Das große Wagnis der Susanne Breyer
Singener Theatergruppe beleuchtet METROPOLIS
- Jeremia Lischka (im Bild) spielt im Stück "Metropolis" den jungen Fritz Lang.
- Foto: Marcelino Rüth
- hochgeladen von Anja Kurz
Singen. Es war ein Jahr der Superlative, zumindest in der noch jungen Filmbranche. 1926 produzierte das Berliner Filmunternehmen UFA unter der Leitung des österreichischen Regisseurs Fritz Lang den aufwendigsten Monumentalfilm zumindest dieses Jahrzehnts: Metropolis. 100 Jahre später versucht mit etwas weniger Möglichkeiten die Regisseurin und Autorin Susanne Breyer die Geschichte rund um das zuerst verkannte Meisterwerk auf die Bühne zu bringen. Die Idee dazu ist aus der Not geboren. Die Autorin hatte bereits 2021 beim Anblick der Architektur vom MAC-Museum in Singen sofort den Gedanken in diesem Gebäude Metropolis auf die Bühne zu bringen. Doch schnell wurde ihr klar, dass die ihr zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nicht ausreichen dürften, die im Original über zweieinhalbstündigen Drei-Akte für eine Theaterproduktion umzusetzen. Nachdem die Regisseurin in den letzten Jahren mit Werken über die Stadtgeschichte beschäftigt war, hatte sie Januar 2026 wieder Zeit sich rechtzeitig zu 100 Jahre Metropolis ihrer Herzenssache zu widmen. Februar 2026 war dann das Stück über die Geschichte von Entstehung bis zur restaurierten Digitalisierung des sozialkritischen Jahrhundertwerks fertig. Und am 17. März 2026 war es dann so weit. Die Proben begannen.
Schwierigkeiten sind da, um überwunden zu werden
Susanne Breyer konnte beim Erstellen ihres Ensembles auf bewährte Darstellerinnen und Darsteller zurückgreifen, welche ihr schon beim Stück „125 Jahre Stadtplanung Singen“ im Jahr 2024 zur Verfügung standen. Dies sind mehrheitlich Angestellte der Stadt. Diesmal nicht nur verstärkt durch eine neunköpfige Kindergruppe, sondern auch von zwei Jugendlichen, welche von einem Schulkameraden angeworben wurden. In den letzten Monaten musste ein Kindergartenraum als Übungsfläche dienen. Ab diese Woche gibt ihnen die Geschäftsführung des MAC Museum schon mal Zeit und den Platz der späteren Vorführungen zum Proben zur Verfügung. Da dieses Theaterteam kein eigener Verein ist, bleiben auch Fördergelder aus und so helfen alle Mitwirkenden mit, dass Kostüme und Requisiten zusammenkommen. Doch ohne materielle und finanzielle Unterstützung von den Sponsoren der Südwestdeutschen Kunst- und der Bürgerstiftung Singen, sowie der Stadt Singen, der Ottilien-Quelle und der Pfaff-Immobilien, wären viele technische Elemente des Stückes gar nicht umsetzbar gewesen, bemerkt dankend die Autorin Breyer.
Von ersten unsicheren Schritten und Worten
Noch ganz ohne Technik ging die erste Probe für das 21 Personen starke Ensemble in der Skylounge über die ungewohnte Bühne. Damit die Jüngsten rechtzeitig ins Bett kommen, wurden die einzelnen der 16 Szenen nicht chronologisch ausprobiert, sondern die mit den Kinderszenen zuerst. Klar stallten sich diesen viele Fragen: Von wo komme ich in das Bild, wie nutze ich den neuen Raum und wohin gehe ich wieder? Dieser Aufregung geschuldet war auch die schüchterne Aussprache der Worte, welche nicht immer punktgenau einsetzten. Aber ehrlicherweise ging es später den älteren Akteuren auch nicht immer viel besser. Dafür war den Mädchen und Jungen durchgängig die immense Spielfreude anzumerken - auch wenn der Jüngste Script-gemäß ausrufen musste: „Ich will nicht mehr!“
Nach diesem Blick durchs „Schlüsselloch“ auf das neuste Werk von Susanne Breyer ist zumindest klar, dass der Autor dieser Zeilen unbedingt viel mehr will, und zwar viel mehr sehen von diesem Stück und dieser starken Theatergruppe bei der Premiere am 23. Oktober 2026.
Autor:Marcelino Rüth aus Singen |