Interview mit dem Nikolaus
Im Kleinen sehr viel erreichen

"Wenn jeder im Kleinen etwas tut, kann schon sehr viel erreicht werden. Hierfür hat jeder in seinem Alltag viele Möglichkeiten." (Nikolaus) | Foto: Kinderchancen Singen e.V.
  • "Wenn jeder im Kleinen etwas tut, kann schon sehr viel erreicht werden. Hierfür hat jeder in seinem Alltag viele Möglichkeiten." (Nikolaus)
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Kreis Konstanz. „Ho ho ho“ schallt es immer zum 6. Dezember auch hier durch den Landkreis. Wie wichtig ihm diese Zeit und was für ihn das Besondere an seiner Aufgabe ist, hat das WOCHENBLATT im Interview mit dem Nikolaus vom Singener Verein Kinderchancen e.V. herausgefunden.

Wochenblatt:
Lieber Nikolaus, was fasziniert dich denn besonders an deiner Tätigkeit und der Figur des Nikolaus? Vor allem weil du ja auch etwas Historisches mit dir mitbringst.

Nikolaus: Das Historische ist für mich nicht so entscheidend. Wichtig ist das hier und jetzt und dass ich den Kindern eine große Freude bereiten kann. Zur Geschichte des Nikolaus gibt es verschiedene Versionen. Eine besagt, dass er einst ein reicher Mann war und sein Geld dann an die Armen weiterverschenkt haben soll.

Wochenblatt: Wie sehr macht dir das heute denn noch Spaß, den Kindern mit ihren strahlenden Augen jedes Jahr eine so große Freude zu bereiten?
Nikolaus: Das macht mir natürlich noch sehr viel Spaß. Ich erinnere mich noch an meine ersten Jahre zurück, als ich zum ersten Mal Kinder beschenkt habe. Dabei bin ich den Kindern immer mit einem positiven Gefühl entgegen getreten. Daher ist es für mich umso wichtiger und meine Hauptmotivation, diesen jungen Menschen auch eine Freude zu machen, da ich selbst von ihnen so viel zurück bekomme.

Wochenblatt:
Wie müssen wir Menschen uns das vorstellen, wenn andere Menschen den Nikolaus verkörpern wollen? Wie muss sich das für diese Person anfühlen?

Nikolaus: Man schlüpft einfach in eine andere Rolle. Das ist wie bei euch in einem Fastnachtsverein, wenn man ein Häs und eine Maske anhat. Man wird dann generell anders wahrgenommen von den Menschen um sich herum. Das ist dann auch aufgrund dessen, dass ich nur einmal im Jahr komme, eine ganz andere Situation. Diese Wahrnehmung spüre ich selbst auch jedes Jahr aufs Neue wieder, wenn ich den Kindern in ihre Augen schaue.

Wochenblatt:
Wie nehmen die Kinder dich selbst eigentlich wahr? Sehen Sie immer noch einen Menschen dahinter?

Nikolaus: Es gibt nicht wenige Kinder, die auch den Menschen dahinter kennen, aber ich habe den Eindruck, sie sehen trotzdem den Nikolaus.

Wochenblatt: Was bekommen die Kinder denn von dir an diesem besonderen Tag überreicht?
Nikolaus: Jedes Kind bekommt von mir ganz traditionell etwas Obst, sprich eine Orange oder einen Apfel. Zudem gibt es zu dieser Jahreszeit von vielen Bäckern, wahrscheinlich auch bei dir im Ort, „Klausenmänner“. Die verteile ich, genauso wie ein paar Süßigkeiten, ebenfalls an die Kinder.

Wochenblatt: Wie wichtig ist für dich der Grundsatz des Gebens und Nehmens, gerade in der heutigen Zeit? Gerade weil du ja jedes Jahr den Kindern eine große Freude bereitest.

Nikolaus: Das ist ohne Frage sehr wichtig, egal in welchem Land auf dieser Welt. Vor allem, weil die Schere zwischen Arm und Reich immer größer wird, ist es von großer Bedeutung, dass diejenigen, denen es gut geht, den Menschen, denen es nicht so gut geht, helfen.

Wochenblatt: Dann hast du ja mit Sicherheit auch noch kein einziges Kind bisher enttäuscht, oder?

Nikolaus: Auf keinen Fall! Wenn man den Kindern in die Augen schaut, dann haben die alle eine riesige Freude an meinem Besuch.

Wochenblatt:
Was müssen die Kinder denn tun, um etwas von dir zu bekommen?

Nikolaus:
Da habe ich ehrlich gesagt keine hohen Ansprüche. Die Kinder treten mir mit einer so großen Offenherzigkeit gegenüber, da bekommt jedes Kind etwas geschenkt.

Wochenblatt:
Was müssen die Kinder noch beachten, um bei deinem Besuch auch wirklich Freude zu haben und etwas zu bekommen?

Nikolaus: Für mich ist es wichtig, dass jedes Kind so mit den anderen umgeht, wie es selbst auch behandelt werden möchte, freundlich und hilfsbereit. Das mag zwar zunächst altmodisch klingen, macht das eigene Leben aber auch schöner.

Wochenblatt:
Wie viel Arbeit steckst du eigentlich jedes Jahr in deine Besuche der Kinder?

Nikolaus: Naja, zunächst einmal ziehe ich meinen Mantel an und komme dann zu den Kindern. Das könnte ich aber nicht machen, wenn ich nicht noch so tolle Unterstützung von anderen hätte. Die bereiten einen wunderschönen Markt vor und sorgen, ohne dafür auch nur einen Cent zu verlangen, mit sehr viel Arbeit dafür, dass Groß und Klein viel Freude an meinem Besuch haben. Das sind hier in der Singener Südstadt die Initiative „Stark im Süden“, die „Siedlergemeinschaft“, der Verein „Kinderchancen Singen“ und die „Tafel“.

Wochenblatt: Was müsste man denn deiner Meinung nach tun, damit es allen Menschen auf der Welt, egal ob arm oder reich, gut geht?

Nikolaus: Wenn jeder im Kleinen etwas tut, kann schon sehr viel erreicht werden. Hierfür hat jeder in seinem Alltag viele Möglichkeiten. Wenn dieser Beitrag geleistet wird, bewegt sich alles dann irgendwann in die richtige Richtung. So wie ich jetzt mit dir hier sitze, geht es uns beiden ja gut. Das kann sich aber auch ganz schnell ändern. Darum sollte man immer anständig bleiben.

Wochenblatt:
Was braucht es für dich, um gut durch das ganze Jahr zu kommen?

Nikolaus: Das ist keine einfache Frage, da jeder Mensch auch seine eigenen Bedürfnisse hat. Wir müssen nicht alle gleich sein, Unterschiede sind erlaubt, wenn nicht sogar wichtig. So lange man keinem anderen schadet, kann man so sein, wie man gerne möchte.

Autor:

Philipp Findling aus Singen

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