675 Jahre Stockacher Narrengericht
Beeindruckende Narrenmesse und große Würde für den Narrenrichter
- Eine in vieler Hinsicht zum Nachdenken anregende Predigt hielt Erzbischof Stefan Burger bei der Narrenmesse in der St. Oswald Kirche.
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Stockach. Zum Auftakt des Festsonntags am 25. Januar und somit wenige Stunden vor dem großen Festumzug gab es mit der Narrenmesse in der St. Oswald-Kirche und dem Festempfang im Adler Post einige schöne Momente für die Stockacher Narren sowie diejenigen, die von Nah und Fern angereist waren.
Bei der Narrenmesse machte Erzbischof Stefan Burger, der beim anschließenden Festempfang zum Stockacher Laufnarren geschlagen wurde, deutlich, dass die Tradition des Hohen Grobgünstigen Narrengerichts zu Stocken bis ins biblische Zeitalter zurückverfolgt werden könne. So bewies Hans Kuony ihm zufolge durchaus prophetische Fähigkeiten, während die biblischen Propheten jedoch mit ihren ungewöhnlichen Dasein von manchen ihrer Zeitgenossen sehr wahrscheinlich für Narren gehalten wurden.
- Der Erzbischof setzte sich nach dem Laufnarrenschlag seine neue Kopfbedeckung gleich selbst auf.
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"Was Kuonys Rat angeht, schweigt sich die Bibel allerdings aus“, scherzte Erzbischof Burger. Und dennoch sei es für ihn ein mehr als weiser Ratschlag, den sich jeder zu Herzen nehmen solle. „Denn während wir biologisch genau wissen, wie wir in das Leben hineinkommen, wissen wir nicht, wie wir am Ende aus unserem irdischen Leben herauskommen. Mit Christus an meiner Seite bin ich mir sicher, dass ich als Gewinner aus dem Leben gehe“, so Burger.
Beim Festempfang im Bürgerhaus Adler Post wusste es Narrenrichter Jürgen Koterzyna zu Beginn, klare Worte in Richtung der Politik zu finden. „Überlegt euch bitte mal, wie man zukünftig solche Brauchtumsveranstaltungen noch besser unterstützen kann“, so der Narrenrichter gegenüber den anwesenden Vertretern von Bund und Land. Denn im Gegensatz zum Landkreis Konstanz, dessen sofortige Zusage Jürgen Koterzyna lobte, erhielt man von Bundes- und Landesseite keine Unterstützung für das närrische Jubiläumswochenende.
Mit viel Humor und Witz richtete sich anschließend Ministerpräsident Winfried Kretschmann an die Festgäste, zeigte sich zu Beginn seiner Ansprache jedoch ein wenig verärgert über dessen Urteil aus dem Jahr 2014. „Das Narrengericht ist grob für den Beklagten, der muss blechen, und günstig für die Richter, die können zechen.“ Immerhin, so der Ministerpräsident, träfe es mit den Strafweinen des Narrengerichts keine Armen. Des Weiteren gab er den Gerichtsnarren für die diesjährige Verhandlung mit Markus Söder einen Tipp mit auf den Weg: "Am besten den guten Mann zu einem Bocksbeutel Wein verurteilen, den fränkischen Wein trinkt hier ja eh keiner." Nach seiner Rede wurde der noch amtierende Landesvater von Ordensmeister Markus Vollmer mit dem Hans-Kuony-Kreuz geehrt.
Nach Zeno Danner, der die Fasnet als "Gegner der Griesgrämigkeit betitelte, sprach Bürgermeisterin Susen Katter. Dabei lobte sie, dass das Narrengericht mit diesem Wochenende ein leidiges Problem der Stockacher (zumindest für ein paar Tage), gelöst hat: „Die Innenstadt ist oft leer, manchmal hat sie es deshalb schwer.“ Die Narren hingegen wissen ihrer Ansicht nach, wie die Innenstadt zu beleben sei. Im Anschluss an ihre Ansprache wurde die Rathauschefin noch mit dem bronzenen Ehrenzeichen der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN) ausgezeichnet.
Doch bei diesen beiden Ehrungen blieb es an diesem Abend nicht. So wurde Rolf Moll für seine tatkräftige Unterstützung Rolf den Hans-Kuony-Orden erster Klasse geehrt. Darüber hinaus erhielt der scheidende Narrenrichter Jürgen Koterzyna, der seit 1999 dem Hohen Grobgünstigen Narrengericht zu Stocken angehört, das goldene Ehrenzeichen der VSAN.
Autor:Philipp Findling aus Singen |