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675 Jahre Stockacher Narrengericht
Drei Jahre harte Vorbereitung fürs Narrentreffen

Endlich steht es vor der Tür, das große Jubiläums-Wochenende des Narrengerichts. Hierüber freut sich auch das Team des Programmausschusses.  | Foto: Achim Holzmann
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  • Endlich steht es vor der Tür, das große Jubiläums-Wochenende des Narrengerichts. Hierüber freut sich auch das Team des Programmausschusses.
  • Foto: Achim Holzmann
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Um drei Tage lang mit tausenden von Gästen feiern zu können, bedarf es einer Menge Arbeit. Drei Jahre lang wurde in acht verschiedenen Ausschüssen alles vorbereitet.

Eine große logistische Herausforderung war es von Anfang an, überhaupt so viele in Stockach und Umgebung unterzubringen. 1.000 Hotelbetten und 400 Massenquartier-Unterkünfte mussten organisiert werden. An drei Standorten, Kreissporthalle, Dillhalle und Aula des Gymnasiums sind Massenquartier-Plätze. Für diese 400 Übernachtungen muss auch noch ein Frühstück organisiert werden. Bis spät in die Nacht fahren auf drei Shuttle-Buslinien Narren bis nach Singen und Radolfzell zu ihren Hotelbetten. Für alle Fragen während des Narrentreffens wird im Kulturamt ein Festbüro eröffnet, an welchem alle Fragen rund um das Narrentreffen beantwortet werden. Hier können vor und nach dem Umzug auch Masken gelagert werden.

Auch der öffentliche Personennahverkehr wurde für das Wochenende massiv ausgeweitet. So fahren Freitag, Samstag und Sonntag Sonderzüge der Biberbahn. Der Seehas fährt Samstag und Sonntag im halbstündlichen Takt. Der letzte Seehas fährt am Samstag um 2.16 Uhr, am Sonntag um 23.16 Uhr. Die genauen Abfahrtszeiten sind auf der Homepage unter www.narrentreffen-stockach.de einsehbar.

Eigene Webseite zum Narrentreffen

Seit Monaten ist auch bereits das Marketing aktiv. Über Social-Media werden wöchentlich Bilder und Videos gepostet, die Lust auf das Narrentreffen machen. Kernstück ist jedoch die Homepage zum Narrentreffen – die man über einen QR-Code, der überall in der Stadt verteilt wird, sowie über die oben stehende Adresse leicht erreichen kann. Dort geht es auch zum Narrigator – einem interaktiven Tool, in welchem alle wichtigen Stellen mit Icons verzeichnet sind. Egal ob Besenwirtschaft, Lokalität, Bus-Shuttle oder auch Toilette, hier findet jeder, was er gerade sucht. Und das Beste: Klickt man auf die Icons erhält man weitere Informationen, zum Beispiel, wer die Besenwirtschaft betreibt oder welche Speisen und Getränke es dort gibt.

Überhaupt ist es eine Mammut-Leistung, was es an zusätzlichen Besenwirtschaften und Imbissständen gibt. 25 zusätzliche Besenwirtschaften wird es am Narrentreffen geben, dazu 30 Imbissstände, die Jahnhalle und das Festzelt auf dem Dillplatz. Insgesamt wird es an dem Wochenende 90 Essens- und Getränkeangebote in der Stadt geben. Geboten wird dabei für jeden etwas. Dazu wird es ein Bechersystem geben, mit dem die Narren ihren Becher in jeder Besenwirtschaft abgeben können, hierfür wurden im Vorfeld 25 000 Becher angeschafft und an die Besenwirtschaften. Auch ein Beitrag zum Thema Nachhaltigkeit und Sauberkeit in der Stadt.

Festwagen zum Kriegsrat

Sicherlich den undankbarsten Arbeitsauftrag hatte das Team Organisation und Sicherheit um den Laufnarrenvater Michael Zehnle und Kämmerer Martin Bosch. Sie mussten Sicherheitskonzepte erstellen, für Absperrungen sorgen. Dazu muss sich um Umleitungen gekümmert werden. Die Besenwirtschaften müssen mit Strom versorgt werden, Toiletten-Wägen organisiert werden. Eine Mammutaufgabe, die immer wieder für neue Herausforderungen sorgt.
Es ist eine lange Tradition des Stockacher Narrengerichts, dass bei den Narrentreffen des Narrengerichts Festwagen gebaut werden. Auch 2026 darf ein solcher Festwagen nicht fehlen. Er wird passenderweise den Kriegsrat 1351 als Motto haben. Dieser Wagen wird erstmals am Samstagabend beim Sternmarsch zu sehen sein und auf diesem wird dann auch die Kriegsrat-Szene gespielt. Selbstverständlich ist dieser auch am Sonntag dabei.

Der historische Hintergrund

Doch weshalb feiern die Stockacher Narren in diesem Jahr überhaupt 675 Jahre Narrengericht? Die Gründung des Stockacher Narrengerichts ist eng mit der Schlacht von Morgarten 1315 in der Schweiz verbunden, weshalb auch zahlreiche Zünfte aus der Schweiz eingeladen sind. Herzog Leopold von Habsburg wollte die Schweizer in einem Kriegszug unterwerfen. Bis heute wird über die Gründe, weshalb es zu diesem Kofnlikt kam, in der historischen Forschung gerätselt. Ging es um einen lokalen Konflikt mit dem Kloster Einsiedeln, oder sollte tatsächlich die Schweiz unterworfen werden. Wie auch immer, siegessicher hielt Herzog Leopold am Vorabend der Stadt Kriegsrat, der mittlerweile fester Bestandteil des Stockacher Brauchtums ist und alljährlich an der Fasnacht aufgeführt wird.

Von all seinen Beratern warnte – so die Überlieferung - nur sein Hofnarr Kuony von Stocken vor der Schlacht. „Ihr alle ratet wohl wie ihr wollet in das Land Schwyz hineinkommen, aber euer keiner ratet, wie ihr wieder wollet hinauskommen.“ Diese legendären Sätze wurden als Warnung des Hofnarren verstanden. Tatsächlich ging die Schlacht verloren und Herzog Leopold konnte sein Leben nur knapp retten. Sich der Worte seines Hofnarren erinnernd erlaubte Leopold seinem Hofnarren Hans Kuony einen Wunsch. Dieser erbat sich für seine Heimatstadt Stockach ein Narrengerichts-Privileg, welches dann Erzherzog Albrecht der Weise 1351, also vor 675 Jahren, ausstellte. Auf dieses Datum beziehen sich die Stockacher Narren heute.

Wenn auch für die Gründung tatsächlich Quellen rar sind, so lässt sich die Stockacher Fasnacht und das Narrengericht tatsächlich bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen. Mit Wein mussten sie sich zwischen Maria Lichtmess, dem 2. Februar und Sonntag Lätare beim Narrengericht einkaufen und wurden dafür mit einem Laufnarrenschlag belohnt und konnten sich ins Narrenbuch eintragen. Mittlerweile haben sich mehr als 13.000 Männer in die mittlerweile neun Narrenbücher eingetragen. Mittlerweile finden Laufnarrenschläge von Dreikönig bis Fasnachtsdienstag statt. Und jedes Jahr erhält ein Titelblatt, das von einem regionalen Künstler gestaltet wird.

Quelle: Stockacher Narrengericht

Endlich steht es vor der Tür, das große Jubiläums-Wochenende des Narrengerichts. Hierüber freut sich auch das Team des Programmausschusses.  | Foto: Achim Holzmann
Die traditionelle Kriegsrat-Szene des Narrengerichts wird ebenfalls Teil des großen Narrentreffens zu Stocken sein.  | Foto: Philipp Findling
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