederaufgeführt.
- Foto: Bernhard Grunewald
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Singen. Am Samstag- und Sonntagabend des 6. und 7. Dezember kam auf der Bühne der GEMS erneut das Theaterstück „Passion der Freiheit“ der kongenialen und regionalgeschichtlich kundigen Autoren Gerd Zahner und Johannes Stürner zur Aufführung, welches an den Bauernaufstand erinnert, der vor 500 Jahren anläßlich der Kirchweih in Hilzingen am 2.Oktober 1524 buchstäblich eingeläutet wurde.
Trotz strengem Verbot der Obrigkeit - die wiederum Steuern erhöhen wollte, um Krieg gegen Italien zu finanzieren - wurden die Sturmglocken geläutet, worauf sich 800 unzufriedene und bewaffnete Bauern sowie weitere rechtlose Untertanen zu einer “Eidgenossenschaft“ nach Schweizer Vorbild zusammenfanden, sich gegenseitigen Beistand schwörten, Gerechtigkeit einforderten und mit demokratisch gewählten Delegierten vier Tage später in Riedheim mit der Obrigkeit verhandelten - und reingelegt wurden. Im Folgejahr zogen die Bauernhaufen tatsächlich für ihre zentralen Forderungen in den Krieg, dem nach 9 Monaten die Niederschlagung der Bauern und grausamste Strafe folgte.
Dieses Ringen um die Erhebung der Bauern, dieser „Aufstand um Freiheit und Würde“, so Gerd Zahner, wurde nun auf der GEMS-Bühnenempore in zwölf Bildern erzählerisch und handelnd in Szene gesetzt, wobei das Publikum direkt an drei Seiten einer großen, mit Rindenmulch bedeckten rechteckigen Spielfläche saß und das Geschehen hautnah verfolgen konnte. Die Inszenierung von „Passion der Freiheit“ beinhaltet nach Regisseur Mark Zumühle „buchstäblich bereits beide Schwerpunkte, die sehr aktuell erscheinen: die Freiheit, die jedes Individuum für sich reklamieren sollte, und die Leidenschaft, die es braucht, um dieses allgemein gültige Menschenrecht zu verteidigen“.
Alle Rollen des Stückes, vor allem jene der „männlichen Übermacht in Politik, Institutionen und allen Entscheidungsträgern“, sind mit Frauen besetzt. Auch die junge Hauptfigur, Marie, verkleidet sich als Mann, um an der Seite der Bauern mit der Klugheit, Weitsicht, mutigen Entschlossenheit und Tatkraft einer Frau kämpfen zu können. Ihre Liebe gilt der Glocke als Verkünderin „der Freiheit und der Möglichkeit der Freiheit“, als „Stimme der Engel“. In Hilzingen hört sie das Begehren nach Gerechtigkeit - „Ein Bauer muss frei leben dürfen, braucht Freiheit und Brot, in himmlischer Hoffnung“ - und beschließt „Ich läute den Sturm“. „Es wird ein Aufstand kommen und wir müssen eine neue Gemeinde werden - unsere zehn Artikel sind die Worte Gottes“, heißt es in Hilzingen, „Jesus sprach von Liebe und Erlösung- und wir lieben Gleichheit und Freiheit“.
Der Adel mit seinen Günstlingen sieht dort jedoch ß„nur einen freiheitsbesoffenen Haufen“, ruft nach Galgen und Verbrennen, bringt Tod, Ertränken, köpft 150 Bauern in Überlingen, läßt Kirchtürme abreißen und Glocken zu Kanonen gießen, so auch in Bregenz, der letzten Station auf Marie’s Leidensweg Marie, wo ein Galgen wartet. Doch ein Epilog erinnert daran: „Es ist der Mensch, der Glocken gießt“ - für den Wunsch nach „Frieden, Gerechtigkeit, Freiheit“. Mit starkem, mehrfachem Beifall dankt das Publikum für wechselnde Rollen und fulminante Auftritte von Anny de Silva, Lydia Leist, Katharina-Sara Harbecke und Cyana als Marie.
Autor:Bernhard Grunewald aus Singen |