Der neue Hans Kuony Adrian Bernhard im Gespräch
Ein "moderner" Hofnarr mit Mut zur Wahrheit

"In seiner Rolle spricht der Hofnarr aus dem Volk für das Volk und stärkt so das Gemeinschaftsgefühl." (Adrian Bernhard, neuer Darsteller des Hans Kuony) | Foto: Philipp Findling
  • "In seiner Rolle spricht der Hofnarr aus dem Volk für das Volk und stärkt so das Gemeinschaftsgefühl." (Adrian Bernhard, neuer Darsteller des Hans Kuony)
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Stockach. Nach 39 Jahren mit Roland Drews als Hans Kuony hat das Stockacher Narrengericht mit Adrian Bernhard einen neuen Darsteller des Erznarren gefunden. Auf was er sich als diese Figur freut und wie wichtig ihm die hiesige Narretei ist, verriet er im Gespräch mit dem WOCHENBLATT.

WOCHENBLATT: Herr Bernhard, seit Dreikönig sind Sie nicht nur der hiesigen Narretei nun als neuer Hans Kuony des Stockacher Narrengerichts bekannt. Wie sind Sie selbst damals zur (Stockener) Fasnet gekommen?

Adrian Bernhard: Ich bin damals im Jahr 1996 als Jungzimmerer bei der Stockacher Fasnacht eingestiegen. In diesem Jahr durfte ich auch meinen ersten Kindernarrenbaum stellen. Es ging dann weiter zu den Junghänsele, wo ich mit den heutigen Gerichtsnarren Matthias Stolp und dem aktuellen Narrenschreiber Marcel Reiser alljährlich zum Fasnetseröffnen den Junghänsele-Sketch zum Besten gab. Anschließend wurde ich ein aktives Hänsele, bei denen ich den Hänseleball moderieren durfte. Als Mitglied der Hans-Kuony Kapelle habe ich zudem bei der Fasnacht zuletzt auch als Musiker ein paar schöne Jahre verbracht.

WOCHENBLATT: Wie sehr wird Ihrer Ansicht nach Roland Drews als Personifikation des Hans Kuony der Stockener Fasnet in den nächsten Jahren fehlen?

Adrian Bernhard:
Nach 39 Jahren als Hans Kuony-Darsteller wird es sicher für viele Närrinnen und Narren eine große Umstellung eine andere Person als Stockacher Erznarren zu sehen als ihn. Viele – einschließlich mir – kennen ja gar keinen anderen Hans Kuony. Er wird aber nicht nur als diese Figur fehlen, sondern auch als Gerichtsnarr mit seiner großen Hingabe für die Fasnacht, sein Bemühen die Fasnacht lebendig zu halten, die Jugend zu fördern, Jung und Alt, Gliederungen und auch andere Zünfte untereinander zu vernetzen und stets ein fröhliches Miteinander zu fördern. Wie dankbar die Narren Roland dafür sind, hat man sowohl an Dreikönig als auch am Fasnetseröffnen durch viele Beiträge sehr emotional erfahren dürfen. War die Rolle des Hans Kuony vor Roland Drews gar nicht so beliebt, hat er diese Figur auf ein ganz neues Niveau gehoben.

Wochenblatt: Welche Eigenschaften hat der Erznarr Hans Kuony, die man Ihrer Ansicht nach auch auf das tägliche Leben sowie die Fasnet hier im Landkreis übertragen könnte?

Adrian Bernhard:
Hans Kuony verkörpert Eigenschaften, die sich gut auf das tägliche Leben und die Fasnet im Landkreis übertragen lassen. Als moderner „Hofnarr“ ist er mutig, humorvoll und empathisch. Er hinterfragt kritisch, ohne den Menschen aus dem Blick zu verlieren, spricht Missstände offen an – auch wenn es unbequem ist – und zeigt damit Mut zur Wahrheit. Seine humorvolle Kritik bringt Menschen miteinander ins Gespräch, ohne jemanden bloßzustellen.
Für die Fasnet im Landkreis bedeutet das, Tradition nicht nur als Unterhaltung zu verstehen, sondern auch als lebendige Form der Gesellschaftskritik. In seiner Rolle spricht der Hofnarr aus dem Volk für das Volk und stärkt so das Gemeinschaftsgefühl – einen Wert, der sowohl im Alltag als auch im Vereinsleben unverzichtbar ist. Besonders hervorzuheben ist dabei, dass Hans Kuony seiner Herkunft und Heimatstadt stets verbunden blieb und sich das Privileg, ein Narrengericht abhalten zu dürfen, ausdrücklich für seine Heimat wünschte.

WOCHENBLATT: Auf was freuen Sie sich als neuer Darsteller der Leitfigur der Stockacher Fasnet am meisten?

Adrian Bernhard: Ich freue mich riesig über meine neue Aufgabe als Hans Kuony. Wenn jemand wie Roland Drews diese besondere Aufgabe ganze 39 Jahre lang ausfüllt, bekommt man eine solche Chance nur sehr selten, weshalb ich besonders stolz bin, nun sein Nachfolger zu sein. Gleich zu Beginn das 675. Jubiläum des Narrengerichts als Hans Kuony in Stockach feiern zu dürfen, ist dabei natürlich ein besonderes Highlight für mich. Zudem bin ich selbstverständlich auf meine erste Gerichtsverhandlung als Hans Kuony am Schmotzige Dunschtig sehr gespannt. Generell ist es für mich eine große Ehre, diese für unsere Fasnet bedeutsame wie identitätsstiftende Figur in den kommenden Jahren zu verkörpern und mit den Stockacher Närrinnen und Narren unser schönes Brauchtum lebendig halten zu dürfen.

WOCHENBLATT: Werden Sie auch trotz Ihrer neuen närrischen Aufgabe dem Hänsele sowie den Yetis auch in Zukunft treu bleiben?

Adrian Bernhard: Glücklicherweise muss man durch eine neue Aufgabe wie diese seinen ursprünglichen Verein nicht verlassen, sondern wechselt „nur“ das Häs. Ein Comeback ist für mich somit nicht ausgeschlossen. Ich werde natürlich versuchen, mich weiterhin zu engagieren, auch wenn sich in der ersten Zeit der Fokus logischerweise sehr stark – zumindest zur Fasnachtszeit - auf die Rolle des Hans Kuony lenken wird.

Autor:

Philipp Findling aus Singen

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