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Familienunternehmen allsafe
Wie geht Sicherheit in unsicheren Zeiten?

Kunstwerk mit Werkstücken: Jens Laufer und Detlef Lohmann, beide Geschäftsführer von allsafe in Engen, vor einer Collage von Verbindungsstücken für Ladesicherungen. | Foto: Wochenblatt
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  • Kunstwerk mit Werkstücken: Jens Laufer und Detlef Lohmann, beide Geschäftsführer von allsafe in Engen, vor einer Collage von Verbindungsstücken für Ladesicherungen.
  • Foto: Wochenblatt
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EIN GESPRÄCH ÜBER GELEBTE WERTE UND INNOVATION, DIE DAS „WIE“ VOR DAS „WAS“ STELLT

Wenn ein Unternehmen allsafe heißt, dann ist das erst einmal ein Versprechen: Alles sicher.
Man fragt sich unweigerlich, was soll heute denn noch sicher sein? Als erstes die Ladung, die durch allsafe-Produkte auf dem Transport gesichert wird. Auf Lkws, in Fahrzeugen, in Wohnmobilen und seit 2004 sogar in Flugzeugen. Wer sich mit allsafe näher beschäftigt, versteht schnell: Wer heute Sicherheit will, der muss sich damit beschäftigen, wie Sicherheit entstehen kann und wie nicht …

Detlef Lohmann, der 1999 Ancra Jungfalk übernommen hat und es zu allsafe werden hat lassen, und Jens Laufer, der seit 2018 mit in der Geschäftsführung ist, sind ein Tandem, in dem sich Stärken ergänzen. Detlef Lohmann sagt von sich, er lebe stark in der Zukunft.
Es gehe darum, die Konsequenzen heutigen Tuns fünf bis zehn Jahre vorauszudenken. Und Jens Laufer sagt direkt darauf: „Ich lebe im Hier und Jetzt.“
Jens Laufer kam ins Unternehmen, nachdem er bei einem anderen Automobilzulieferer als Mitgesellschafter eingestiegen war und man sich unter den Gesellschaftern nicht einigen konnte. Der Rest lief so, wie es so oder so ähnlich im schönen Hegau wohl öfter passiert: Laufer wohnte schon damals in Engen und sah allsafe täglich vom Balkon aus und hat 2016 Detlef Lohmann einfach angesprochen.
Die beiden einigten sich schnell und Laufer fing als Produktmanager an. 2018 fragte Lohmann ihn, ob er nicht in die Geschäftsführung wolle. So eine Entscheidung, das verbindet Lohmann und Laufer, muss mit der Familie besprochen werden. Die Familie von Jens Laufer stimmte zu. Wie bei Lohmann damals auch: „Ich stieg nicht ein und zog nicht nach Engen, ohne das mit der Familie abzustimmen.“ Und gleich der Bezug zu einem wichtigen Wert bei allsafe: Familienfreundlich bedeute, dass wirklich Raum für die Familie ist, auch für die Mitarbeiter im Unternehmen.

KEIN BETREUTES ARBEITEN

Was war anders für Jens Laufer hier bei allsafe? Man musste sich selbst organisieren. „Hier gibt es kein betreutes Arbeiten. Wenn man am Montag kommt, muss man wissen, was zu tun ist.“ Freiheit und Verantwortung: Für Detlef Lohmann ein unzertrennliches Paar: „Menschen sind frei und verantwortlich.“ Und in Unternehmen, sagt Lohmann, sollte man sich nicht blind vertrauen, sondern Menschen etwas zutrauen. Jens Laufer ergänzt: „Menschen können sich privat Autos kaufen und Verträge abschließen, dann können Menschen auch in Unternehmen Verantwortung übernehmen.“

Eine heile Welt? Nicht nur: Natürlich können einen Menschen, denen man etwas zutraut, auch enttäuschen. Detlef Lohmann sagt: Die Kunst sei, aus Schaden, der aus mehr Freiheit entsteht, zwar zu lernen, aber deshalb nicht mehr Kontrollen einzuführen. Dafür trennt man sich von Mitarbeiter, die die Freiheit bewusst gegen das Unternehmen ausnutzen, schnell, schneller als vielleicht in vielen anderen Unternehmen.

»ICH BIN SO GESTRICKT«

Für Lohmann ist Verantwortung mehr als ein Wertebegriff aus der Klamottenkiste der Managementforschung: „Ich bin so gestrickt. Ich hatte beim Erwachsenwerden viel Freiheit und musste Verantwortung übernehmen.“ Typisch Familienunternehmen ist, dass so eine biografische Komponentedas Unternehmen prägt. Undvielleicht auch Glück, dass so eine Komponente gerade die Lösung für viele Probleme sein könnte, die uns in der Gesellschaft gerade auf den Nägeln brennen.

WIE WIRD GELEISTET?

Mitarbeiter können in der allsafe- Leistungskultur mit hohem Anspruch Freiheit und Verantwortung leben und sich am Unternehmensgewinn beteiligen.
Gegenüber Kunden und Lieferanten schaut man genau, wie die gegenseitigen Erwartungen definiert sind, wie Kundenorientierung und Ertragswirksamkeit von Umsätzen in Balance bleiben können in unruhigen Zeiten und wie Kreislaufwirtschaft innoviert und entwickelt werden kann.
Immer wieder geht es um Win- Win. In diesem Falle sogar um Win-Win-Win: Wie können Kunden, Lieferanten und allsafe samt Mitarbeitern alle gewinnen?

Als erstes mit konsequenter Kundenorientierung: Die bedeutet laut Jens Laufer: „Wo Aufwand reingesteckt wird, geht es auch darum, was der Kunde zurückgibt.“ Dafür müsse man etwas
bieten: „Wenn wir den Kunden Versprechen geben, 24 Stunden nach Bestellung zu liefern, setzen wir dafür alle Hebel in Bewegung, die Versprechen einzulösen.“ Das klingt selbstverständlich, ist es aber in der Multikrisenwelt von 2023 eben nicht mehr. Schon gar nicht, wenn es um Logistik geht.

Lohmann sagt: „Der Kunde will nicht wissen, wann wir etwas versenden, sondern wann es bei ihm ankommt. Unser Geschäftsmodell ist Lieferung frei Haus. Für Business- to-Business-Geschäfte mittlerweile ungewöhnlich. Um das zu schaffen, wird mit mittelständischen Logistikern zusammengearbeitet und die Konditionen werden alle paar Monate angepasst. Damit Win-Win Win-Win bleiben kann. Zwischen allsafe, Lieferanten und Kunden gibt es völlige Transparenz. Damit entfalle, so Lohmann, ständige aufwändige Angebotskalkulation.

DAUERHAFTER NUTZEN

Soviel zur Gegenwart bei allsafe. Und die Zukunft? „Die Zukunft ist dauerhafter Nutzen“, sagt Lohmann. Aus Verbrauchsgütern, wie es auch Ladungssysteme waren, werden Investitionsgüter. „Wir wollen alle ein gutes Leben haben, aber das bedeutet nicht, dass wir dauernd alles neu haben müssen.“
Die Vision: „Ladesicherung wird sicher auch in Zukunft gebraucht, aber sie muss ja nicht dauernd neu produziert werden.“ Und deshalb arbeitet allsafe daran, dass die Ladesicherung von Einsatz zu Einsatz immer wieder zur Reparatur komme, neu kommissioniert werde, neu versandt werde. Just-in-Time-Lieferung inklusive, und das frei Haus. Teilweise wird das heute schon so gelebt.
Transformation entsteht schließlich in kleinen eher leisen Schritten, auch wenn sie uns in der Werbung, in der Zeitung oder im Fernsehen meistens effektheischend als Paukenschlag verkauft wird. Damit, so schießt es mir durch den Kopf, wären wir doch da, wo der „gesunde Menschenverstand“ viele hinzieht, wenn es um Nachhaltigkeit geht: „Früher haben wir die Socken auch gestopft…“.

RAUM FÜR STÄRKEN

Nochmals zurück zur Unternehmenskultur: „Wir haben Hierarchien, wir haben eine klare Struktur, aber wir sind nicht nach Abteilungen organisiert, sondern nach Prozessen. Und der Prozess wird vom Durchfluss bestimmt. In dem Beispiel für Herstell- und Logostikprozess ist es der Materialfluss.“, Detlef Lohmann fügt hinzu: Üblicherweise seien das drei bis fünf Abteilungen, hier ist das ein Produktionsteam. Und jeder mit der gleichen Freiheit? Nein, jeder könne bestimmen, ob er beispielsweise mehrere Bereiche abdeckt, eher der Generalist ist oder ob er eher der Spezialist sei. Das führe automatisch zu einer Kultur der Stärken: Um so ein System am laufen zu halten, brauche es viel Kommunikation und Transparenz.
Wie empfinden das die Menschen an „Bord der allsafe“? Jens Laufer glaubt schon, dass ein gewisser Stolz da sei, aber die Leute würden „keinen Fanfarenzug“ daraus machen.
Das, was man hier tue, funktioniere nur, weil allsafe unabhängig vom Kapitalmarkt sei. Nur so sei dauerhafte Nachhaltigkeit im unternehmerischen Sinne möglich, ergänzt Lohmann. Das sind wohl die relevantesten Unterschiede zwischen Familienunternehmen und börsennotierten Unternehmen: Die größere Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt und die feste Verbindung zwischen Unternehmen und Familie.

Zurück zum Anfang: allsafe steht für Sicherheit. Die Sicherheit hier baut auf den Sicherheiten, die Menschen schaffen können, nicht auf leeren Versprechen: Weil sie ihre Stärken einsetzen, weil es eine Balance gibt zwischen Kundennutzen, Lieferantennutzen und dem Ausbau der eigenen Stärke. Auf dem Grundsatz, dass Verantwortung und Freiheit ein Paar sind. Und dass sich Menschen an
der Spitze einem Unternehmen verpflichten und schon eine Generation weiterdenken.
Diese Sicherheiten ermöglichen für Detlef Lohmann das endlose Spiel, das sich wahrscheinlich fast jede und jeder, der ein Familienunternehmen gründet, wünscht.
An dieser Stelle wird es philosophisch und pragmatisch gleichzeitig: „Endliche Spieler spielen innerhalb von Grenzen, unendliche Spieler spielen mit Grenzen“, sagt Laufer. Und Lohmann ergänzt: „Dazu müssen die Spieler sich ihrer eigenen Grenzen bewusst sein“. Weil an diesen Grenzen braucht man intern wie extern die anderen… Und sich gegenseitig zu brauchen, geht ohne Win-Win nicht, zumindest nicht nachhaltig. Und so ist allsafe zum Pionier geworden, zum Nachhaltigkeitspionier.

Allsafe – DREI FAKTEN

KURZE CHRONIK: Gegründet wurde allsafe 1964 durch Erik Jungfalk, nach 5 Jahren wurde das Unternehmen in Ancra Jungfalk umbenannt. Bis 1999 geführt von Karl Koller, wurde es 1999 von Detlef Lohmann übernommen, 2004 wurde Ancra umbenannt in allsafe. Heute mit über 200 Mitarbeitern geht es bei allsafe in die nächste Entwicklungsstufe.

MITARBEITER BETEILIGEN: Detlef Lohmann wollte schon früh eine Kultur prägen, in der Freiheit und Verantwortung eine große Rolle spielen. So gibt es für Mitarbeiter seit 2004 allsafe- Genussscheine. Lohmann warf einige Managementgrundsätze über Bord. 2012 veröffentlichte er das Buch „…und mittags gehe ich heim.“ Es wurde damals Managementbuch des Jahres.

RESSOURCEN SCHONEN: Nachhaltigkeit ist einfacher gesagt als getan. Bei allsafe wird gerade aus
Ladesicherung neu zu produzieren immer mehr Ladesicherung zu reparieren.
Die erste Co2-Bilanz gab es bei allsafe 2012. Und auf dem Dach von Allsafe soll bis 2024 mehr Strom erzeugt werden als das Unternehmen verbraucht.

Text: Anatol Hennig, Wochenblatt

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Autor:

Verlag Singener Wochenblatt aus Singen

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