Tief- wie scharfsinniges Uffwirmkaffee
"Mir machet Fasnet mitenand und fürenand"

Ein letztes Mal schunkelte Bürgermeisterin beim diesjährigen Uffwirmkaffee mit dem scheidenden Narrenrichter Jürgen Koterzyna. | Foto: Philipp Findling
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  • Ein letztes Mal schunkelte Bürgermeisterin beim diesjährigen Uffwirmkaffee mit dem scheidenden Narrenrichter Jürgen Koterzyna.
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Stockach. Und wieder wurde es Zeit für das traditionelle Uffwirmkaffee des Stockacher Narrengerichts. Hierbei wurde am 16. Februar wie gewohnt all der Ballast von den letzten paar närrischen Wochen mit bissigen Büttenreden abgeworfen.  

Zwei Änderungen musste die illustre Runde an diesem Vormittag dann doch hinnehmen. So sorgte zwischen den Reden nicht wie gehabt Alt-Narrenrichter Karl Bosch für die musikalische Unterhaltung, sondern diesmal Fortuna-Wirt Andi Meßmer. Den Auftakt machte er dabei auch gleich mit "Wenn Fasnet isch am Bodensee" mit einem echten närrischen Klassiker aus der Region. Zudem fiel der traditionelle Laufnarrenschlag laut Narrenrichter Jürgen Koterzyna „aus Rücksicht vor den anwesenden Damen" nicht statt.

Luft nach oben bei der närrischen Kopfbedeckung

In ihrer Begrüßung wusste Susen Katter, die spätestens mit diesem Uffwirmkaffee endgültig in der Stockacher Fasnet angekommen ist, gekonnt nochmal die Verhandlung mit Markus Söder Revue passieren zu lassen. Hierzu zeigte sie sich überrascht über dessen Bezeichnung des närrischen Gremiums als "durchgegenderte Bischofskonferenz", so gebe es der Bürgermeisterin zufolge in der katholischen Kirche mittlerweile weibliche Ministerinnen. "Somit ist die Bischofskonferenz weiter als die Stockacher Narrengericht", spitzelte Katter gegen die hiesigen Narren. Vielmehr jedoch zeigte sich die Rathauschefin verwundert über das fehlende Erwähnen des Beklagten über die Kopfbedeckung der Gerichtsnarren. „Da ist nämlich noch Luft nach oben.“

Sportlicher Liebesbeweis

Und auch die Never-Ending-Story über Frauen im Kollegium des Narrengerichts beschäftigte Susen Katter bei einem Seitenhieb gegenüber dem noch amtierenden Narrenrichter Jürgen Koterzyna, denn: "Hinter jedem Narrenrichter steht eine Frau, die denkt: Das kann ich auch." Angesprochen auf Söders Aussage, er würde ganz und gar nicht an Größenwahn leiden, bewegte Katter die Stockacher Narren bei ihrer "Sportübung" noch zum eigenen Schulterklopfen an. Ein echter Beweis, wie sehr die Bürgermeisterin ihr Narrengericht doch liebt. „Die Fasnacht war von Anfang bis Ende einfach Wahnsinn“, so die Bürgermeisterin zudem in Richtung des scheidenden Narrenrichters. 

Brauchtum bewahren hat eigene Tradition

Einen sehr wichtigen Beitrag zum Thema Tradition in der Fasnet sowie im Narrengericht brachte die Alt-Stockacherin Vera Ossola zu Wort. So sei sie ihrer Ausführung nach "ein waschechtes Stockacher Kind", habe hier die große Liebe - auch zur Fasnet - gefunden. Jedoch geht ihr eins immer mehr auf den Zeiger und zwar "des Gschwätz Laufnarr oder Narrenrichter als Weiber." Hierbei müsse jedem Narr eigentlich bewusst sein: „Ohne uns Frauä ka es konne Männer gäbe.“ Brauchtum zu bewahren habe für sie seine eigene Tradition, denn: "Mir machet Fasnet mitenand und fürenand". Für sie waren 675 Jahre des Narrengerichts eine lange Zeit, "wer weiß, was die nächste 675 Johr halten bereit."

Hans-Kuony Kreuz für den "Hybrid-Pfarrer"

Nach einem weiteren Auftritt der Bänkelsänger, die sich an diesem Vormittag musikalisch vor allem mit dem großen Jubiläum auseinandersetzten und zu verstehen gaben, dass die Großen "auch mal dem kleinen Wicht" glauben sollen, wurde es wieder Zeit, "das Orde geit." Hierzu bat Ordensmeister Markus Vollmer den katholischen Pfarrer Thomas Huber nach vorne, um ihm für sein Wirken um die jährliche Narrenmesse am Fasnet-Mändig sowie die große Messe beim Jubiläum mit dem Hans-Kuony-Kreuz zu ehren. Auf Vollmers Aussage, der Pfarrer würde mit einem E-Scooter durch die Gassen heizen und gegen das Frieren eine Heizweste tragen konterte Huber, dass er ein "Hybrid-Mensch" sei und von Essen und Strom lebe. Zudem machte sich Thomas Huber für eine regelmäßige volle St. Oswald-Kirche am Sonntag stark. Hierfür könne man ja Erzbischof Burger fragen, ob er nochmal komme, "kosten tut es ja nichts". 

Die traditionellen Ehrungen zu 60 Jahren Laufnarr beim Uffwirmkaffee fielen von Seiten des Ordensmeisters an diesem Vormittag sehr kurz aus. Insgesamt wurden 46 Jahren anno 1966 zum Stockacher Laufnarr geschlagen. Mit Heinz Grunert, Alfred Stierle und Heinz Wind sollten auch drei aus diesem Jahrgang geehrt werden. Hieraus wurde jedoch nichts, da einer der dreien gesundheitlich verhindert war und die anderen beiden sich die Urkunde im Vorfeld schon zuschicken lassen wollten. 

Fuchsschwanz als Symbol der Schläue

Beschlossen wurde das Uffwirmkaffee mit einem Beitrag von Altgerichtsnarr Siegfried Endres. Hier ging er zunächst auf den finanziellen Engpass der Stadt ein, so bedeute es für Endres, dass es im Haushalt sparen bedeute, kein Geld auszugeben, das man nicht habe. "Im Privaten heißt das, Geld nicht auszugeben, das man hat.“ Dies verglich der Altgerichtsnarr damit, wenn man "ein Euro in die Sparbüchs' wirft, wenn man sich nit liebt und nach einem Jahr immer ein Euro rausholt." Neben der vernichtenden Niederlage der Stockacher bei der SWR-Sendung Stadt-Land-Quiz gegen Bad Zabern war auch der Langensteiner Fuchsschwanz von Susen Katter bei Endres Thema, denn dieser sei ihm zufolge ein Symbol der Schläue. Mit einem Blick in die Runde konnte er sich folgendes daher kaum verkneifen: "Wenn ich hier rumguck, sehe ich hier kaum Fuchsschwanzträger."

Autor:

Philipp Findling aus Singen

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