Singener Tafel besteht seit 15 Jahren / Idee ist aktueller denn je
Von Null auf angefangen

  • Foto: Udo Engelhardt, Wolfgang Bangert und Britta Haupka blicken auf 15 Jahre Singener Tafel zurück. swb-Bild: of
  • hochgeladen von Oliver Fiedler

Singen (of). Am Samstag, 25. Januar, sind es genau 15 Jahre her, dass sich der Verein Singener Tafel gegründet hatte. Der Geburtstag soll freilich erst später gefeiert werden - im Sommer auf dem Weber-Platz vor dem Tafelrestaurant. Die Gründungsmitglieder Udo Engelhardt (er ist seit diesen 15 Jahren auch Vorsitzender des Vereins Singener Tafel), Wolfgang Bangert und Britta Haupka blätterten aus Anlass des Rückblicks in dem dicken Foto- und Zeitungsartikelalbum, das in diesen Jahren entstanden ist.
Vorläufer der Singener Tafel war ein Arbeitslosentreff, den damals die AWO angeboten hatte.
Doch Ende der 1990er Jahre fasste von Berlin aus die Tafel-Idee in ganz Deutschland Fuß. Eine Reise nach Stuttgart, wo die erste Tafel im Land entstanden war, brachte die Idee damals nach Singen, wo Armut immer mehr ein Thema wurde. »Als klar wurde, dass sich die Arbeiterwohlfahrt hier nicht engagieren wollte, haben wir einen eigenen Verein gegründet«, beschreibt Udo Engelhardt das Klima damals. Ein eigener Verein, das war auch eine Vorgabe der bundesdeutschen Tafelbewegung gewesen. »Wir mussten damals ziemlich bei Null anfangen«, blicken die Gründer heute zurück.
Ganz zu Anfang wurde schon ab dem 22. März zwei Mal in der Woche ein Mittagessen in wechselnden Kirchenräumen geboten. Zum Start lieferte die Kantine des Unternehmens Georg Fischer das Essen, und auch die Maggi wie der Partyservice Holzinger unterstützten die Idee. Das Provisorium mit den ständig wechselnden Adressen blieb erst mal für sechs Jahre bestehen. Dann eröffnete sich die Möglichkeit, das ehemalige »Café Awocado« der AWO am Heinrich-Weber-Platz als Mieter zu übernehmen. Dort konnte man auch den Tafelladen platzieren, der zunächst in der Ekkehardstraße eröffnet hatte und viel zu klein war.
Viel Pionierarbeit war nötig. »Wir mussten selbst herausfinden, welche Lebensmittel wir unseren Kunden anbieten können, welche Lagerbedingungen dafür nötig sind«, so Britta Haupka. »Zuweilen wurden wir auch als Entsorgungsstation für verdorbene Lebensmittel betrachtet.« Aus dem Pionier-Verein ist ein mittelständisches Unternehmen geworden. Auch die Tafel bietet wie der reguläre Handel inzwischen eine »Kühlkette« zur optimalen Lagerung der Lebensmittel an, die den Tafelkunden dann für zehn Prozent des üblichen Preises zur Verfügung stehen.
170 Mitarbeiter (oft wird ihnen hier auch »Arbeit« geboten), doch nur einer davon ist hauptamtlich angestellt: Richard Wiggenhauser ist für die Koordination des »Großhandels« im Austausch mit den anderen Tafeln in Baden-Württemberg zuständig. Ein »Umsatz« von 250.000 bis 300.000 Euro im Jahr steht in der Bilanz.
Inzwischen deckt die Singener Tafel fast den ganzen Landkreis ab. 2005 kam die Konstanzer Tafel dazu, 2007 die Stockacher, 2009 die Radolfzeller, und seit 2010 gibt es auch in Engen einen Tafelladen. Fünf Lieferwagen sind für die Tafel unterwegs, davon vier mit Kühlung. »Wir haben beim Tun gelernt«, macht Udo Engelhardt deutlich.
Die Zahl der Vereinsmitglieder liegt seit den Gründungsjahren stabil bei 140. Die Tafelidee ist aktuell notwendiger denn je, was die Nachfrage betrifft. Kreisweit werden durch den Verein rund 1.600 Haushalte versorgt. Bedürftig wären wahrscheinlich noch viel mehr.

Autor:

Oliver Fiedler aus Gottmadingen

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