Zweieinhalb Eimer für Markus Söder in Stockach
Der König von Franken kommt mit blau-weißem Auge davon

Zweieinhalb Eimer höchster Qualität muss der Bayrische Ministerpräsident Markus Söder nach dem doch sehr milden Urteil gegen ihn an das Hohe Grobgünstige Narrengericht zu Stocken liefern.  | Foto: Melvin Beck
  • Zweieinhalb Eimer höchster Qualität muss der Bayrische Ministerpräsident Markus Söder nach dem doch sehr milden Urteil gegen ihn an das Hohe Grobgünstige Narrengericht zu Stocken liefern.
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Stockach. Das war eine Gaudi bei der Verhandlung des Hohen Grobgünstigen Narrengerichts zu Stocken gegen Markus Söder. Mit einem am Ende mehr günstigen als groben Urteil für den Bayrischen Ministerpräsidenten. 

"Verrat an der guten konservativen Sache", "Täuschung und Chamäleonitis" und "Größenwahn". Dies waren die drei Anklagepunkte von Kläger Michael Nadig, für die sich Söder vor den Gerichtsnarren von Stocken verantworten musste. Klagepunkte, bei denen nicht wenige im Saal vermutlich auch ein höheres Strafmaß erwartet hatten, als es am Ende dann wurde.

Schon direkt zu Beginn zeigte sich, dass Söder der heimliche Titel als König in der närrischen Hochburg zu Stocken wenig bringt. So rügte ihn Narrenrichter Jürgen Koterzyna direkt aufgrund der Tatsache, dass er nicht den ganzen Tag in Stockach gewesen sei: "Pünktlichkeit ist die Höflichkeit der Könige." Auch zeigte sich Koterzyna zweifelhaft, ob die Kleidung des Beklagten als "Pseudo-Bettelmönch" und die "Begleitung zweier Mädels im Kubicki-Style" dem Beklagten an diesem Abend etwas bringe. 

Ein vermisster Fuchs, ein fehlender Beklagter und fetzige Yetis

Zur Sache ging es dann auch gleich beim ersten Klagepunkt, dem "Verrat an der guten konservativen Sache". Hier unterstellte der Kläger dem "Zaunkönig aus Franken", der im Gegensatz zu seinem Idol Strauß immer im "Zick-Zack" agiere, Regisseur des "Schmierentheaters zur Bundestagswahl 2021" gewesen zu sein. Ein "Larifari-Gehabe", was er gekonnt mit Macchiavelli zu belegen wusste, denn "Hinterfotzigkeit wird erst durch Konsequenz zur Kunst". Doch anstatt über die "g'mahte Wiesn" zu marschieren, zeigte Söder Nadig zufolge weder Charmeoffensiven noch Führungsanspruch. "Ein Zaudern und Zögern, mit dem man so nur beim Schafkopf weit kommt." Die Konklusio des Klägers war daher eindeutig: "Söder hats verbaerbockt."

Eine Attacke, die der an diesem Abend wieder glänzend aufgelegte Fürsprech Christoph Stetter mit besten Mitteln versuchte abzuwehren. Für ihn war die gescheiterte Kanzlerkandidatur genauso geplant. Söder wollte bewusst nicht nach Berlin, "wo man Adler als Fahrradfahrer" bezeichne. "Lieber erster Mann in Bayern, als zweiter in Berlin, das ist Konservatismus", so der Fürsprech. Zudem habe der Beklagte alle vor sich als Kanzler gewarnt, "weshalb wir im eigentlich für sein Verantwortungsbewusstsein danken sollen".

Wählertäuschung durch Cola im Bierkrug

Was der Narrenrichter jedoch aufgrund der zahlreichen, sehr zutreffenden wie brillant vorgetragenen Zitate des Klägers und den Erläuterungen des Fürsprechs noch vor dem zweiten Klagepunkt zur "Täuschung und Chamäleonitis" nicht verstand, war, wie man den so krankhaft auf Franz Josef Strauß abfahren könne. "Was hat er, was ich nicht habe?", merkte Koterzyna dahingehend zurecht an.

Große Gaudi beim Narrengericht mit Markus Söder - Teil 1

Hitzig wurde es folglich beim zweiten Wortgefecht zwischen Kläger und Fürsprech. So musste sich Markus Söder von Nadig den Vorwurf gefallen lassen, seine Rollen und Kostüme "so schamlos wie ein Chippendale-Stripper" zu wechseln. Ebenfalls seine schwankende Meinung in Sachen Kernkraft wurden ihm belastend aufgelegt. Das Höchste war für den Kläger jedenfalls die "Wählertäuschung im Bierzelt" durch Cola Light im Maßkrug des "Oberbayers mit fränkischen Migrationshintergrund".

Stetter hingegen lobte seinen Mandandten für die "moderne Kommunikation". Darüber hinaus musste Söder als richterliche Beweisführung zeigen, dass er auch mit Bier umgehen und dies trinken könne. "Ein Mann, der beweist, was er kann", lobte Stetter den Beklagten.

Mit Söder ins Weltall

Der mit Abstand unterhaltsamste Klagepunkt folgte mit dem angelasteten "Größenwahn". So hege Nadig zufolge der Beklagte den heimlichen Traum, "Sonnenkönig in Bayern, aber Schattenkanzler in Berlin" zu sein. Rüge gab es des weiteren für sein Raumfahrtprojekt "Bavaria One", für das Söder laut dem Kläger die "Bayern ins All, aber die Steuergelder auf den Mond" schießen wolle. Auch prangerte Nadig dem Beklagten das Projekt "Make Bayern Great Again" an, für das er kleinere Bundesländer zusammenlegen wolle.

Gerade hierzu wusste der Fürsprech in seiner Verteidigung zu punkten, so könne zwar Bayern ohne Deutschland funktionieren, aber nicht anders herum. Darüber hinaus sei der Größenwahn auch mit dem Narrengericht und zwar „selbstbewusst, traditionsbewusst und immer ein bisschen größer als der Durchschnitt denken“ zu vergleichen. Hierfür fing er sich wieder eine Ordnungsstrafe von einem viertel Eimer ein.

Peter Altmaier als Leumundszeuge

Stetter rief zudem mit Peter Altmaier den Beklagten von 2015 in den Zeugenstand, der die Anklage Söders direkt als "tragisches Justizirrtum" abschmetterte. Zudem habe er Söder immer als Freundlichkeit und Bescheidenheit in Person wahrgenommen, solange es noch was zu Essen gab. Mit ihm habe man die besten Deals gemacht, weshalb Söder laut Altmaier "dreimal so intelligent wie alle Kanzler nach Merkel" seien.

Er selbst sei für ein milderes Urteil für den Beklagten sogar bereit, sich Manuel Hagel und den hessichen Ministerpräsidenten Boris Rhein zu schnappen und so lange in Berlin zu campieren, bis die richtigen Entscheidungen getroffen werden und gemeinsam mit Merkel den Regierungssitz nach Stockach zu verlegen. 

Große Gaudi beim Narrengericht mit Markus Söder - Teil 2

Hart ins Gericht ging schließlich der Beklagte selbst mit dem Narrengericht, die er als "durchgegenderte Bischofskonferenz" betitelte. „675 Jahre Tradition? Das sieht man euch an“, so Söder gegenüber den Gerichtsnarren. Beim Kläger fragte er sich, warum dieser den ganzen Abend gegen ihn sei, "schließlich war er der erste, der ein Selfie mit mir wollte". Zudem mahnte er die Gerichtsnarren vor einem künftigen Grenzübertritt nach Bayern. Diesen drohe ansonsten ein "Erziehungscamp nahe Tschechien und ein Sprachkurs mit Hubert Aiwanger". Dass er überhaupt den Weg nach Stockach antrat, habe er dem CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel zu verdanken, der ihn hiermit "an die psychische Grenze der Belastbarkeit" gebracht habe.

Zudem legte Söder aus seiner Sicht zurecht dar, dass "Deutschland ohne Bayern und Baden-Württemberg pleite" wären und drohte bei einer Verurteilung mit der Kündigung der Allianz und dem Übergang zu Sachsen. Zu seiner Entlastung brachte er des weiteren den Gerichtsnarren vor, er hätte sich mit Achim Laschet schon seit einiger Zeit wieder versöhnt. "Er war bei mir in der Staatskanzlei, es war eine super Stimmung. Bis ich gemerkt habe, dass es sich eigentlich um Boris Pistorius handelt."

Was das Essen betrifft, ließ der Beklagte gar nicht mit sich reden und machte klar: "Ich muss keinem Rechenschaft ablegen, was ich esse." Auch den Vorwurf der Selbstinszenierung ließ er sich nicht gefallen und verdeutlichte den Stockacher Narren: "Bei Scholz wäre hier keiner gekommen."

Doch all das half dem Bayrischen Landesvater am Ende nicht. So muss er neben den zweieinhalb Eimern Wein "höchster Qualität", sprich 150 Liter, auch noch das Kollegium der Gerichtsnarren zum Oktoberfest einladen, da laut Narrenrichter Jürgen Koterzyna, der sich nach dieser Verhandlung nach zehn Jahren als Narrenrichter verabschiedete, "Sozialstunden bei diesem Mann nichts bringen".

Autor:

Philipp Findling aus Singen

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