Junge Galerie präsentiert seit einem Vierteljahrhundert Künstler der Region
25 Jahre jung und doch eine lange Tradition

25 Jahre Junge Galerie HJW | Foto: Sonderschullehrer und Kunsttherapeut Jörg Rinninsland bringt seit 25 Jahren Künstler der Region ins Hegau-Jugendwerk und macht somit besondere Begegnungen im Rahmen der „Jungen Galerie“ möglich. 
swb-Bild: Kranz
  • 25 Jahre Junge Galerie HJW
  • Foto: Sonderschullehrer und Kunsttherapeut Jörg Rinninsland bringt seit 25 Jahren Künstler der Region ins Hegau-Jugendwerk und macht somit besondere Begegnungen im Rahmen der „Jungen Galerie“ möglich.
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Gailingen. Am 5. Juni wurde sie 25 Jahre alt – die Junge Galerie des Hegau-Jugendwerks (HJW) in Gailingen. Ein junges Alter und doch ist ein Vierteljahrhundert für eine Einrichtung dieser Art beachtenswert lang.

Was 1996 als Idee des Sonderschullehrers und Kunsttherapeuten Jörg Rinninsland begann, ist heute in der Kunstszene am westlichen Bodensee Seite ein fest etabliertes Angebot für die Patienten des HJW und deren Angehörige, für die Mitarbeitenden, für die kunstinteressierte Öffentlichkeit und für die Künstlerinnen und Künstler. An die 150 Kunstschaffende aus Deutschland und der Schweiz hat Jörg Rinninsland in den 25 Jahren schon präsentiert. Das Spektrum der Ausstellenden ist groß, die Bandbreite umfasste etablierte lokale Künstler bis hin zu erste Ausstellungserfahrungen sammelnden kunstbegeisterten Laien.

1996 hatten Jörg Rinninsland und Hans-Georg Lauer, beide damals „nur“ Lehrer an der Wilhelm-Bläsig-Krankenhaus-Schule, das Okay der Geschäftsführung bekommen, in den zentralen Räumlichkeiten des Verwaltungsgebäudes Wechselausstellungen im Sinne einer Galerie zu organisieren. Im Rückblick erinnert sich Rinninsland, der seit 2013 Konrektor der Krankenhaus-Schule ist, er habe gesehen, dass sich die Räumlichkeiten sehr gut für einen Ausstellungsbetrieb eigneten. Und „weil Konzepte der rezeptiven Kunsttherapie und zur „Kultur im Krankenhaus“ in der Fachwelt damals viel diskutiert wurden und er durch eigene Ausstellungserfahrung als Student Lust auf das Projekt hatte“, so der Körperbehindertenlehrer, fand er in Lauer einen Gleichgesinnten, der das Potential von Kultur ebenfalls sah und nutzen wollte. Das war die Geburtsstunde der „Jungen Galerie“.
Der Name war bewusst gewählt: „Junge Galerie“ deshalb, weil sie jungen Künstlern Starthilfe in ihrer Entwicklung hin zu einem klaren Weg zur eigenen Kunst geben will. Dies entspricht ganz dem Motto des Hegau-Jugendwerks, das jungen Menschen in gesundheitlichen Schwierigkeiten in ein vielleicht neues, aber doch selbstbestimmtes und erfülltes Leben helfen möchte. Dabei müssen junge Künstler nicht an Jahren jung sein, jung bedeutet auch, sich erst neu in der Bildenden Kunst zu erproben – egal in welchem Alter.
Seit 1996 wurden regelmäßig von der „jungen Galerie“ die verschiedensten Künstler und Künstlerinnen eingeladen, ihre Werke zu präsentieren, darunter auch etablierte Künstler, die mit ihren Präsentationen den Ausstellungsort aufwerten und für alle noch interessanter und bunter machen. Fünf Vernissagen pro Jahr wurden gefeiert und die lokale Presse berichtete stets von den aktuellen Ausstellungen.

Häufig traten bei den Vernissagen unterschiedlichste Musiker auf, bei denen sich bis zu 70 Gäste trafen, darunter auch Rehabilitanden und deren Angehörige, um mitzufeiern und mit zu diskutieren, aber auch um Denkanstöße zu bekommen und zu neuen Ansichten und Einsichten zu gelangen. Die Reha-Welt mischte sich mit der allgemeinen „wirklichen“ Welt. Dieses Ansinnen ist Jörg Rinninsland noch heute wichtig: Er will mit seiner Galerie eine Begegnungsfläche schaffen von abgeschlossener Reha-Welt und dem gesellschaftlichem Leben draußen. Eine Begegnung der Welten ganz im Sinne der Inklusion. Für seine Galerie gelten deshalb auch andere Maßstäbe als für andere Galerien, sie verfolgt kein kommerzielles Interesse, sie ist ein Geben und Nehmen von Künstlern und Hegau-Jugendwerk.

Mit über 120 Ausstellungen wurde die junge Galerie auch für das Kulturleben der Gemeinde Gailingen eine Institution. Die Chancen stehen gut, dass sie älter werden darf. Denn wenn Galerist Jörg Rinninsland im kommenden Jahr in den Ruhestand geht, tritt die Engener Realschullehrerin und Kunsttherapeutin Nadine Karker in seine Fußstapfen. Sie wird als externe Galeristin dem Hegau-Jugendwerk weiterhin fünfmal im Jahr die Kunst lokaler Künstler nahe bringen – auch ganz im bisherigen Sinne eines therapeutischen Angebots und als Angebot für die Feriengäste in Gailingen.
Eine spezielle Jubiläum-Ausstellung wird es coronabedingt in 2021 nicht geben, der Ausstellungsbetrieb ruht seit dem Spätsommer 2020. Ausstellungsmacher Jörg Rinninsland hofft aber, im Herbst die Corona-Pause beenden zu können. Denn Corona habe noch deutlicher gezeigt, „dass es in schwierigen Zeiten hilft, von anderen Menschen zu hören, wie sie die Dinge sehen“. Da helfen Geschichten, Lesungen und Vorträge ebenso wie Musik, Theater und Tanz – oder eben die Bildende Kunst. Bilder von Künstlern, „die in ihren Werken zentrale Daseinsfragen auf ihre Art und immer wieder anders thematisieren und nonverbal Stimmungen und Gefühle auslösen können, können helfen, ein neues Licht auf die eigene Situation zu werfen“, ist der nimmermüde Galerist zutiefst überzeugt.
Bildtext: Sonderschullehrer und Kunsttherapeut Jörg Rinninsland bringt seit 25 Jahren Künstler der Region ins Hegau-Jugendwerk und macht somit besondere Begegnungen im Rahmen der „Jungen Galerie“ möglich. Bild: Kranz

Autor:

Ute Mucha aus Moos

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