Abschieds-Interview mit Jürgen Koterzyna
"Unsere Fasnacht und Traditionen sind etwas Einmaliges"
- Jürgen Koterzyna bei seiner letzten Verhandlung als Narrenrichter am Schmotzige Dunschtig mit Markus Söder. Nach zehn Jahren in diesem Amt sowie 27 Jahre in der Vorstandschaft wird er sich als normales Mitglied ins Kollegium zurückziehen.
- Foto: Melvin Beck
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Stockach. Zehn Jahre lang bekleidete Jürgen Koterzyna das Amt des Narrenrichters beim Hohen Grobgünstigen Narrengericht zu Stocken. Im WOCHENBLATT-Interview blickt er nicht nur auf diese Zeit zurück, sondern auch, wie es nach ihm beim Narrengericht weitergehen soll – natürlich von Narr zu Narr.
Wochenblatt: Lieber Jürgen, nun warst du zehn Jahre Narrenrichter des Hohen Grobgünstigen Narrengerichts. Wie gut kannst du dich noch an deine allererste Fasnet in dieser Position erinnern?
Jürgen Koterzyna: Oh, eigentlich ganz gut. Es war die Fasnacht 2017. Wir hatten eine sehr lange Fasnacht und demzufolge auch ein vollgepacktes Programm. Das Motto der Bunten Abende war „Oscar-Nacht“ – alles war auf Hollywood-Kulisse ausgerichtet inklusive Stretchlimousine. Malu Dreyer, die Ministerpräsidentin aus Rheinland-Pfalz, war Beklagte vor dem Narrengericht und musste mein erstes Urteil über sich ergehen lassen. Sie musste je einen Eimer Rot- und Weißwein an das Narrengericht liefern. Wobei wir den Wein dann doch bei ihr in Trier abgeholt haben.
Außergewöhnlich war zudem eine eher interne Veranstaltung am Fasnetdienstag. Dort wurde vor dem Kinderumzug in der Fortuna eine Narrengerichtsverhandlung abgehalten. Streitthema war das Abhandenkommen einer Narrengerichtskappe und der Anspruch der Herren Lehrbueben auf Finderlohn. Eine wirklich hochnärrische Veranstaltung und nicht alltäglich.
Wochenblatt: Was war in deiner Zeit in diesem doch hohen närrischen Amt abgesehen vom Schmotzige Dunschtig dein absoluter Höhepunkt?
Jürgen Koterzyna: Es gab eigentlich zwei Highlights. Zum einen natürlich das diesjährige Jubiläum mit dem dreitägigen Narrentreffen. Wirtshausfasnet, Brauchtumsnacht mit einem sehr speziellen Sternmarsch und der Festsonntag mit Narrenmesse und Umzug - Erzbischof und Ministerpräsident inklusive. Und das zweite war 2023 unsere närrische Dienstreise nach Berlin mit über 200 Hästrägern und Musikern. Unvergessen, wie wir mit zwei Fliegern und vier Bussen gereist sind. Tolles Rahmenprogramm in Berlin und eine wunderbare Narrengerichtsverhandlung in der Landesvertretung Baden-Württembergs. An beides werden wir uns alle noch sehr lange erinnern.
Wochenblatt: Hand aufs Narrenherz: Wer war in deinen zehn Jahren als Narrenrichter dein/e Lieblings-Beklagte/r am Schmotzige Dunschtig?
Jürgen Koterzyna: Wie schon erwähnt, war meine erste Beklagte für mich sehr spannend. Genossen hatte ich es immer, wenn ein Beklagter schon am Mittwochabend da war und man sich bei einem kleinen Abendessen schon mal beschnuppern konnte. Das war bei Cem Özdemir, Wolfgang Kubicki und Julia Klöckner der Fall. Und Markus Söder war zum Schluss ein Wunschkandidat von mir.
Wochenblatt: Was hat dich dazu bewogen, den Posten in diesem Jahr niederzulegen?
Jürgen Koterzyna: Nun, nach 27 Jahren im Narrengericht und davon fast immer in Amt oder in der geschäftsführenden Vorstandschaft, ist dann auch mal gut. Dann können und sollen auch mal andere ran. Eigentlich wäre ich ja schon letztes Jahr regulär „abgetreten“ aber wegen des Narrentreffens hatte ich angeboten, ein Jahr zu verlängern. Jetzt freue ich mich auf die Zeit ohne maximale Verantwortung.
Wochenblatt: Was macht für dich eigentlich das Amt des Narrenrichters sowie die Fasnet hier in der Region so besonders?
Jürgen Koterzyna: Unsere Fasnacht, unser Brauchtum und unsere Traditionen sind etwas Einmaliges. Ebenso das Amt des Narrenrichters. Es gibt viele Zunftmeister und Narrenpräsidenten, aber nur einen Narrenrichter. Als solcher ist man für die gesamte Stockacher Fasnacht und auch für die Gliederungen in unserer Zunft mitverantwortlich. Und man kann gestalten und Dinge initiieren, auch über die Grenzen Stockachs hinaus. Auf die Stockacher Fasnacht wird geschaut. Das hat man jetzt beim Narrentreffen gesehen, aber auch damals in der Corona-Zeit gemerkt.
Wochenblatt: Wie wird es nun für dich beim Hohen Grobgünstigen Narrengericht weitergehen?
Jürgen Koterzyna: Ich freue mich jetzt auf ruhigere Tage im Kollegium, denn da werde ich als normales Mitglied weitermachen. Wenn ich mit Rat und Tat unterstützen kann, werde ich das gerne tun. Ansonsten werde ich die viele neu gewonnene Freizeit mit Familie und Freunden nutzen. Denn auch unterm Jahr fällt jetzt einiges an Arbeit für mich weg.
Wochenblatt: Am 10. April wird auf der Hauptversammlung des Narrengerichts dein Nachfolger bestimmt. Was möchtest du ihm für dessen Amtszeit mit auf den Weg geben?
Jürgen Koterzyna: Da gibt es nur eines: Hab Spaß an dem Amt und genieße diese Ehre, Narrenrichter von Stocken sein zu dürfen. Denn das überwiegt all die viele Arbeit und Verantwortung.
Autor:Philipp Findling aus Singen |