Klimaschutzmanager Markus Zipf zeigt Maßnahmen auf
Eine klimaverträglichere Stadt im Blick

Klimaschutzmanager Markus Zipf
  • Klimaschutzmanager Markus Zipf
  • Foto: Markus Zipf ist seit drei Jahren Klimaschutzmanager der Stadt Singen und zeigt im Gespräch mit dem WOCHENBLATT zahlreiche Möglichkeiten auf, wie Singen künftig eine klimafreundlichere Stadt werden kann.swb-Bild: Stm
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Singen. Die Hitzewelle hat Deutschland – und auch den Hegau - seit Wochen fest im Griff. Forscher aus Potsdam glauben, laut einer Medienmitteilung, sogar an eine »Heißzeit«. Angesichts der weltweit vier heißesten Sommer in Folge kann wohl kaum noch jemand den Klimawandel verleugnen. Auch wenn dies nicht heißt, dass 2019 wieder ein ähnlich heißer Sommer vor Deutschland und dem Hegau liegt, gilt es zu handeln. Gerade mit Blick auf die Waldbrandgefahr und Ernteausfälle forderte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium Rita Schwarzelühr-Sutter jüngst bei der anstehenden Reform der EU-Agrarförderung, dass landwirtschaftliche Betriebe Klimaschutz und Klimaanpassung als festen Bestandteil verstehen müssen.

Im exklusiven Gespräch mit dem WOCHENBLATT zeigt der Klimaschutzmanager Markus Zipf auf, wie auch eine Stadt wie Singen Maßnahmen gegen den Klimawandel ergreifen kann. Angefangen von einer Klimaanalyse, dem Mobilitätskonzept, die beide im Herbst vorgestellt werden, einem runden Tisch zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit mit den Großkonzernen bis hin zu einer »Energiekarawane«, die im Herbst in Schlatt unter Krähen großflächig für Förderprogramme energetischer Sanierung in privaten Haushalten wirbt. Auch dem Trend nach Versiegelung privater Gärten – sogenannten Steingärten – will die Stadtverwaltung entgegenwirken. Hierzu würde derzeit eine verwaltungsinterne Diskussion geführt, welche Steuerungsmöglichkeiten die Stadt habe. In Rastatt werde beispielsweise ein solcher »Steingarten« im Bebauungsplan »Baldenau« verboten, so Zipf.

Die Klimaanalyse, die im September im Gemeinderat vorgestellt wird, könnte ein ähnliches Planungsinstrument werden wie ein Flächennutzungsplan, hofft der Klimaschutzmanager. Vorausgesetzt es ist politisch gewollt und wird von Investoren und Bauherren angenommen.

Gerade im Spannungsfeld Nachverdichtung und Klimaverträglichkeit könnte die Klimaanalyse, die Zahlen bis 2050 ausweist, ein hilfreiches Instrument sein. Denn wie schon Oberbürgermeister Bernd Häusler beim OB-Hearing der CDU Anfang Juli auf Nachfrage mitteilte, könnten begleitende Maßnahmen beispielsweise bei einer möglichen Bebauung der Kleingartenanlage an der Uhlandstraße das Kleinklima sogar positiver gestalten. Entscheidend seien hierbei die Ausrichtung der Gebäude, Dachbegrünung, Fassadensanierung und eine Wasserfläche. Denn wie Zipf weiter ausführt, besitze Singen über das Stadtgebiet verteilt zu wenig Wasserflächen, die in Hitzeperioden kühlend wirken und bei Starkregen Wassermassen aufnehmen könnten, ohne zu schnell den Kanal zu belasten.

Höchste Kühleffekte seien durch großkronige Bäume wie etwa in der Hegaustraße zu erzielen. Dennoch sei es kein Geheimnis, dass gerade die Innenstadt und das Industriegebiet mit einem großen Versiegelungsgrad die heißesten Gebiete in der Stadt seien. Ein weiterer Grund: Die Kühlung durch den Wind vom Nordnordosten reiche nicht bis in die Innenstadt, bedauert Zipf.

Großes Augenmerk legt die Stadt auch auf ein Mobilitätskonzept. Mit einer Haushaltsbefragung im Frühjahr und detaillierten weiteren Untersuchungen sollen jene Stellschrauben gefunden werden, die eine klimaverträglichere Mobiltät in Zukunft ermöglichen.

Radwegeausbau, Radschnell-straße, der Umstieg vom Auto auf den öffentlichen Nahverkehr oder eine neu geregelte Parkraumregelung, die den Park-Such-Verkehr eindämmt, nennt der Klimaschutzmanager als Beispiele, die es gilt nach der Auswertung im Herbst sukzessive mit Leben zu füllen, um eine klimaverträglichere Stadt zu ermöglichen.

- Stefan Mohr

Autor:

Redaktion aus Singen

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